Kochbuch von Stephanie Alexander: Kitchen Garden Companion

Kochbuch von Stephanie Alexander: Kitchen Garden Companion ★★★★★

Kitchen Garden Companion
Stephanie Alexander
Fotos Simon Griffiths & Mark Chew
Quadrille Publishing (2010)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Von Stephanie Alexander bin ich beeindruckt, lange bevor ich ihr Buch in den Händen halte. Sie gehört zu der seltenen Spezies, die ihre Visionen lebt, harte Arbeit und eine steinige Lehrzeit nicht scheut, um das, woran sie glaubt, zu verwicklichen. In ihrem Falle ist das die Überzeugung, dass wir Kindern durch positive Erfahrungen lebenslang gute Essgewohnheiten vermitteln können. Erfahrung mit allen Sinnen, sich im Garten dreckig machen und in der Küche experimentieren, denn: ein Kind, das Mangold anbaut und daraus eine leckere Raviolifüllung macht, wird dieses Gemüse eher lieben, als eines, dem wir etwas Grünes auf den Teller klecksen und ihm sagen “das ist gut für dich”. Recht hat sie!

Stephanie Alexanders Kitchen Garden Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die Schulen dabei unterstützt, mit ihren Schülern zu gärtnern und kochen. Dies ist keine Schulgarten-AG, sondern hier wird ambitioniert Lebensmittelkunde zu einem Schulfach erhoben, verbindlich, mit festem Lehrplan. Die Schulen müssen einen Biogarten anlegen, eine Schulküche ausstatten, Garten- und Kochexperten anstellen, die die Lehrer in diesem Projekt unterstützen. Über einen Zeitraum von 3-4 Jahren arbeiten die Schulklassen wöchentlich sowohl im Garten als auch in der Schulküche. Acht- bis Elfjährige lernen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen und was man alles daraus machen kann.

Stephanie Alexander erklärt ihre Philosophie so: “Oftmals haben die Eltern der heutigen Kinder keinerlei Bezug mehr zum Essen, und können so ihren Kindern nichts als Fastfood mitgeben. Wir wollen eine Revolution anzetteln: Wir wecken die Freude der Kinder, ihre Abenteuerlust.” In dem Video (unten) sieht man eine teilnehmende Schule in Aktion – da säße ich gerne mit am Mittagstisch! Und es sieht so aus, als würde die Revolution gelingen. Mittlerweile nehmen über 200 Grundschulen an diesem Programm teil und eine Studie der Universität Melbourne hat nachweisen können, dass das Programm beeindruckende Ergebnisse erzielt (hier nachzulesen). Eine Stephanie Alexander wäre auch unseren Schulkindern zu wünschen, oder?

Wer nicht als Schulkind an diesem Projekt teilnehmen kann, den entschädigt der vorliegende, prämierte Begleitband. Die Koch- und Gartenenzyklopädie besticht durch ein ansprechendes Äußeres (ganz entzückend: der rote Juteeinband) und folgt mir wie ein treuer Hund durchs ganze Haus, weil ich es nicht aus der Hand legen kann. Der gut siebenhundert Seiten dicke Wälzer unterteilt sich in beeindruckende 69 Kapitel zu einzelnen Obst- und Gemüsesorten, diversen Kräutern und – Eiern. Ja, auch die Hühnerzucht gehört zum Küchengarten.

Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen Steckbrief, wann, wie, wo die Pflanze am besten wachse (sehr gut: wieviele Pflanzen braucht eine 4-köpfige Familie?), gefolgt von ausführlichen Anleitungen zu Anbau und Ernte; Zubereitung; und einem Kommentar für Kinder. Dieser richtet sich an die Eltern, nennt interessante Fakten, macht Vorschläge für kleinere Projekte und erinnert die Leser immer wieder an den kindlichen Standpunkt. Mir gefällt der Ansatz außerordentlich, wie Kinder mit diesem Familienkochbuch gefordert und gefördert werden. Stephanie Alexander nimmt Kinder ernst, traut ihnen durchaus etwas zu, fordert aber auch Gegenleistung ein, z.B. “wer kocht, macht auch sauber!”.

Der Rezeptteil variiert im Umfang von Kapitel zu Kapitel, hier und da bieten kleine Infokästen zusätzliche Ideen, z.B. zur Lagerung oder für schnelle Mahlzeiten. Das Repertoire ist international, asiatische Küche, Mittelmeergerichte, sogar eine Anleitung für selbstgemachtes Sauerkraut finden sich in diesem Band. Der kulinarische Anspruch sucht keineswegs Kinderniveau, dies sind durchweg Gerichte, die ich so essen und kochen möchte. Wir wagen den Praxistest und sind durchweg begeistert. Die Gerichte sind nicht überkandidelt, aber bestechen durch das gewisse Etwas. Wie zielstrebig wir das Alexandersche Schulpensum abarbeiten können, bleibt abzuwarten, doch ich werde sicherlich viele Anregungen aus diesem Band aufnehmen und die nächste Generation ausprobieren lassen. Ich denke, das wird eine spannende Entdeckungsreise für uns alle.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

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