Kochbuch von Terry Hope Romero: Salat Samurai

Kochbuch von Terry Hope Romero: Salat Samurai ★★★☆☆

Salat Samurai – 100 ultimative, besonders
herzhafte, schnell zubereitete Salate für
die man nicht vegan sein muss, um sie zu lieben
Terry Hope Romero
Fotos Vanessa K. Rees
Autorenfoto John Stavropoulos
Unimedica (2016)

Katja Böttger

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Was haben japanische Krieger und Blattgemüse gemeinsam? Nun, auf einem Buchtitel vereint, machen sie jedenfalls neugierig! Salat Samurai heißt das Buch, und es verspricht 100 ultimative, besonders herzhafte, schnell zubereitete Salate, vegan noch dazu. Dass die Samurai mit ihren Schwertern Salatzutaten schnibbelten, darf wohl bezweifelt werden – aber vielleicht folgten sie nur dem falschen Kodex?

Salat – geliebt als leichtfüßiges Sommergericht, fast schon Synonym für einen gesunden Lebensstil – verspottet als Kaninchenfutter, allenfalls in Begleitung mit einem guten Stück Grillfleisch zu genießen… Wie dem auch sei, jedenfalls eilt ihm nicht gerade der Ruf voraus, nachhaltig sättigend zu sein, und auch wer Appetit auf Deftiges verspürt, denkt meist nicht zuerst an Salat. Dies will Terry Hope Romero ändern. Einhundert Salate verspricht sie, und sie meint keine hellgrünen Blättchen mit zarter Vinaigrette. Ihre Salate sind Hauptmahlzeiten, herzhaft im Geschmack, großzügig portioniert.

Großzügig rundet sie allerdings auch auf: Tatsächlich sind es gerade einmal 62 Salatrezepte. Plus einige Dressings und Toppings. Aber ich will nicht kleinlich sein, 62 innovative Rezepte sind schließlich immer noch besser als einhundert langweilige.

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Der Codex des Salat Samurai

Los geht’s mit dem „Codex des Salat Samurai“: Wochenplanung, Ausrüstung, Tofu-Presstechnik, Transport, spezielle Zutaten. Terry Hope Romero (links) schreibt amüsant und witzig, überzeugend im Tonfall, dennoch regt sich bei mir Protest. Den gesamten Wocheneinkauf soll ich vorschnibbeln und dann nach Haltbarkeit gestaffelt verbrauchen – ernsthaft, wer macht sowas? Für einen Hochleistungsmixer soll ich in die höhere dreistelliger Euro-Zone greifen (eines der empfohlenen Markengeräte wird vom Verlag vertrieben!) – für ein gutes Gemüsemesser dagegen gerade einmal zehn Euro investieren? Da setzt ein Samurai gewiss andere Prioritäten, ich sage nur Hattori Hanzō!

Okay, dann müssen also die Rezepte glänzen. Die Auswahl fällt mir nicht ganz leicht, eines nach dem anderen verwerfe ich. Die Stolpersteine verstecken sich in den Zutaten: Viel Spezielles, Querverweise lassen die Einkaufslisten deutlich länger werden als auf den ersten Blick vermutet, viele Zutaten wollen vorproduziert und vorbereitet werden. Das macht es mir fast unmöglich, mit einem spontanen Abstecher in den Feierabendeinkauf zu einem schnellen Abendessen zu kommen.

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Reichlich Geschmacksverstärkung

Hat man aber endlich doch alles vorbereitet, ist die Zubereitung dann tatsächlich blitzschnell erledigt. Auch geschmacklich waren die probierten Salate durchweg okay, kreativ und bunt wie das Buch, manche sogar richtig lecker. Für den Stil konnte ich mich dennoch nicht so recht erwärmen. Für mein Empfinden setzt Terry Hope Romero zu sehr auf Geschmacksverstärkung, noch dazu aus vorproduzierten Fertigprodukten. Allzu reichlich kommen Sojasaucen, Tamari und Misopaste zum Einsatz, Sriracha, Adobo und Ketchup, Raucharoma, Unmengen an Zucker & Co., viel Salziges. Fast schon fühle ich mich in der Fastfood-Falle – beim ersten Bissen schmeckt es nahezu unwiderstehlich, bald schon beginnen die Geschmacksknospen zu erblinden, und zu guter Letzt habe ich doch mal wieder zu viel davon gegessen.

Schlaglöcher, Holpersteine

Nebenbei offenbaren sich viele kleine Ungereimtheiten. Manche Rezepte werden unnötig auf drei Seiten gestreckt, wobei die erste Texthälfte eine Doppelseite mit einem Foto teilt und dann mitten im Rezept umgeblättert werden muss. Einige Fotos zeigen Zutaten, die im Rezept fehlen, und umgekehrt. Gelegentlich scheint auch die Übersetzung etwas holprig, wenn etwa von „Pfanne“ die Rede ist, wo ein Topf benötigt wird, oder wenn nach „koscherem Salz“ verlangt wird. Der Hinweis „bio“ findet sich merkwürdigerweise exklusiv beim Kristallzucker, ausgerechnet dort, immer wieder. Zutaten wie „Liquid Aminos“ oder „Adobo“ werden nicht erklärt – lauter Kleinigkeiten, die in der Summe dann doch ärgerlich sind. Lauter Schlaglöcher und Holpersteine. Nein, einfach ist er nicht, der Weg des Salat Samurai.

Terry Hope Romero verspricht viel, aber macht es ihren Leserinnen nicht ganz einfach. Wer sich aber auf sie einlässt und in ihrem Stil einkauft und vorbereitet, dazu mitdenkt und improvisiert, kann tatsächlich im Handumdrehen einen Salat in die Schüssel zaubern, der in puncto „satt und zufrieden“ keine Wünsche offen lässt. Und auch eine gelegentliche Heißhungerattacke auf Deftiges lässt sich elegant in vegane Bahnen lenken.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2016

1 Kommentare

  1. Thea

    Oh ja: „kosher salt“ 😉

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