Kochbuch von Tanja Dusy: Fiesta – Das Mexiko-Kochbuch

Kochbuch von Tanja Dusy: Fiesta – Das Mexiko-Kochbuch ★★★★☆

Fiesta – Das Mexiko-Kochbuch
Tanja Dusy
Fotos: Tina Bumann
Edition Michael Fischer (2018)

Julia Eckl-Dorna

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Bei uns fällt Allerheiligen und Allerseelen in die düsterste Zeit des Jahres und ähnlich trist sind die Kränze und Gestecke für die Gräber. Da ist der mexikanische Zugang doch lebensbejahender: eine tagelange Fiesta zu Ehren der Toten, bei der getanzt und Unmengen gegessen werden. Schlicht ein Karneval zu Ehren der Toten und Lebenden. Tanja Dusy möchte uns genau jene über den Tod hinausgehende Wonne am Leben, die die vielseitige Küche Mexikos prägt, in ihrem neuen Kochbuch näher bringen. Wird die mexikanische Überschwänglichkeit auch meine Wintermonate erhellen?

Die Kochbuchautorin Tanja Dusy ist bei Valentinas keine Unbekannte. Die studierte Germanistin, die zunächst als Redakteurin für Gräfe und Unzer arbeitete, bevor sie sich als Autorin selbstständig machte, beschränkt sich kulinarisch durchaus nicht auf ein bestimmtes Land. Vielmehr scheint sie in allen Ecken der Welt zu Hause zu sein. Ihre unzähligen Kochbuchkreationen spannen einen Bogen von Frankreich bis Asien, von Weihnachtsplätzchen aus aller Welt bis hin zu Brühen und den derzeit äußerst beliebten Bowls. In ihrem neuen Kochbuch bereist sie Mexiko und bringt uns dabei nicht nur die Küche, sondern auch die Lebenslust des Landes näher.

Tortillas aus Heimproduktion

In dem trendig gestalteten Kochbuch erinnert eigentlich nur der schwarze Hintergrund daran, dass es beim Titel „Fiesta“ vor allem um jenes Fest geht, das zum Gedenken an die Toten veranstaltet wird. Die Farbenfreude der Gewänder der Tänzer sowie der Gerichte illustriert den sehr anderen Zugang der Südamerikaner zu diesem Thema. Schon beim ersten Durchblättern des Buches möchte man möglichst alle Rezepte durchprobieren, so ansprechend sind Gestaltung und Fotografie. Das Auge isst mit.

Auch die übersichtliche Gestaltung und die unauffällig dazwischen eingestreute Länder- und Warenkunde fallen positiv auf. Das Buch ermutigt einen dazu, gewisse „Grundzutaten“ der mexikanischen Küche wie Tortillas selbst zuzubereiten, was mir nach anfänglicher Schwierigkeit mit der Konsistenz des Teiges auch gut gelingt. Seitdem mache ich einen weiten Bogen um die Supermarktregale, wo Tortillas und Tacos angeboten werden – geschmacklich einfach kein Vergleich.

Von Tarasca-Suppe bis Huhn in Schoko-Chili-Soße

Das Huhn in Schoko-Chili-Soße kannte ich bisher nur vom Hörensagen und so war es höchste Zeit, diese „legendäre“ mexikanische Speise zu probieren. Zu meinem Erstaunen war die Schokolade nur eine von vielen Zutaten. Eine Saucenkomposition aus Erdnüssen, Mandeln, Kürbiskernen, Rosinen und eben etwas Schokolade macht das Gericht zum Erlebnis. Allerdings offenbarte sich hier auch gleich: Die mexikanische Küche ist nicht auf der leichten Seite und häufig fleischlastig.

Eine meiner spannendsten Entdeckungen während meiner kulinarischen Reise mit Tanja Dusy: die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen an Chilisorten, die ich in einem gut sortierten südamerikanischen Supermarkt erwarb. Vor allem die „Chipotles in Adobo“ mit ihrem rauchigen Geschmack haben es mir angetan und werden nun auch manches „Fusiongericht“ meiner Küche bereichern.

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Eines vorweg: Über das Ausmaß der Schärfe der Speisen für den europäischen Gaumen kann ich mich nur wenig äußern. Den Kindern zuliebe habe ich die Chilis meist extra gereicht. Aber die gute Nachricht: Auch ohne Schärfe konnten die Gerichte überzeugen. Die Variationsbreite von Tacos, Enchiladas und Ähnlichem ist beachtlich und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Kombination aus Süßkartoffel, Mozzarella, Paprika und roter Zwiebel als Fülle für Tortillas in den „Bata y Pimiento Quesadillas“ hat es uns ganz besonders angetan – süßlich und doch pikant. Aber auch neben den bekannten „Nationalgerichten“ gab es viel Neues für mich zu entdecken, etwa im Sektor Suppen und Eintöpfe.

Last but not least – Desserts die überzeugen

Den stärksten Eindruck haben dann jedoch die Süßspeisen bei uns hinterlassen: Der Flan de Naranja ist dank Sahne, Kondensmilch und Karamell zwar kein kalorienarmes Gericht, aber zergeht mit seiner Orangennote auf der Zunge. Und auch die Alfajores con cajeta – Kekse mit einer verboten guten Milch-Karamellcreme-Füllung – wurden nach dem Testbacken bereits jetzt für die Weihnachtskeksliste angemeldet.

Die mexikanische Küche überzeugt mit einer breiten Palette. Neben stimmigen Taco- und Tortilla-Variationen sind es vor allem die Eintöpfe und Süßspeisen, die uns als Neuentdeckungen überzeugt haben. Das Kochbuch wird mich auch nach der Rezension noch begleiten und mit seiner kulinarischen Lebenslust für frischen Wind in meiner Küche sorgen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2019

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