Kochbuch von Steffen Henssler: Hauptsache lecker!

Kochbuch von Steffen Henssler: Hauptsache lecker! ★★★★☆

Hauptsache lecker!
Steffen Henssler, Fotos M. Eckardt
Dorling Kindersley Verlag (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Steffen Henssler zog für das Cover seines zweiten Kochbuchs die Kochjacke aus und ein poppiges T-Shirt an. Wir waren gespannt, ob sich der legere Stil auch bei seinen Rezepten bemerkbar macht. Carmen aus Waiblingen, Patricia aus Oerlinghausen und Sylvia aus Dresden fühlten dem jungen Koch und Vater auf den Zahn, wie ernst es mit seinem Motto “Hauptsache lecker!” ist. Toll, ihr habt so viele Rezepte ausprobiert!

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

HensslerMeine Großmutter lebte früher bei uns im Haus. Sie hatte noch einen Herd, der mit Holz und Kohle zu befeuern war. Das war für ein Kind natürlich super spannend und wir haben oft bei ihr gegessen. Im Wohnzimmer wurden oft Nudeln (und in der Adventszeit auch „Springerle“) zum Trocknen ausgelegt und wir durften überall mitmachen und probieren. Am Wochenende war Ritual, mit meinem Vater den Braten zuzubereiten. Das sind die ersten Erinnerungen, die ich an Küche und Kochen habe und ich denke immer mit Freude daran zurück. Geht es Euch auch so, man bekommt sofort den Geruch und den Geschmack von damals wieder in die Nase …. köstlich !!!

Heute könnte ich nicht mehr ohne Kochbücher und Kochrezepte leben. Rezepthefte, Rezeptbücher, Rezepte aus dem Internet werden regelmäßig durchgeblättert, um Ideen zu sammeln. Mit Freunden gibt es regelmäßig Treffen, um einen ganzen Tag gemeinsam zu kochen, zu backen und beim Essen den Tag zu genießen.

HensslerIch koche, seit ich einen eigenen Herd habe. Damals war ich 20, hatte ein Koch- und Backbuch und habe mich akribisch an die Anweisungen gehalten. Mittlerweile habe ich fast 100 Kochbücher und bin wesentlich kreativer in der Auslegung geworden bzw. betrachte manche Rezepte nur noch als Inspiration für eigene Experimente. Da ich oft für Freunde und Familie koche, habe ich oft eine Horde anspruchsvoller Testesser am Tisch sitzen.

SylviaAls Kind habe ich in einem kleinen Schälchen Wasser und Gewürze zusammen gerührt. Das Schälchen zerbrach, und es gab bittere Tränchen. Zwanzig Jahre später hatte sich mein Kochkosmos nur unwesentlich um Pizza und Spaghetti mit Tomatensoße erweitert. Weitere 20 Jahre mussten vergehen, um aus mir eine leidenschaftliche Kochbackfrau zu machen. Ich kann nicht auf Generationen passionierter Koch-Omas verweisen, und ich selbst bin lausig phantasielos, was Eigenkreationen anbelangt. Aber ich bin eine gelehrige Schülerin und liebe funktionierende Rezepte aus ästhetisch anspruchsvollen Kochbüchern. Ohne Kochbuch traue ich mich nicht an den Herd, deshalb gibt es bei mir eine große Bandbreite an diesen Werken – von italienisch über thailändisch bis libanesisch und sächsisch ist alles dabei.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

HensslerIch finde es schön, wenn ein Kochbuch auch ein bedrucktes Hardcover hat – wie bei diesem. Jedes Rezept ist auch im Bild dargestellt, so dass man sich beim ersten Stöbern gleich Appetit holen kann. Beim Durchblättern sind immer wieder kurze Passagen über Steffen Henssler selbst eingestreut, dadurch bekommt es einen persönlichen Charakter. Am Ende des Buches gibt es noch einige Rezepte zu Asia-Saucen und ein Glossar besonderer Zutaten zur Erleichterung für den Leser und Nachkocher. Von manchen Zutaten habe ich tatsächlich noch nie gehört und finde es daher eine Wohltat, wenn man zumindest die Erklärung dazu nicht „googeln“ muss.

HensslerAls ich das Kochbuch zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich spontan „Frisch!“ Das liegt zum einen an den vielen frischen Zutaten und einer nicht ganz alltäglichen Gliederung der Rezepte (Feierabend, Fitnessfood, asiatische Brotzeit, Küchenparty, Grillen und süße Sachen), zum anderen an den vielen persönlichen Fotos, die die Rezeptseiten auflockern.

