Kochbuch von Tessa Kiros: Piri Piri – Die echte portugiesische Küche

Kochbuch von Tessa Kiros: Piri Piri – Die echte portugiesische Küche ★★★★☆

Piri Piri – Die echte portugiesische Küche
Tessa Kiros, Christian Verlag (2012)

Mehr über den Kochbuch-Verlag

Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sonderbar. Da meine ich, Portugal ganz gut zu kennen. Die Geschichte sowieso, von Heinrich dem Seefahrer bis zur Nelkenrevolution, die Literatur mit Größen wie Pessoa und Saramago, den wehmütigen Fado, Portwein, die Algarveküste und das pittoreske Lissabon, aber die portugiesische Küche ist mir nahezu unbekannt, vielleicht mal abgesehen von den köstlichen Pastéis de Nata. Ich war also gespannt auf „Piri Piri“, das im Untertitel verspricht, die „echte“ portugiesische Küche zu präsentieren.

Nun, Tessa Kiros ist keine Portugiesin, sondern Tochter einer Finnin und eines Zyprioten, in Südafrika aufgewachsen und mit einem Italiener verheiratet. Ist das ein Grund, ihr zu misstrauen? Ich denke, nein. Auch sprechen die vielen Kochbücher, die sie schon geschrieben hat, nicht zwangsläufig für eine gewisse Beliebigkeit.

kiros-org-1Wie ist nun der erste Eindruck? Schon beim raschen Durchblättern fühle ich mich nach Portugal versetzt. Es passt einfach alles, stimmungsvolle Detailfotos von meist unscheinbaren Alltagsgegenständen, dazu eine zurückhaltende typographische Gestaltung und auch die Fotos der Gerichte, um die es ja eigentlich geht, springen mir nicht ins Auge, sondern offenbaren sich nur zögernd, mit derart gedeckten Farben, dass die Fotos Raum zur Interpretation lassen. Überall meine ich die Saudade zu spüren, jene oft beschriebene landestypische Traurigkeit und Melancholie. Ja, sogar in einem Rezeptnamen kommt sie zum Vorschein. Das, was die Franzosen mit einem Kuss assoziieren (Baiser), heißt hier „Suspiros“ – Seufzer.

Allerdings ist dem wunderschönen nostalgischen Layout auch eine Schwäche geschuldet, die sich in der Küche negativ bemerkbar macht. Die benötigten Zutaten werden im Fließtext angegeben, getrennt lediglich durch zarte Punkte. Noch dazu in Großbuchstaben gesetzt, mithin eher schwer lesbar und unübersichtlich. Und – wenn ich nun schon mal am Nörgeln bin – auch noch dies: im Buch kommen viele Rezepte mit Klippfisch (auch als Stockfisch bekannt) und Tintenfisch vor (je neun, wenn ich richtig gezählt habe). Bei beiden Fischen ist zunächst einiges an Vorbereitung angesagt, was präzise beschrieben in jedem dieser Rezepte in oft identischer Wortwahl auftaucht. Das bläht die sonst meist recht einfachen Rezepte unnötig auf. Dabei wird zumindest das Prozedere in Sachen Klippfisch bereits im Eingangskapitel „Grundlagen der portugiesischen Küche“ geschildert. Eine simple Verweisung hätte also bei den betreffenden Rezepten genügt.

Ansonsten gibt es für mich an den Rezepten kaum etwas auszusetzen. Da die portugiesische Küche eine Küche von Bauern und Seefahrern ist, überwiegen einfache Gerichte mit dem was Land und Meer hergibt. Und gelegentlich erinnert das eine oder andere an die koloniale Vergangenheit, z.B. das scharfe Piri-Piri-Öl, das vielseitig verwendet wird. Besonders gefallen haben mir die meisten der zahlreichen Fischrezepte, etwa die einfachen Thunfisch- und Sardinenpasten, die Kroketten aus Klippfisch, der Oktopus von den Azoren, der im eigenen Saft gegart wird, oder jener, der im Ofen in einem Sud aus Weißwein und Essig geschmort wird. Aber auch deftige traditionelle Gerichte wie „Cozido“, eine Art Pot-au-feu mit verschiedenen Fleischsorten, rote Beten, Wirsing, Kartoffeln und Süßkartoffeln, und eine „Feijoada“, ein Eintopf mit Tintenfisch, Bohnen und Paprikawurst, sind nicht zu verachten.

In der Küche sah ich mich keinen größeren Problemen gegenüber. Gewiss, manches Rezept beansprucht ein wenig mehr Zeit, aber es gibt genügend Gerichte, die auch unter der Woche in begrenztem Zeitrahmen zu schaffen sind. Die Anleitungen sind leicht nachzuvollziehen, bei den Zutaten dürfte es wohl nur in Sachen Klippfisch schwierig mit dem Beschaffen werden. Für den Fall, dass die Suche scheitert, hier ein Tipp, der zumindest zu einem ähnlichen Ergebnis führt. Man kann nämlich frischen Kabeljau mit viel Salz bestreut mindestens einen Tag lang im Kühlschrank Wasser ziehen lassen und ihn dann gut gespült wie Klippfisch verwenden (beispielsweise so wie Foodbloggerin Bolli).

kiros-org-2

Insgesamt lässt sich sagen, dass die portugiesische Küche zwar kaum Gerichte kreiert hat, die in der weiten Welt Berühmtheit erlangt haben, dass sie dafür aber viele bodenständige Speisen zu bieten hat, die es lohnen, ausprobiert zu werden. Vor allem Fischliebhaber (aber nicht nur die) dürften bei Tessa Kiros’ schmuckem Buch schwach werden. Sie werden es nicht bereuen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

Meistgelesen

Themen A-Z