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Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Sophie Dupuis-Gaulier: Gemüselust von A – bis Z ★★

Gemüselust von A bis Z
Obst und Gemüse restlos verputzen
Sophie Dupuis-Gaulier
Fotos Guillaume Czerw
Edition Michael Fischer (2015)

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Kathrin Sebastian

Von

Ich bin sehr gespannt auf das Buch und freue mich schon darauf es in Händen zu halten und danach zu kochen. Ein Kochbuch zu einem – seit einigen Jahren – aktuellen Thema: Lebensmittelverschwendung. Kochen passend zum Zeitgeist, das kann gut werden. In der Einleitung schreibt die Autorin genau darüber, was mich brennend interessiert: Wie lassen sich die „Überreste“ von Gemüse, also Schalen, Strünke und Blätter noch sinnvoll und lecker verwenden?! Das klingt vielversprechend und genau das wird es dann leider auch, aber anders als gedacht: nämlich zu viel versprochen.

„Gemüselust von A-Z“ ist wirklich ein verheißungsvoller Titel, aber Achtung auf dem Titel ist auch ein kleines Schildchen mit der Aufschrift „Obst und Gemüse restlos verputzen“ zu sehen. Es findet sich später auf keinem Innentitel mehr wieder… Das bringt jedoch die Idee von der puren Gemüselust ein wenig ins Wanken. Mal schauen. So werden also elf Gemüse- und drei Obstsorten(!) mit jeweils zwei bis drei Rezepten vorgestellt. Alles findet sich auf etwas über 120 Seiten, so werden also 40 Rezepte in Szene gesetzt.

Bisher habe ich das nie in einem Buch ausgezählt, aber irgendwie erscheint mir das nicht so viel. Ich frage mich: wofür wird also der ganze „Seitenplatz“ benötigt? Allein elf Seiten werden für Inhaltsverzeichnis, Zutatenverzeichnis, Vorwort und Danksagung verwendet – im Verhältnis nicht gerade wenig.

Gute Zwischenwertung

Das Buch ist großzügig bebildert. Für manche Kochfans ein wirkliches Must-have und für andere dagegen ein „nicht sooo dringend“. Die Bilder sind im modernen Food-Style gehalten, Holzoptik und Vintage-Accessoires, allerdings eher düster, nicht frisch oder fröhlich, das passt nur bedingt zum Titel, aber das ist erneut Geschmackssache.

Jedes Rezept wird großzügig auf einer Doppelseite vorgestellt. Mir gefällt dabei, dass etliche Rezepte mit relativ wenigen Zutaten und Arbeitsschritten auskommen, das macht es leicht nach Feierabend schnell etwas zu kochen. Schön auch für Kochmuffel, die dennoch gerne lecker essen mögen. Dafür gibt es eine gute Zwischenwertung.

Interessanterweise beginnt das Buch mit Gemüse-Fenchel an der Seite eines Graved Lachs. Eher ein nicht so typischer Einstieg für ein Gemüselustbuch, zumal lediglich 2 EL Fenchelgrün verwendet werden … Geht es hier nicht auch darum, keine Reste zu produzieren?

Im Detail unpräzise

Die Angaben zu jedem Rezept sind präzise: Portionszahl, sowie Vorbereitungs- und Garzeit. Was nicht durchgehend gelungen ist, ist das Kategorisieren nach Verwertungsobjekt: die Schale, die Knolle oder das Fruchtfleisch? Beim Apfel wird von der Autorin einmal (S. 78) „das Kerngehäuse“ als Zutat ausgelobt, es ist aber vielmehr „die ganze Frucht“ die in der Zubereitung zu Apfelgelee verarbeitet wird. Bei der Hokkaido-Crème Brulée steht „Fruchtfleisch“, aber verwendet wird der ganze Kürbis (S. 86). Hier kann natürlich auch ein Auge zugedrückt werden, aber der Anspruch des Buches ist ja ein anderer.

kochbuch-gemueselust-von-a-z-sophie-dupuis-gaulier-inside-valentinas

Die Resteverwertungs-Ideen, die das Buch aufzeigt, sind leider nur mäßig und die Verbindung der Rezepte untereinander wird  nicht hergestellt, was für den Leser praktisch wäre. Wenn ich beispielsweise die Zucchinischalen in Tempurateig ausbacke, dann müsste das Buch doch sofort einen Hinweis zu einem anderen Zucchini-Rezept herstellen. Der folgende Zucchini-Kuchen käme sicher gut ohne die Schalen aus. Das finde ich schade. Oder bin ich da zu anspruchsvoll?

Nicht mal die Basics der Resteverwertung

Es fehlen einfach (zu) oft die Hinweise auf die weitere Verwendung von „Stümpfen und Stielen“. Vielleicht einmal die Idee, Zwiebelschalen zu trocknen und Ostern zum Färben von Eiern zu verwenden oder Apfelschalen zu trocknen und als Tee zu kochen. Das habe ich als Basisinformation bei einem solchen Buch in jedem Fall erwartet. Stattdessen werden Rezepte ausgelobt, in denen die Verwendung der ganzen Frucht selbstverständlich ist: Dass sich von Lauch- oder Frühlingszwiebeln der größte Teil des Grüns verwenden lässt, finde ich nicht besonders erwähnenswert.

Das Gleiche gilt für die guten alten Bekannten: Ofenkartoffeln in der Schale oder den beliebten Hokkaidokürbis – klar wird hier das Gemüse als Ganzes verwendet. Das Reiben, Schälen und Trocknen von Bio-Zitronen hat sich mittlerweile doch dem interessierten Kochpublikum erschlossen. Vielleicht sind aber auch nur die vorgestellten Obst- und Gemüse-Sorten nicht richtig gewählt?

Die Rezepte im Buch sind durchaus solide, manchmal ein wenig schlicht. Sie reichen allerdings nicht an den Titel und den im Vorwort formulierten Anspruch heran. Wer schnelle Gerichte mit wenigen Zutaten kochen und mit knappen Arbeitsschritten ans Ziel kommen möchte, wird in dem Buch zwar fündig. Das Gemüselust-Buch bietet aber selten gute Anregungen für die Verwertung von „Stumpf und Stiel“ wie der Titel verspricht. Es finden sich nur wenige gute Ideen, die positiv in Erinnerung bleiben. Nun ist aber auch alles schon gesagt. Hier jetzt keine Worte mehr zum Thema Resteverwerten, außer: die brandneue WWF-Studie lesen, Das große Wegschmeissen – die hingegen liefert viele interessante Hintergrundinformationen zum Thema Lebensmittelverschwendung.

Veröffentlicht im September 2015

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