SylviaDa steht Steffen Henssler so hemdsärmlig kumpelig auf dem Cover herum und scheint uns sagen zu wollen, trau dich an den Herd, ist alles gar nicht so schlimm. Viele, viele Fischrezepte, Hähnchen, Suppen, Sushi, Steak, Mais, Salat, Mousse – eine kunterbunte Mischung, ein bisschen Kalifornien, ein bisschen Asien, fusion cuisine, mit Koriander, Sesam, Chili und eimerweise Teriyakisauce. Es gibt relativ viele Fotos und Geschichtchen aus dem familiären Umfeld des Kochs, die mich wenig interessieren und solche Sätze wie den, dass er großen Wert auf frische Produkte lege, sind so selbstverständlich wie banal. Auch jeder Kantinenkoch wird das sagen. Henssler ist aber, wie man erfährt, der erste Deutsche, der die kalifornische Sushi Akademie mit dem “Professional Sushi Chef” abschloss. Das, und die Tatsache, dass er kein Landei ist wie ich, trägt zur Auswahl der Rezepte bei, so dass man bei 118 auf etwa ein Drittel Fischrezepte kommt. Ich persönlich mag Fische lieber in Trickfilmen als auf dem Teller und habe mich daher auf die anderen Rezepte konzentriert.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

HensslerAufgrund der Jahreszeit habe ich mich natürlich sofort auf ein Spargelrezept der Kategorie „4 x“ gestürzt. Wie das immer so z.B. bei Lehrern oder Eltern ist, greifen sie instinktiv das schwarze Schaf heraus, so auch bei mir. Der gebratene Spargel mit Melone war zwar lecker, allerdings ist das Rezept leider unvollständig. Bei der Beschreibung werden die Zutaten vorbereitet, die Melone nach dem Vorbereiten allerdings nie wieder im Rezept erwähnt. Beim nächsten Mal werde ich mich auf Spargelspitzen beschränken, da der Rest schnell lasch wird.

Zu meinen Favorites gehören z.B. die Rumpsteakscheiben in Rosmarinbutter. Ein schnelles Gericht für den Sommer, dazu einen Salat und Brot –ein Rezept für die Feierabendkategorie.

Auch die gefüllte Hähnchenbrust mit Couscous und Curryjoghurt gehört dazu und werde ich bestimmt wieder kochen, da das Gericht gut vorzubereiten und auch für eine größere Personenzahl ohne Probleme zuzubereiten ist.

Der Käse vom Grill hat mich sehr interessiert, allerdings nicht überzeugt. Bei meinem Versuch sind die Kräuter, trotz kurzer Grillzeit, schnell verbrannt und der Käse ist leider teilweise ausgelaufen.

Bei dem Kabeljau in Wasabi-Senf-Sauce werde ich das nächste Mal einen anderen festfleischigeren Fisch wählen und auf die Mehlbindung verzichten, die Sauce bindet durch die lange Einkochzeit auch ohne.

Die Entenbrust mit Feigen und Kartoffelrösti ist bereits für die Vorweihnachtszeit nochmals eingeplant. Durch die Gewürzmischung harmoniert die Entenbrust sehr gut mit den Feigen.

Bei den „Süßen Sachen“ habe ich mich am Mandelsoufflé und der Mocca-Crème-brulèe versucht.
Das Soufflé ist – wie versprochen – fluffig und samtig zart geworden, auch wenn es nicht ganz meinen Geschmack trifft. Auch hier leider wieder zwei kleine Nachlässigkeiten in der Rezeptbeschreibung. Die Förmchen werden mit Backpapier ausgelegt, später muss man sie plötzlich aus dem Kühlschrank nehmen. Weiterhin könnte der Hinweis auf das Vorheizen des Backofens etwas früher im Rezept eingearbeitet werden. Bei der Backzeit sollte man etwas Geduld mitbringen und die Backzeit dem eigenen Ofen anpassen (bei mir waren die Soufflés mindestens 40 Minuten im Ofen).
Die Crème-brulèe stellt durchaus eine Abwechslung zur Traditionellen dar. Wer allerdings den intensiven Geschmack von Kardamom nicht mag, sollte damit vorsichtig sein und die Menge evtl. reduzieren.

