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Katharina Höhnk

Kochbuch von Skye McAlpine: Zu Tisch mit Freunden ★★★★

Zu Tisch mit Freunden – Gemeinsam genießen wie in Italien, Skye McAlpine, Knesebeck Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Christiane Schwert

Von

Das ist es, was ich will: kleiner Aufwand, große Wirkung. Denn ist genau das nicht immer der Balanceakt? Man will köstlich und opulent aufkochen, aber in dem Moment dann eigentlich viel lieber mit den Gästen plaudern. Skye McAlpine hat ein Kochbuch geschrieben, das uns nach dieser ‚unsozialen‘ Zeit wieder entspannt an einen gemeinsamen Tisch holt.

Kochbuchautorin Skye McAlpine
Kochbuchautorin Skye McAlpine

Die Engländerin Skye McAlpine (Foto links) wuchs in Italien, genauer gesagt in Venedig, auf. Ihre Eltern zogen dorthin, als sie sechs Jahre alt war. Das erklärt die kulinarische Prägung der Sunday-Times-Kolumnistin. Ihr erstes Buch hat McAlpine noch explizit der venezianischen Küche gewidmet, bei diesem nun steht mehr der Gedanke des gelösten, gemeinsamen Genusses im Vordergrund.

Zunächst erklärt die Autorin die Philosophie ihrer vorausschauenden Menüplanung: Sie arrangiert um ein Hauptgericht, den „Star“, die restlichen Gerichte, die sie als „Beilagen“ bezeichnet. Dabei kann eine ruhig etwas einfacher sein, wie ein grüner Salat, die andere dafür etwas gehaltvoller. Und zum Schluss gibt es etwas Süßes. Außerdem kategorisiert sie die „Stars“: in „ohne kochen“, „auf dem Herd“ und „aus dem Ofen“ und nennt die Vorbereitungszeit und was im Vorfeld erledigt werden kann. Zum Schluss gibt es noch Extras, wie Trüffelmayonnaise, Walnussbrot oder diverse Cocktails. Und eine Gliederung der Rezepte je nach Jahreszeit, Personenzahl oder Zeitaufwand.

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Eine wichtige Rolle spielen der Tisch und seine Dekoration als „Fundament eines gelungenen Essens“. Neben Kerzen, Blumen und schöner Tischwäsche schlägt McAlpine vor, ihn mit Früchten zu „beladen“. Bei der Wahl des Geschirrs bevorzugt sie ovale Platten und flache Schalen. Dabei sollte es stets spülmaschinenfest sein – und überhaupt erst am nächsten Morgen gesäubert werden. Hach, das ist mir aber sehr sympathisch!

Ein Teller? Eine Servierplatte!

Kaum hatte ich das Buch bekommen, da wollte ich schon ein Fest ausrichten. Corona? Egal! Dann können halt nur wenige kommen – und müssen dafür umso mehr essen. Kocht man mit Skye McAlpine, dann denkt man nur noch in Servierplatten. Ihre Gerichte wirken aber auch alle so toll auf diesen blau gemusterten Schalen. Sofort habe ich mich bei ebay auf die Suche gemacht. Die Foodfotografie – für die auch McAlpine verantwortlich zeichnet – zeigt opulent beladene Tische und anregend appetitliche Gerichte. Perfekt-imperfekt inszeniert, einladend und zugleich nachkochbar. Mir gefällt das sehr gut, aber in seiner Lieblichkeit ist das gewiss Geschmackssache.

Kochbuch von Skye McAlpine: Zu Tisch mit Freunden
Kochbuch von Skye McAlpine: Zu Tisch mit Freunden

Getreu dem McAlpinschen Motto – gut geplant ist halb gewonnen (oder so ähnlich …) – plane ich eine Dinnerparty und bin den ganzen Abend etwas verwirrt, weil fast alles schon fertig ist. Das ist toll: Alles wird auf den Tisch gestellt und jede:r bedient sich. Skyes Nonchalance in Planung und Vorbereitung ermächtigt uns Leser:innen, mit Selbstvertrauen und Vergnügen Leute um unsere Tische zu versammeln.

