Kochbuch von Sohyi Kim: Kim kocht neu

Kochbuch von Sohyi Kim: Kim kocht neu ★★★☆☆

Kim kocht neu
Sohyi Kim, Fotos Thomas Schauer
Brandstätter Verlag (2011)
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Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Kim ist eine Koreanerin, die in Wien sehr erfolgreich koreanisch-österreichisch kocht. Die Verbindung der einander fernliegenden Küchen ist zunächst schwer vorstellbar, die Geschmacksnerven beginnen nicht sofort zu tanzen. Spontan denke ich an ein italienisch-mexikanisches Lokal in meiner hessischen Heimat. Auch ein Miteinander von Aromen, das nicht naheliegend ist. Jenes ominöse Lokal musste ich noch nicht von innen kennenlernen, bei Kim in Wien war ich jedoch schon vor Jahren essen, und das habe ich in wunderbarer Erinnerung.  

Beim Durchblättern des Buches fällt es schwer zu glauben, dass die Frau hinter den Rezepten, die mit Vornamen eigentlich Sohyi heißt, ursprünglich eine ganz andere Karriere in der Modewelt eingeschlagen hat. Doch die Mode- und Glitzerwelt mit ihrem schönen Schein hat Kim schon lange hinter sich gelassen. Mit viel Fleiß und Ehrgeiz hat sie sich ganz autodidaktisch einen Ruf erkocht, der schön längst auch mit Hauben und Punkten gekrönt wurde. Ihre Rezepte sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern können sich vor allem auch schmecken lassen.

Details treffen auf chinesische Medizin

Das Auge isst mit, sagt man zu Recht, und die Fotos lassen eine Detailverliebtheit erkennen, die mir gefällt. Ich wähle Rezepte und Mitköche aus für einen geselligen Kochabend. Nicht alle ausprobierten Rezepte konnten uns überzeugen, aber es wurde dennoch ein lustiger und gelungener Abend, was nicht zuletzt daran gelegen haben dürfte, dass wir uns brav an die zu jedem Gericht empfohlenen Weine gehalten haben…

kim-kocht-website-valentinasUnter jedem Rezept ist auch eine Notiz, wie das jeweilige Gericht in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einzuordnen ist: je nach vorherrschender Geschmacksrichtung ist dem Gericht ein Element zugeordnet, manchmal auch mehrere, und es wird angegeben, welche positiven Eigenschaften der Verzehr auf den Körper überträgt. Ich habe nichts gegen TCM, aber irgendwie stört mich das in diesem Buch, vielleicht auch, weil es so „drangeklatscht“ und gewollt wirkt. Die Wein-Tipps, wie gesagt, sind prima. Hier und da werden Zutaten verwendet, die über Kims „Shop & Studio“ bezogen werden können, erfreulicherweise sind es allerdings wenige Rezepte, die sich damit zumindest für mich disqualifizieren.

Hm, wo ist die Raffinesse aus Wien?

Schade ist, dass von den Zutatenlisten zu oft Verweise abgehen, die manches Mal nützlicherweise zu im Buch hinten stehenden Grundrezepten führen, zu oft aber auch ins Glossar. Letzteres nervt v.a. bei gängigen Zutaten wie frischem Ingwer, der noch dazu in beinahe jedem Rezept auftaucht, entsprechend viele Verweise sind es also. Und apropos Ingwer: meine Einkaufsliste fordert von mir 75 g, 20,5 cm und 3 EL frischen Ingwer. Immerhin wird für die cm-Angabe im Glossar eine Grammzahl genannt, sodass zumindest diese Angabe umgerechnet werden kann. Aber generell wäre es doch prima, Ingwer einfach immer in Gramm anzugeben, oder? Vermutlich liegt es auch manchmal an solchen Ungenauigkeiten, die ein Gericht gelingen lassen, oder eben nicht. Das Melanzani-Püree beispielsweise war sehr limetten-sauer. Hier reicht es nicht anzugeben, dass 5 Limetten ausgepresst werden sollen, denn sie können einfach sehr unterschiedlich groß und ergiebig sein. Milliliter wären das Maß der Wahl.

Und obwohl Suppe und Dessert wirklich super waren, sind wir am Ende des Abends nicht wirklich überzeugt. Die Raffinesse, die ich in Kims Lokal in Wien kennengelernt habe, ließ sich zumindest anhand der ausgewählten Rezepte nicht in meiner Berliner Küche reproduzieren. Ein weiterer Versuch, die Tofulaibchen, funktionierte gar überhaupt nicht. Das ist sehr, sehr schade, aber ich möchte nicht ausschließen, dass ich noch weitere Versuche starten werde.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2014

6 Kommentare

  1. Corinna

    Da ich ausgefallene Rezepte mag und auch gerne neues Ausprobiere habe ich mir das Buch bestellt, da mich die Rezepte auf anhieb angesprochen haben. Bin sehr gespannt auf das Buch und hoffe es wird keine Enttäuschung….

    • Katharina

      Das hoffe ich auch. Lass uns wissen, ob du Perlen-Rezepte findest. Herzlichst

      • Corinna

        Also mir gefällt das Buch durch und durch. Habe bereits 4 Rezepte nachgekocht und diese sind bei allen sehr gut angekommen. Die Erdbeer Chili Salsa zu dem Thunfisch ist seeehr lecker (Thunfisch mag ich nicht) und die Jakobsmuscheln mit Beeren und Orangen -Ingwer Soße sind ein Gedicht. Was ich mir aber doch gewünscht hätte, wäre eine Hinweis für welche Gerichte man die Zusatzrezepte wie z.B. die Orangen Ingwer Soße noch verwenden kann. Dieses Buch schafft es auf jeden Fall in meine Favoriten.

        Vielen Dank 🙂

  2. Ruth

    Liebe Katharina,

    soeben habe ich Valentinas Kochbuch entdeckt und auch spontan abonniert. Es hat mich auf Anhieb überzeugt.

    Du hast Papayakerne neu für Dich entdeckt… Kleiner Tipp von mir: Papayakerne auf Küchenkrepp trocknen, von Fruchtfleischresten befreien und ab damit in die Gewürzmühle. Toll als Pfefferersatz und auch für Rohköstler eine prima Alternative. Ist scharf-fruchtig und passt zu sehr vielen Gerichten. Ich liebe sie frisch gemahlen über Salat oder cremigen Suppen, z.B. Kürbissuppe.

    So, ich stöber hier noch ein bisschen.,

    Lieben Gruß
    Ruth

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