HensslerIch habe sechs Rezepte nachgekocht, und keines davon war ein Reinfall. Überaus beliebt war der Hähnchenspieß mit Kokos-Kartoffel-Püree, sowohl die Sauce zu den Hähnchenspießen als auch das Kartoffelpüree mit Kokosmilch haben geschmacklich verzückt. Schnell aufgefuttert war auch die Süßkartoffel-Chili-Suppe mit Zucchinispießen. Ich war fasziniert, welch geschmackliche Harmonie mit einer überschaubaren Zahl an Zutaten erzeugt wurde. Ich persönlich mochte auch den Brokkoli mit Pinienkernen sehr gern, dem Rest der Familie war der jedoch zu scharf (Henssler verwendet gern und viel Sojasauce). Kleiner Tipp fürs Nachkochen: der Brokkoli schmeckt im ausgekühlten Zustand und damit hinreichend mariniert fast noch besser. Ich habe auch die Honigmelonensuppe mit knusprigem Serranoschinken nachgekocht. Da die mit Curry, Limettensaft und Mineralwasser abgeschmeckte Suppe kalt serviert wird, ist sie an heißen Sommertagen ein leichtes und würziges Abendessen. Gefallen fand auch der Salat aus gebratenen Kartoffeln, der mit Chili, Wasabi und Minze abgeschmeckt wird. Zum Schluss fand auch noch der Piña-Colada-Schlupfer Eingang in unsere Rezeptsammlung, eine Variante des klassischen Ofenschlupfers mit Ananas, Kokosmilch und braunem Rum.

SylviaSehr amüsiert hat mich die Einleitung auf der Umschlagseite, da heißt es nämlich werbend “… blitzschnelle Gerichte, die auch nach Feierabend schnell gekocht sind, wie Saibling im Knusperteig …”, verweisend auf das erste Rezept im Buch. Unter Zubereitungszeit findet sich dort: 70 Minuten! Da muss der Feierabend schon recht zeitig beginnen. Die angegebenen Zubereitungszeiten sind ohnehin manchmal verwunderlich. Für ein paar Omeletts braucht es da glatte 50 Minuten.

Als erstes versuchte ich mich an der Ratatouille, die auf dem Bild einfach hinreißend aussieht. Gewundert hat mich schon der hohe Anteil von Teriyaki-Sauce (150 ml) auf etwa 800 g Gemüse. Die Soße ist tiefschwarz und verändert auch unter Hinzugabe von Creme fraiche seine Farbe nur unwesentlich. Appetitlich glänzen auf dem Foto die Gemüse Zucchini, Aubergine, Tomate. Doch beim Nachkochen verwandelt sich diese Farbe in ein Einheitsgrau. Geschmeckt hat es sehr gut, und mit dem Koriander und den aufgestreuten Sesamsamen, die laut Rezept zu verwenden sind, war es optisch noch erträglich. Vielleicht kann man das Gemüse separat zubereiten und nicht in der Soße aufkochen, sondern diese dazu reichen.

Das Teriyaki-Steak, das in Teriyaki- und Sojasauce mariniert wird, war hingegen köstlich und wirklich ruckzuck fertig, wenn man mal von der halbstündigen Marinierzeit absieht.

Ebenfalls sofort überzeugt hat mich der gebratene, grüne Spargel mit Melone – Knoblauch, Koriander, Sesam, Chili, Akazienhonig – alles schnell in der Pfanne gebraten und mit Salz und Zitronensaft gewürzt. Einfach und gut.

Ebenso schlicht und einfach köstlich ist das Zitronen-Kartoffel-Püree mit Petersilie, abgeriebener Zitronenschale und Zitronensaft. Gerade kleinteiligen Dingen, wie Beilagen, Salaten, Salsa, Rosmarinbutter usw. sind die Stärken des Buches.

Völlig überzeugt hat uns auch die Schoko-Minz-Mousse aus Bitterschokolade und Schokolade mit Pfefferminzfüllung, die wunderbar cremig-moussig war. Vergleichbare Schokoladenmousse-Rezepte enthalten allerdings Sahne und Schokolade fast zu gleichen Teilen, dieses hier verwendet die doppelte Menge Sahne.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

HensslerDie Optik des Buches gefällt mir gut. Die Zutaten und Beschreibungen in den Rezepten sind übersichtlich. Da ich Kochbücher auch gerne mal einfach so durchblättere, ist es schön, wenn Bilder der Rezepte abgebildet sind. Hier hat der Fotograf ganze Arbeit geleistet, die Bilder zu den Gerichten und auch alle anderen Bilder sind sehr gut gelungen. Die Aufteilung ist modern, frech und kreativ, eben Steffen Henssler. In der Rubrik „4 x“ werden verschiedene Lebensmittel in vier verschiedenen Varianten auf einer Doppelseite vorgestellt. Eine schöne Idee, die Nachkocher zu Varianten inspirieren soll.

