Kochbuch von Sophie Wright: Home at 7, Dinner at 8

Kochbuch von Sophie Wright: Home at 7, Dinner at 8 ★★★★★

Home at 7, Dinner at 8
Schnelle und feine Rezepte für den Feierabend
Sophie Wright, Fotos Romas Foord, Christian Verlag (2011)
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Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Abends um sieben, mir knurrt der Magen. Ich sehne mich nach einem feinen, frisch zubereiteten Essen ohne dass ich dafür noch lange in der Küche stehen will. Denn für mich ist das Abendessen Abschluss und Highlight des Tages zugleich. Nur – was soll man jeden Tag zaubern? Zeit ist knapp, die kreativen Ideen sprudeln auch nicht jeden Tag. Und dann kam Sophie! Sophie Wright mit ihrem genialen Buch Home at 7, dinner at 8.

Das 176 Seiten starke Buch mit Softcover ist wie gemacht für stressige Zeiten und bietet genau jenes Repertoire, das ich zwischen diversen Einladungen, Schulaufgaben-Kontrolle, Job und dem normalen Wahnsinn abends noch schaffe. Dankbar und begeistert ließ ich mich von der sympathischen Britin, ihren Ideen und den tollen Fotos inspirieren. Ob simple und günstig oder unkomplizierte Köstlichkeiten für Gäste, ob Desserts oder Drinks (wie schön, auch an die wird gedacht!) – in sechs Kapiteln werden Gerichte vorgestellt, die man ohne großen Aufwand in maximal 60 Minuten zubereiten kann.

Nach Tipps für die Vorratshaltung und Ratschlägen zu (wenigen, aber hochwertigen) Küchenutensilien und Kochtechniken, geht es los mit der Alltagskost. Das erste Rezept dieser Rubrik ist dann Gebratenes Perlhuhn mit Chicorée, Fenchel und Orange. Auf dem Foto köstlich zart gebräunte Geflügelteile auf einem bunten Bett aus Gemüse, die karamellisierten Orangen obenauf – ein Gedicht! Solche Kreationen fallen mir normalerweise nicht für Montagabend ein. Aber ich habe es umgehend ausprobiert, mit Entenkeulen statt des Perlhuhns. Die mehrfach prämierte Köchin schlägt alternativ Huhn vor und rät generell dazu, ruhig einmal quer zu denken und bei Bedarf Zutaten auszutauschen. Ich kann nur sagen: das Gericht schmeckte unglaublich köstlich, denn Ahornsirup, Fenchelsamen und Orangen gehen eine unschlagbare Kombination mit dem Gemüse ein.

In den Kapiteln Günstig und richtig gut oder Hau rein kommen dann (vergleichsweise) simple Gerichte mit einfachen Zutaten auf den Tisch, aber immer mit dem Kick, der das Ganze nicht banal werden lässt. (Links: Cover der engl. Ausgabe) So überbäckt die seinerzeit mit 20 jüngste Chefköchin Großbritanniens das Hühnchen-Cassoulet mit Limabohnen mit einer Parmesan-Brösel-Kruste, was dem Ganzen gleich eine gewisse Raffinesse verleiht. Die Bandbreite der Rezepte lässt keinen Wunsch offen: Kabeljau-Kürbis-Chowder, fruchtiger Brunnenkresse-Salat mit Entenbrust, Kalbskoteletts mit Senfpüree und Madeira-Pilz-Sauce – hier findet man wirklich für jede Laune, Geldbeutel, Geschmack Inspirationen. Unverkennbar zum Teil die englischen Küchentraditionen in Gerichten wie der Corned Beef Frittata. Genauso vertreten sind aber auch asiatisch oder arabisch angehauchte Kreationen (Makrelen in Tandoori-Marinade mit Zwiebel-Koriander-Salat oder Hühner-Tagine mit Aprikosen) oder Italo-Klassiker wie Risotto (hier mit Rotwein, Orangenschale und Gorgonzola verfeinert – unbedingt probieren!).

Selbst für die schnelle Dinner-Party gibt es 15 Anregungen. Die erlesenen Zutaten zum Schmucken Schmausen wie Heilbutt (mit Linsen-Tomaten-Sauce), Rochenflügel (mit Artischocken, Oliven und Kapern), Venusmuscheln oder Wachteln (mit gefüllten Feigen und Walnussdressing), sind allerdings nicht mehr in jedem Vorstadt Supermarkt erhältlich. Da sollte man doch einige Tage vorher geplant haben und gut sortierte Metzger und Fischhändler in der Nähe wissen. Warum aber dann nicht sogar mein Silvester-Buffet mit Sophies Gerichten schmücken? Die selbstgemachten Burger mit gebackenen Kartoffelspalten schmeckten nicht nur den Kindern!

Der Bunte Salat erinnert ein wenig an den Caesar’s Salad, nur noch viel opulenter, da sich hier noch gegartes Hühnerfleisch, getrocknete Tomaten und Artischocken dazugesellen. Das Dressing allerdings würde in keiner Weise ausreichen – hier habe ich ein Vielfaches zubereitet, damit der Geschmack auch schön zur Geltung kommt. Besonderen Anklang fanden auch die Appetit-Häppchen, eine Tarte aus Blätterteig, Pesto, Mozzarella, gekrönt mit kleingehackten Sardellen, Oliven und Kapern. Die ist garantiert blitzschnell fertig.

Bei manch anderen Gerichten muss man sehen, ob man wirklich in der angegebenen Zeit fertig wird, denn die Zutatenliste gibt das Gemüse „in Streifen geschnitten“ oder das Hühnchen „vorgegart und in kleine Stücke zerteilt“ an. Und wer macht das, Sophie? Damit es schneller geht, ist auch mal Express-Reis erlaubt – obwohl die Köchin, die derzeit einen Catering Service betreibt, sich selbst ein wenig dagegen sträubt. Da muss jeder selber seine Prioritäten setzen. Viel wichtiger ist aber, dass man sich überhaupt relaxed in die Küche stellt, trotz knurrendem Magen und anstehender Steuererklärung und sich dann über 180 neue Kompositionen und wunderbare Kreationen freuen kann!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2012

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