Direkt das erste Rezept avanciert zum Liebling – und ich zur perfekten Gastgeberin: Die Burrata mit Salzzitronen, Minze, Thymian und Pul Biber ist einfach der Kracher und macht sich fast von selbst. Da braucht es natürlich kein großartiges Rezept, aber doch eine Idee. Und auch der etwas anspruchsvollere kalte Rinderbraten ist ein Gedicht, innen zartrosa und dünn aufgeschnitten mit selbst gemachter Remoulade ein Genuss.

Anmut & Geschmack

Alle nachgekochten Rezepte gelingen und sind meist Hingucker, wenn auch nicht unbedingt innovativ. Ich vermute, dass Skye McAlpine keine furchtbar ehrgeizige Rezeptentwicklerin ist. Es soll einfach und lecker sein und gut aussehen. Sie bedient sich dabei recht frei im allgemeinen Repertoire: Es gibt Gazpacho und Pannacotta. Pavlova wird zur Baisertorte und ein klassischer Negroni zum „großartigen Cocktail für jede Gelegenheit“.

Skye McAlpine:

„In diesem Buch dreht sich alles darum, für Freunde zu kochen; ich zeige Ihnen, wie man das macht und wie man es genießt. Ich möchte Ihnen alles an die Hand geben, was Sie brauchen, um so entspannt und gelassen zu kochen, dass es Spaß macht. Wenn ich das kann, können Sie es auch.“

Einige Rezepte sind gar von ihren Freundinnen oder anderen Autor:innen, wie z. B. Bratwurst mit Weintrauben oder kalter pochierter Lachs. Auch fand ich das Buch etwas aufgebläht. So gibt es drei Varianten von Ofenkartoffeln auf insgesamt sechs Seiten. Register und Menüvorschläge erstrecken sich über 35 Seiten. Und auch der süße Teil war mir etwas umfangreich und mit seinen vielen Kuchen und Torten auch nicht mehr so easy-peasy wie der Hauptteil.

Die tatsächliche innovative Stärke dieses Buchs liegt in Skye McAlpines Qualitäten als entspannte Gastgeberin. Unprätentiös und einladend bringt sie alles auf den Tisch und man selbst sitzt gemütlich dabei. Wer auf der Suche nach Inspiration ist, getreu dem Motto: kleiner Aufwand (plus gute Vorbereitung), große Wirkung, ist bei ihr richtig.

In Skye McAlpines Buch geht es ums Beisammensein und ums Essen. Es regt an zum Kochen, zum Gäste-Einladen und zum genussvollen Zusammenkommen. Das hat mir gut gefallen auf dem Weg zur entspannten Heldin in Vorbereitung und Planung.

Veröffentlicht im Juni 2022

6 Kommentare

  1. Klaudia

    Eine wunderbare Rezension, die Lust auf Gäste macht, denn es stimmt, man ist irgendwie eingerostet….

  2. Lena

    Ich liebe diese Buch! So tolle Rezepte, wenn man gerne Gäste einlädt. Es stimmt schon, dass es teilweise keine brandneuen Ideen gibt, aber oft hat man „picky eater“ oder einfach eine Mischung aus vielen verschiedenen Geschmäckern am Tisch und so kann man gut alle vereinen! So bekommt man auch im hohen Norden das italienische Lebensgefühl.
    Sehr zu empfehlen ist auch das Rezept vom „überbackener Lauch mit Senf und Parmesan“. Das ist eines unserer Lieblingsrezepte aus dem Buch.

  3. Stefanie

    Ich stimme der Rezension vollumfänglich zu! Alles, was ich bisher gemacht hab, war köstlich, einfach und schnell gemacht. Bezüglich der Ofenkartoffeln empfehle ich die mit den Lorbeerblättern – die geben so ein gewisses Etwas. Und wenn ich das richtig sehe, hat Christane mich mit der Burrata mit Salzzitrone auf Instagram angefixt, bevor das Buch überhaupt auf dem Markt war ;-).

    • Katharina

      Liebe Stefanie, danke dir! Burrata mit Salzzitrone – das kann durchaus sein… ich muss mal fragen! Herzlichst Katharina

    • Christiane

      Ja, da hast du natürlich komplett Recht. Ertappt ;-)! Und es freutmich, dass du die Burrata mit Salzzitrone auch so liebst!

      • Stefanie

        Oh, ich liebe noch einige andere Gerichte aus diesem Kochbuch! Den Spargel mit Mandeln und Zitrone zum Beispiel :-). Vielen Dank für’s Anfixen!

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