HensslerDas Layout des Kochbuchs ist gelungen, die Rezepte, Zubereitungshinweise und Kochtipps sind überschaubar gestaltet und das Kochbuch wirkt hochwertig, wie ich es von Dorling Kindersley gewohnt bin. Sehr gelungen sind die Food-Fotografien, sie sind appetitanregend, und wenn man, wie ich, abends vor dem Einschlafen noch im Kochbuch blättert, bekommt man spontan Lust, sich noch einmal in die Küche zu stellen. Probleme hatte ich manchmal bei der Zuordnung der Rezepte: warum stehen die Rindfleischrezepte unter Fitnessfood, und was hat die Pizza mit Lachs und Speck bei der asiatischen Brotzeit verloren? Hier hätte ich mir etwas klarere Gliederungsprinzipien gewünscht. Aber dank des Registers und der ansprechenden Fotos findet man trotzdem schnell, was man sucht.

SylviaIch mag die Bücher von DK sehr gerne, da sie oft in wirklich reicher Ausstattung daher kommen, und auch dieses fand ich ästhetisch ansprechend, Schutzumschlag, Hardcover, teils pastellige, teils erdig warme Farben bei den Hintergründen, dickes, griffiges Papier, ganzseitige Fotos, und die Gerichte haben auf fast allen Fotos einen appetitanregenden Glanz, Kräutlein blitzen, und man meint sie riechen zu können. Nur die Honig-Melonen-Suppe sieht aus wie etwas Komisches unterm Mikroskop. Das Rezept- und Sachregister fand ich ziemlich unübersichtlich. Die einzelnen Zutaten und die Gerichte sind in gleicher Schriftgröße hintereinander aufgeführt und erschweren die Übersicht. Beilagen wie das Zitronen-Kartoffel-Püree findet man nur wieder, wenn man das komplette Buch durchblättert. Eine Seite mehr, um die Teile zu separieren, wäre schön gewesen. Man kann geteilter Meinung sein, wie häufig der Schöpfer der Rezepte aus den Seiten lächeln muss und wie viele Bilder aus dem Familienalbum der geneigte Leser braucht. Mir war es zu viel diesbezüglicher Information.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

HensslerDas Buch hat mich nicht auf ganzer Linie überzeugt.
Das Layout, die Bilder sind sehr gelungen, die neue Kategorisierung ist frech, modern und authentisch. Steffen Henssler schreibt zu Beginn des Buches, dass er ein Buch über seine persönliche Art des Kochens schaffen wollte und kein Standardwerk; dies ist wirklich gelungen.

Allerdings sind mir leider – wie bereits erwähnt – durch das ganze Buch Nachlässigkeiten aufgefallen (unvollständige Rezepte, kleine Fehler in der Inhaltsangabe etc.). Beim Nachkochen sollte man daher vor der Zubereitung die Rezepte genau durchlesen, damit man später keine Überraschung erlebt. Es wäre schön, wenn Koch und Verlag dies für die nächste Auflage nacharbeiten könnten.

HensslerEin Kochbuch mit überraschenden geschmacklichen Variationen und Rezepten, die Hobby-Köche leicht nachkochen können. Die Zutatenlisten sind überschaubar und erfordern keinen Marathon durch verschiedene Feinkostläden. Erstaunlicherweise haben auch meine Kinder die sehr würzigen Gerichte mit asiatischem Einschlag mit großer Leidenschaft gegessen. Auf meiner Nachkochliste stehen noch die Ideen für vegetarisches Sushi und die verschiedenen Gemüse-Shooter. Schön ist, dass das Buch nicht nur Fleisch-, sondern auch zahlreiche Fischrezepte bietet, als Teilzeitvegetarierin hätte ich mir allerdings noch mehr Gemüsegerichte gewünscht.

SylviaFür Kochanfänger mit Vorkenntnissen, Liebhabern von Fischen und anderem Meeresgetier, für Fans von Henssler. Eine Doppelseite, die zeigt, wie man Sushi rollt (im Buch volltönend als “Sushi-Schule” bezeichnet) wird die Fans der kleinen Algenpäckchen freuen, für Dessertliebhaber sind feine Sachen im Repertoire, auch für Grillmeister. Diese Wundertüte ist wahrscheinlich das größte Plus des Buches. Wer der Teriyaki-Korinader-Chili-Kombination nichts abgewinnen kann und lieber eine sehr geradlinige Würzweise bevorzugt, dem ist mit diesem Buch weniger geholfen. Mein Exemplar geht weiter an einen guten Freund, Grillmeister erster Klasse und Liebhaber von Nemo auf dem Teller.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2011

Meistgelesen

Themen A-Z