Kochbuch von Tanja Dusy: Vegetarisch kochen

Kochbuch von Tanja Dusy: Vegetarisch kochen ★★★★☆

Vegetarisch kochen: Für jeden Tag
Tanja Dusy, Fotos Ulrike Holsten, Gräfe und Unzer Verlag (2012)
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Simone Brokmeier

Von

Praktisch, vielseitig und vernünftig

Ich bin ein vernünftiger Mensch. Kochbücher „für jeden Tag“ sind vernünftig. Vegetarisch essen kann vernünftig sein. Dennoch liebe ich Champagner und gebratene Entenbrust. Hat „Vegetarisch Kochen für jeden Tag“ von Tanja Dusy das Zeug dazu, ein Lieblingsbuch in meiner Sammlung zu werden?

Grundsätzlich durchaus. Denn genauso wenig wie ich jeden Tag prickelnde Schaumweine trinke, möchte ich jeden Tag ein Stück Fleisch essen. Und mit einem Vegetarier in der Familie, muss ich mir noch mehr Gedanken machen, was ich jenseits von Pasta und Pfannkuchen fleischlos auf den Tisch bringe.

Schließlich gilt es, nicht nur das Schnitzel wegzulassen, sondern Gemüse noch appetitlicher und vielseitiger zuzubereiten, die „Exoten“ wie Amaranth, Quinoa und Tofu auszuprobieren und vielleicht sogar schätzen zu lernen? Gern nahm ich also die Herausforderung an und Tanja Dusys Buch immer wieder zur Hand. Die gelungene Zusammenstellung der Rezepte kommt einer kleinen kulinarischen Weltreise nahe, hier wird nicht dogmatisch gekocht – vegetarisch ist gut, öko ist alles – sondern Lust gemacht, sich auch mal anders zu ernähren. Bei ausgedehnten Reisen lernte die aus Baden stammende Autorin fremde Aromen und die vegetarische Küche Asiens kennen. Nach prämierten Büchern über die indische Küche, stellt sie in diesem Band nun einen Mix bunter, internationaler Kreationen vor, die man problemlos jeden Tag umsetzen kann. Und tatsächlich macht! Es ist genau diese Vielfalt, die sofort zum Nachkochen inspiriert, aus dem täglichen „Was könnte ich kochen?“ wurde sofort ein: „Welches Rezept probieren wir heute aus?“. Dazu gibt die Autorin eingangs kurz grundlegende Informationen zu den Zutaten, die für eine ausgewogene Ernährung ohne Fleisch so wichtig sind. Mir persönlich reichten die Ausführungen, wer sich ausschließlich vegetarisch ernährt, wünscht sich vielleicht noch etwas mehr Hintergrundinformationen.

Innerhalb der Kategorien sind die Rezepte fließend nach Jahreszeiten geordnet. So wird Salat je nach Saison mit Bärlauch und Ziegenfrischkäse-Bällchen kombiniert, mit Pfirsichen, Pinienkernen und Knoblauchcroutons aufgepeppt oder von Walnüssen und Yufka-Käsestangen begleitet. Das will ich alles gleich ausprobieren! Mein Standard-Repertoire an Saucen erfuhr bereits durch die Karamell-Nuss-Vinaigrette mit einem Hauch Chili, Haselnussöl und Honig eine erfreuliche Auffrischung. Mehr Abwechslung versprechen auch die einunzwanzig Ideen zu Brotaufstriche, Dips und Saucen wie Rote-Bete-Dip mit Schafskäse oder Asia-Butter zu Röstgemüse.

Den Auftakt zu den Vorspeisen und Snacks macht eine weiße Spargelterrine mit Avocado-Spargel-Salat. Das hätte auch Jamie nicht eleganter hinbekommen. Von den Suppen lachte mich die Polentasuppe mit gebratenen Tomaten sogleich an. Beim Graupeneintopf mit Steckrüben dagegen kapituliere ich, das klingt mir zu sehr nach gestrigem Öko-Muff. Auch mein Faible für Tofu hält sich nach wie vor in Grenzen, aber ich habe mich an diesen Inbegriff der fleischlosen Küche herangewagt. Und siehe da: der sonst eher fade, weiße Sojabohnenquark bekam durch die knusprige, gewürzte Sesam-Hülle plötzlich Charakter. Das Zuckerschoten-Erdbeer-Gemüse dazu besticht durch die tolle Farbkombination und überraschte mit Curry und Sojasauce durch ganz neue Geschmackskomponenten!

Am meisten Inspiration habe ich mir vom größten Part, den Hauptspeisen, erhofft – und auch gefunden. Die Bärlauch-Plinsen zu gedämpftem Gemüse und Spinat-Petersiliensauce waren einfach umwerfend. Die Zubereitungszeit leider auch, denn in 20 Minuten Hefeteig-Pfannkuchen für 4 Personen, zuzubereiten und auszubacken kann nicht gelingen. Köstlich waren sie trotzdem. Und gegessen waren sie in weniger als 20 Minuten… Auch der herzhafte Käsekuchen mit Frühlingszwiebeln ist etwas aufwendig, gelang aber wie alle probierten Rezepte perfekt und punktete mit ganz neuem Geschmack. Und er sah genauso verlockend aus, wie auf dem Foto, was bekanntermaßen nicht immer gelingt. A propos – die Bilder, die fast alle Gerichte begleiten, sind allesamt ästhetisch, frisch und ungekünstelt. Besonders die Fotoseiten, die schachbrett-artig aufgeteilt je zwei Gerichte und ihre Zutaten zeigen, fand ich sehr sophisticated: wenn die Komplementärfarben violette Tischdecke und oranger Kürbis aufeinandertreffen, das hat Style und nichts von Müsliecke von einst!

Ja, es ist ein vernünftiges Buch, praktisch, enorm vielseitig, vielleicht ohne Wow-Effekt auf jeder Seite. Aber darum geht es mir in der Alltagsküche auch nicht. Ich will Inspiration und Funktion. Und jetzt mache ich uns noch ein Dessert: warme Obstpäckchen, nicht die Tofucreme …

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

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