Kochbuch von Stevan Paul: Auf die Hand – Fingerfood & Abendbrote

Kochbuch von Stevan Paul: Auf die Hand – Fingerfood & Abendbrote ★★★★★

Auf die Hand – Fingerfood & Abendbrote
Stevan Paul, Fotos Daniela Haug
Brandstätter Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Stefanie Hofeditz

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Dieses Buch ist wirklich „à la minute“! Auf 287 Seiten stellt Koch und Autor Stevan Paul Macher und Rezepte eines der angesagtesten Food-Phänomene unserer Zeit vor: Streetfood.

Das Essen von der Straße, aus mobilen Küchen und hippen Märkten ist in aller Munde und hier verraten die Menschen hinter den Ständen etwas von sich, ihrer Motivation und natürlich einige ihrer Rezepte. Von Fish ’n’ Chips der „Kantine Neun“ in der Markthalle Neun in Berlin bis Köfte Ekmek von „KochDichTürkisch“ in Stuttgart – 14 Gastronomen werden in Wort und Bild vorgestellt. Stevan Pauls eigene Rezepte runden das Bild der länder- und kulturübergreifenden neuen Esskultur ab (der Autor hier bei Valentinas im Interview; außerdem die Vorstellung seiner Kurzgeschichten Schlaraffenland und seines Meilenstein-Kochbuchs Deutschland vegetarisch).

Strukturiert ist der coffeetable-würdige Wälzer in Klassiker (u.a. Bruschetta, Merguez, Lahmacun), Burger (vom Chili Burger bis zum Shiso Burger), Toasts & Sandwiches (u.a. Clubsandwich, Pastrami Sandwich), Hot Dogs (Louisiana Lobster Roll, Pulled Pork Sandwich), Abendbrot & Imbiss (von der Brotzeit Brezel bis zum gebackenen Camembert). Im letzten Kapitel finden sich Basic Rezepte wie Ketchup, vegane Mayonnaise, Pommes Frites oder Baked Beans. Außerdem gibt’s Hintergrundstorys zu einzelnen Speisen, wie zum Beispiel die Geschichte des Sandwiches oder der Currywurst. Besonders spannend finde ich den kulturwissenschaftlichen Exkurs zur Geschichte des Streetfoods. Grafisch ist das wertige Buch wunderbar umgesetzt und die tollen Fotos machen richtig Appetit aufs Nachkochen.

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Viele der vorgestellten Stände kenne ich und ich habe auch einige der Speisen dort schon gegessen. Was also nachkochen? Die Entscheidung fällt mir schwer. Zum einen, weil so vieles toll klingt, zum anderen, weil mir schon beim Durchlesen klar wird, dass der Einkauf und die Zubereitung von den Sachen, die ich spannend finde, zeitintensiv werden. (Klar: es gibt auch weniger aufwendige Rezepte, aber Mettbrötchen, Croque Monsieur oder Strammer Max reizen mich nicht.)

Von der Harissa bis zur Merguez-Wurst – hier findet sich ein Rezept für jede Komponente eines Mahls. Streetfood ist eben auch mit der Slow Food Bewegung eng verwoben. Diese Rezepttiefe ist spannend. Vieles eignet sich für mich aber nicht als Hauptgang für ein gemütliches Essen mit Freunden, eher als Vorspeise, da es eben Essen „auf die Hand“ ist. Zeitlich sind viele Gerichte für mich persönlich nicht umsetzbar. Beispiel: Für den „Shiso“ Burger muss ich eine Majo machen, backe die Burgerbrötchen, benötige Thunfisch in Sushi-Qualität, stehe vor der Aufgabe vier Shisoblätter zu finden, und mache die Teryaki-Sauce selber, die eine Woche ruhen muss.

Bei manchen Rezepten werden unerfahrene Köche ihre Probleme haben, bei vielen Speisen gibt’s um die 25 Zutaten. Auch müssen die Anleitungen und Querverweise für einzelne Bestandteile des Rezepts zu Beginn schon mal bis zum Ende gründlich und aufmerksam durchgelesen werden, damit es keine bösen Überraschungen gibt. (Was, jetzt noch acht Stunden marinieren lassen? Ding Dong. Hungrige Freunde sind da.)

Stevan Pauls „Auf Die Hand“ trifft genau den Zeitgeist und den Gaumen. Die Fotos der Gerichte, das Food-Styling wie auch die Reportage-Bilder sind wunderschön, das Buch ist wunderbar wertig. Die Portraits und Rezepte sind spannend und interessant zu lesen. Paul bringt das Phänomen mit diesem Buch genau zur richtigen Zeit auf den Punkt! Und es schmeckt zudem wirklich gut, vor allem wenn man Zeit mitbringt!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2015

5 Kommentare

  1. Ulrike

    Mein Sohn liebt dieses Buch, aber 5 Sterne? sogar 6? Nicht wirklich, denn die Rezepte haben doch einige Schwächen. Die Ideen sind gut, aber schwer nachzuvollziehen.So sind für Kochanfänger die Mengen irgendwie nicht ganz plausibel. So fällt es beim Clubsandwich wirklich schwer, 20 g Butter gleichmäßig auf 8 Toastscheiben zu verteilen. Die Paprikasalsa für die Riesenpilz-Burger sollen für 4 – 6 Brötchen reichen, 4 rote Paprika können zwischen 600 und 1300 g wiegen, dann ist das entweder zu viel oder zu wenig.

    So geht es uns bei vielen ausprobierten Rezepten, schade, ich hätte mehr erwartet

    • Katharina

      Ah, wie fandest Du „Deutschland vegetarisch“ in dieser Hinsicht?

      • Ulrike

        Da klappten die von uns ausprobierten Rezepte definitiv besser, aber auch in dieser Reihe merke ich, dass die Frequenz, die Kochbücher zu veröffentlichen, der Qualität nicht gut tut.

  2. Ulla

    GENAU!
    Dieses Rezension lag so was von in der Luft. Für dieses Buch müsste man glatt die 6 Sterne Kategorie einfügen. Fast Food im Slow Modus. Die Sironi Burger Buns sind der Knaller und auch der Zauberteig ist in aller Munde. Alles inclusive der Saucen handmade. Daneben der lockere Erzählstil, die Geschichten von den Restaurants/Ständen, wunderbar und nachkochbar.
    Der nächste wie auch der letzte Trip (Jüdische Schule!!) nach Berlin wird um die kulinarischen Entdeckungen ausgerichtet.
    Vielen Dank für die schöne Rezension
    Ulla

    • Katharina

      Oh ja, sehr gute Idee. Wollte gestern dort auch ein sagenhaftes Pastrami-Sandwich essen, aber kein Platz frei … so viele mit der gleichen Idee.

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