Kochbuch von Tanja Dusy: Smörgås

Kochbuch von Tanja Dusy: Smörgås ★★★★☆

Smörgås – Gemeinsam gemütlich genießen: 100 Rezepte für opulente Buffets
Tanja Dusy
Fotos: Tina Bumann
EMF Verlag (2018)

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Gemeinsam und ganz ohne Stress essen und genießen? Und dabei noch Freunde und Familie mit all den unterschiedlichen Essgewohnheiten und Allergien problemlos an einen Tisch kriegen? Das will ich auch! Smörgås heißt das Zauberwort!

Tanja Dusy ist eine routinierte Entwicklerin neuer Kochbuch-Konzepte. In ihrem aktuellen Werk greift sie eine Idee aus Schweden auf, die schon länger online durch die einschlägigen Kanäle geistert: Smörgåsbords. Smörgås sind eigentlich Butterbrote, ein Smörgåsbord ist nun ein erweitertes Abendbrot. Ein kleines Buffet bzw. eine große Platte, auf der im Voraus alles angerichtet wird: Dips und Gemüse, Brot und Wurst, Antipasti und Käse. Zusammengestellt werden kann nach Lust und Laune und Vorlieben von Gast und der entspannten Gastgeberin.

Durchdacht

In einer ausführlichen Einleitung stellt Tanja Dusy die Idee und die dahinterstehenden Möglichkeiten vor. Ihr Buch bietet Rezepte für saisonale oder länderspezifische Bords, wobei es mir freisteht zu variieren, wegzulassen oder zu ergänzen. So gibt es ein Italienisches Bord mit Klassikern wie Caponata oder ein skandinavisches Bord mit z. B. Graved Lachs. Beim Fresh-Asia-Bord gibt es u. a. Saté-Spieße und Tofu-Koriander-Dip, beim Biergarten-Bord Obazda und Strammer-Max-Türmchen. Sogar ein Sweet-Bord mit Avocado-Limetten-Creme und Belgischen Waffelhappen hat den Weg ins Buch gefunden.

Insgesamt gibt es an die hundert Rezepte, verteilt auf 15 thematische Bords. Neben den eigentlichen Rezepten gibt es für jedes Bord noch passende Ergänzungen: Rohkost oder Obst, bestimmte Aufschnittsorten, fertige Antipasti oder passende Brotsorten. Außerdem gibt die Autorin zu jedem Kapitel eine persönliche zweiteilige Einführung, wie sie ihr Bord baut und wie man das Bord erweitern kann. Ich fühle mich sehr an die Hand genommen. Tanja Dusy hat wirklich an alles gedacht.

Mein erster Eindruck: Die einzelnen Bords sehen toll aus! So will ich auch in Zukunft anrichten. Dadurch, dass alles auf einer Platte harmonisch mittig angerichtet wird, wirkt es einfach unheimlich opulent. Alles ist sehr appetitlich und einladend inszeniert und fotografiert. Das merke ich mir schon mal!

Man hat zu tun

Doch wie steht es nun mit den Rezepten? Für ein ganzes Bord fehlt mir zunächst der Anlass und dann auch die Zeit. Denn zwar lässt sich alles prima vorbereiten, aber will man alle vorgeschlagenen Komponenten eines Bords verwirklichen, hat man auch ordentlich zu tun. Ich schaue mir das Orientalische Bord genauer an: Drei unterschiedliche Pasten zu machen mit je acht bis zwölf verschiedenen Zutaten schüttle ich nicht mal eben so aus dem Ärmel. Oder auch die Frischkäsebällchen, die so harmlos daherkommen, haben schon einen Weg hinter sich: Der Frischkäse muss ein bis drei Tage abtropfen, die Bällchen müssen geformt und dann an die zwei Tage mariniert werden. Dazu soll es Sesam-Gewürz-Möhren, Sesam-Gewürz-Krokant, Dukkah und gefüllte Datteln geben … Und da fällt mir auf, was fehlt: ein kleiner Zeitplan. Ich glaube, das wäre für Kochnovizen doch recht hilfreich. Denn so ein Bord will geplant sein.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Tanja Dusy bei Instagram

Mehr von Tanja Dusy bei Valentinas

Ich zumindest lerne: Entspannt ist diese Smörgås-Sache, aber nur wenn man genug Zeit zum Vorbereiten hat – After-work-Küche ist es definitiv nicht. Aber man muss ja auch nicht alles auf einmal machen. Ich suche mir hier und da – ich glaube, Frau Dusy hat nichts dagegen – nun einzelne Rezepte heraus und integriere sie ins heimische „Abend-Bord“. Zum unerwarteten Renner aus dem Biergarten-Bord wird die Eier-Senf-Creme mit Kräutern. Ruck, zuck ist sie verputzt, mir bleibt nur ein Koste-Klecks. Doch, die war gut. Und gar nicht schwer. Die Rezepte sind präzise, meist in drei Unterpunkten beschrieben und leicht nachzukochen.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt definitiv bei Rezepten für Dips und Cremes, Saucen und Salsas. Das macht Sinn, da sie auch längere Wartezeiten nicht übel nehmen. Wobei ich mir schon noch mehr Rezepte für Salate gewünscht hätte, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht so ein Rohkostfan bin.

Smörgås ist ein inspirierendes Buch. Und die von Tanja Dusy vorgestellten Bords sind ausgeglichene, harmonische Kompositionen, die keine Wünsche offenlassen. Allerdings ist das Buch vielleicht eher geeignet für Kochanfänger, die hier allumfassend ins Thema eingeführt werden. Für mich war es beinah etwas zu textlastig, und die Bords sind in Gänze doch auch recht zeitintensiv. Vermisst habe ich da Tipps zum Zeitmanagement und zu Zubereitungszeiten. Ich denke, die souveräne Köchin, die schon in Eigenregie das ein oder andere kleinere oder größere Bufett bestritten hat, wird Smörgås vermutlich eher als Rezeptfundus betrachten, aus dem sie bei der eigenen Planung schöpfen kann.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2019

2 Kommentare

  1. Viola

    Ich bekam das Buch zu Weihnachten geschenkt. Eines der Besten – Ever!!!
    Klasse Idee diese Bords.
    Tolle Rezension und ja – ein Zeitplan wäre genial. Da man so ein Bord nicht eben mal zwischen 17:00 / 19:00 Uhr zaubert!! Aber wenn man Zeit zum Vorbereiten hat, ist einem der WOW-Effekt der Gäste sicher. Habe schon einige Bords gemacht und jedes hat mich überzeugt. Und wenn man etwas Fantasie und Erfahrungen hat, gibt es keine Grenzen mehr. Schöne Sache für den gemütlichen WochenendAbend mit Freunden.

    • Katharina

      Ach, super, danke für Deine Zeilen und teile gerne mit uns Rezeptfavoriten daraus!

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z