Kochbuch von Tamasin Day-Lewis: Food you can’t say no

Kochbuch von Tamasin Day-Lewis: Food you can’t say no ★★★☆☆

Food you can’t say no
Tamasin Day-Lewis, Fotos Simon Wheeler, Quadrille Publishing (2011)

Heike Dölling

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Food you can’t say no to! Im Klappentext wird angepriesen: Rezepte – bekannt aber anders, absolut neu und aufregend, einfach und puristisch, wenige aber beste Zutaten, für den Leser unwiderstehliche  Inspiration. Soweit so gut, das klingt ja vielversprechend und interessant. Jedoch der Titel ist nicht Programm, die Komposition nicht stimmig. Tamasin Day-Lewis ist ein Food Profi und kein unbeschriebenes Blatt in der englischen Kochszene. Ihr erstes Buch erschien bereits 1995. Sie tritt in Film und Fernsehen auf, schreibt regelmäßig für englische und amerikanische Zeitschriften. Es ist immer schade, wenn ein neues Buch einer solch bekannten Autorin die Erwartungen nicht erfüllt. Aber das kann passieren.

Dies ist bereits ihr zwölftes Kochbuch. Viel gelobte und beliebte Werke aus ihrer Feder sind The Art of Tart and Tamasin’s Kitchen Bible. Seit einigen Jahren lebt Tamasin Day-Lewis in Somerset auf dem Land. Hier ist auch das Buch entstanden und wie sie in einem Interview sagt, hier hat sie alle Gerichte persönlich gekocht. Ihre Tochter Miranda hat assistiert. Auch die Fotos sind bei ihr zu Hause gemacht worden – ohne Food Stylisten, wie sie betont – man sitzt also optisch in ihrer Küche, an ihrem Tisch und isst von ihren Tellern. Fast  jedes Rezept wird von einem schönen Foto begleitet. Der Fotograf ist Simon Wheeler, mit dem sie schon 1997 ein irisches Kochbuch gemacht hat.

Ein Hauch Hollywood

Es gibt fünf Kapitel: Kleinigkeiten, Vorspeisen inkl. zwei Suppen, Hauptgänge,  süße Sachen und Feste. Jedes Rezept hat eine Einleitung. Diese Texte sind für meinen Geschmack etwas übertrieben, so ein Hauch Hollywood. Die Rezepte selbst gut und sehr detailliert. Tamasin liebt es simpel, wie sie oft erwähnt, aber „einfach“ würde ich viele Rezepte nicht nennen. Die Listen der Zutaten sind nicht immer gerade kurz, der Anspruch ist groß, die erforderlichen Produkte nicht günstig. Sicher hat sie persönlich eine sehr gut bestückte Vorratskammer. Aber nicht jeder Koch hat ein Harrods oder KADEWE  in der Nähe. Wo finde ich einen Fachhändler in Paderborn oder in Leeds? Taggiasca Oliven, Mandeln – aber bitte Marcona, Mehl am besten von Shipton Mill, Double Cream von Jersey-Kühen, Marmelade von Wilkin & Sons Tiptree oder Little Scarlet. Das ist schon ein gewisser Luxus. Qualitätsbewusstsein ist wichtig und gut, aber es hat mich ein bisschen genervt, das in vielen Rezepten wiederholt wurde: „Meerrettich, aber der von …“, „Zitronen, aber bitte aus Sizilien …“. Das ist ein bisschen snobistisch, wie ich finde. Was waren nochmal die Attribute im Klappentext?

Im Kapitel Feste bekocht sie den Muttertag, ihren Geburtstag im September und für den Neujahrsabend, ein Maharaja Gericht aus Neu Delhi. Völlig überrascht hat mich dann ihr persönliches Geburtstags Menü. Einfach, regional, saisonal – das ja, aber raffiniert? Als Vorspeise serviert sie gelbe und grüne Babyzucchinis mit Blüten angebraten in Olivenöl, Knoblauch, Zitrone, Bohnenkraut oder Thymian, dazu Cherry Tomaten aus dem Küchengarten (natürlich besondere Sorten), Buffalo Mozzarella, Avocado, Salz, Pfeffer Olivenöl und Basilikum. Als Hauptgang gibt es Eier-Pappardelle (frische – das Rezept verrät sie uns nicht) mit einer Soße aus braunen Champignons, Salbei und Marsala etc. Wow, wie originell. Die Nachspeise: Haselnusseis selbstgemacht (etwas aufwendig, aber Süßes – das liegt ihr) mit Feigen in Himbeersoße. Nicht ehrgeizig, nur allerfeinste Zutaten, einfach zuzubereiten für ihre Liebsten, wie sie schreibt. Hm. Was sagt uns das?

Im Kapitel Kleinigkeiten sind hauptsächlich Mezze zu finden. Ein  bisschen Libanon, Griechenland, Italien.  Die Vorspeisen sind Grüner Spargelsalat mit Wachteleiern, Chicoree mit Wild Lachs und Mango-Mayonnaise, Carpaccio vom Thunfisch, Kürbissuppe. Bei den Hauptgängen drei Pies, eine Tart, ein bisschen Orient dazwischen, zwei langweilige Pasta/Gnocchi Rezepte, viel Lachs neben Königskrabbe, Makrele und Sardine, Schweinebauch, Kalbsbäckchen, Lamm, Wild und Hühnchen dazu passende Salate, Soßen, Beilagen. Sie sind aber nicht wirklich aufregend und die Gemüsesorten wiederholen sich. Grüner Spargel, Romano Paprika, Auberginen, wenig Kräuter – dabei hat sie den Garten direkt vor der Tür und die Engländer haben eine beneidenswertes Klima und eine fantastische Gartenkultur. Auch bei ihrer Auswahl der Obstsorten fehlte es an saisonaler Inspiration.

Was fehlt …

So ein bisschen von allem, nicht wirklich neu und aufregend, wie versprochen und so geht es von Kapitel zu Kapitel. Und dies ist mein Hauptkritikpunkt an diesem Buch. Die Rezepte sind, soweit ich sie nachgekocht habe, verlässlich und schmecken, aber mir fehlte von Anfang, was ich so an neuen Kochbüchern liebe, wenn ich sie aufschlage: Oh, das klingt spannend, das will ich kochen. Halt das gewisse Extra. Ein gutes Rezept kann ganz einfach sein und trotzdem begeistern. Ich wollte Tamasin Day-Lewis wirklich gerecht werden, aber unwiderstehliche Rezepte einer versierten Köchin, die eine ganz eigene Handschrift haben, sehen anders aus.

Ich bin sicher, dass ich dieses Buch das eine oder andere Mal wieder benutzen werde, aber die Frage aller Fragen, für wen Food you can’t say no to das geeignete Buch sein könnte, da bin ich ratlos. Für wen es geschrieben ist, das kann ich in diesem Fall nicht beantworten. Und zum Schluss habe ich noch einen Wunsch, The Art of  Tart und Tamasin’s Kitchen Bible neu aufzulegen, diese Bücher hätte ich gerne in meiner Sammlung.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

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