Kochbuch von Tessa Kiros: Griechenland in meiner Küche

Kochbuch von Tessa Kiros: Griechenland in meiner Küche ★★★★☆

Griechenland in meiner Küche: Rezepte, die nach Sonne schmecken
Tessa Kiros, Dorling Kindersley Verlag (2011)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Gefällt mir, aber …

Mit diesem Buch kann man nicht viel falsch machen. Illustriert mit Fotos, die nett anzuschauen sind, beinhaltet es einfache Rezepte für verschiedene Gelegenheiten. Eine solide Sache bei der nur das kleine gewisse Etwas fehlt, das aus einem guten Kochbuch ein besonderes macht.

Griechenland, das ist für mich Sommer, Strand und Hitze! Das ist Souvlaki und Tzatziki, Retsina und Ouzo, und ja das sind kulinarische Klischees, doch genau die möchte ich bei einem Griechenland-Kochbuch bedient haben. Und zugleich erhoffe ich mir Einblicke in die kulinarische Gegenwart des Landes, moderne Interpretationen, eine eigene Linie, die mir mehr zeigt, als der Grieche an der Ecke mit seiner seit Jahren bewährten Speisekarte. Zuviel verlangt?

Tessa Kiros gehört mit einigem Erfolg zu den Vielschreibern unter den Kochbuchautoren. Doch wo die Quantität, nämlich viele Veröffentlichungen, im Vordergrund steht, neigen Verlage und Autoren dazu, Bewährtes zu wiederholen.
Auch Kiros Griechenland-Kochbuch wagt nicht allzu viel. Es beinhaltet traditionelle Gerichte wie auch solche für die Fastenzeit oder Ostern, aber eben auch ganz klassisch Meze (griechische Antipasti) und Gebäck, Suppen, Gemüse und Salate, Fleisch- und Fischgerichte und Süßspeisen. Also von jedem etwas und dazu noch ein bisschen historischen und geographischen Hintergrund.
Vorweg gibt sie eine Einführung in das griechische Alphabet, die ich persönlich absolut entbehrlich finde, und ein Glossar typischer griechischer Zutaten oder Utensilien, welches wiederum recht hilfreich ist; z.B. dass geraspelte Tomaten oder Zwiebeln den Speisen eine feine, weiche Konsistenz verleihen.

Auch optisch ist das Buch von einer bewährten Ästhetik, die gefällig ist, mich aber nicht in ihren Bann schlägt. Wobei einige Fotografien – Food- und Lifestylefotografien halten sich dabei die Waage – durchaus Charme haben. Beinah wie Schnappschüsse in den Hinterhof, die Küche, den griechischen Alltag. Dabei ganz still, folkloristisch, aber nicht zwanghaft schön, irgendwie nachdenklich und auch einladend.

Für meinen Geschmack allerdings teils auch etwas kontrastarm. Und die dargestellte Griechenland-Folklore löst bei mir kein Fernweh aus, sondern ist eher kitschig. Hier wird ein bestimmtes Griechenlandbild kolportiert, das eben nicht meines ist.

Jedem Rezept wird eine einleitende Passage vorangestellt, die Hintergrundinformationen oder Zubereitungstipps beinhaltet, die aber nicht gelesen werden muss. Die Rezepte selbst sind bodenständig und nicht unbedingt exquisit, dabei sehr sorgfältig und gut beschrieben. Die Zutaten hat man zuhause oder bekommt sie im Supermarkt. Bei speziell griechischen Produkten wird immer eine Alternative vorgeschlagen. Und es gibt viele Rezepte, die selbst Kochnovizen leicht gelingen dürften, aber eben auch solche, die etwas mehr Zeit und Geschick erfordern. Störend fand ich lediglich, dass sie als reiner Fließtext formatiert sind. Und wirklich nervend ist die Schriftfarbe: Durchgängig wird ein helles Türkisblau verwendet, das auf einige Entfernung (Arbeitsplatte) nicht mehr angenehm zu lesen ist.

Griechenland in meiner Küche ist kein Kochbuch, bei dem ich sofort alles nachkochen wollte. Einiges schien mir fast ein bisschen fad. Zugleich finden sich aber zwischendurch immer wieder Gerichte, die in meinen Augen ganz groß sind, nämlich die alle Zutaten von ihrer besten Seite zeigen, ohne viel Chi-Chi. Das scheint mir überhaupt eine Stärke der griechischen Küche: mit wenigen Grundprodukten und ohne viel Firlefanz einfache, schmackhafte Gerichte zu schaffen. Kiros ist es gelungen, dies mit ihrer Sammlung zu zeigen.

Gewünscht hätte ich mir neben den bekannten Klassikern einfach ein bisschen mehr Eigenes, ein bisschen mehr Gegenwart – gestalterisch, wie auch auf Rezeptebene. Aber vielleicht habe ich auch zuviel erwartet. Und, ist das ein Fehler des Buchs oder einfach meiner Erwartungshaltung?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2011

2 Kommentare

  1. Helma

    Mir geht es fast genauso mit dem Kochbuch. Es fehlt ein kleiner Kick….aber dafür funktionieren die Rezepte.

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