Kochbuch von Simone Wille: California Love

Kochbuch von Simone Wille: California Love ★★★★☆

California Love – Entspannte Rezepte aus dem Golden State
Simone Wille
Hölker Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Simone Brokmeier

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

California Love. Nach zwei Jahren auf der Highschool bin ich diesem wunderbaren Golden State auf ewig verfallen. Entspannte Rezepte, um das Lebensgefühl wieder zu schmecken? Her damit!

Das gut 200 Seiten dicke Buch wirbt schon auf dem Einband mit Vollmond am pinken Himmel und goldenen Palmblättern: Ja, so schön ist dieser Sehnsuchtsort. Es folgen viele Impressionen von Meer, mehr Himmel, Blumen, Bergen, Palmen – stimmt genau, so sehen die Bixby Bridge und der Pazifik aus! Ich komme gefühlt sofort in dem Buch an. Dazwischen dann etwa 50 Rezepte aus frischen, saisonalen Produkten für eine unangestrengte kalifornische Fusion-Küche. So weit der Klappentext.

Quietschgrüne Vorspeise

Die Food-Fotos, die allesamt ebenso von der Autorin Simone Wille (Foto links) stammen, verlocken mit viel frischem Grün wie etwa im Flowery Sprout Salad. Bei der quietschgrünen Vorspeise Cucumber Jelly mit Dillsoße halte ich dann aber richtig inne und begebe ich mich spontan in die Küche für das sofortige Haben-wollen. Und was soll ich sagen: yummy! Wer seinen Gin Tonic gern mit Gurkenstick garniert trinkt, wird begeistert sein. Nicht nur sehen diese grünen Jellies wie kleine Juwelen aus, auch geschmacklich und von der Konsistenz bin ich beeindruckt. Der Gurkensaft wird mit Weißwein, Zitronensaft und einem guten Schuss Gin aromatisiert und mit Agar-Agar gebunden. Klingt abenteuerlich? Einfach ausprobieren!

Von Frühstück bis Dinner

Die Gerichte sind in vier Kapitel nach Tagesablauf unterteilt: Von „Sunrise“ fürs Frühstück über „Bright Sky“ mit leichten Lunch-Gerichten, gefolgt von „Pink Clouds“ mit vielen Drinks und kleinen Aperitifhäppchen hin zu „Star Glow“ für die Dinner-Gerichte.

Alles sehr poetisch, wie auch die immer wieder eingestreuten Sprüche: „Swim in the sea, go on roadtrips, count the stars, find true love“. Nur, was koche ich tatsächlich für meine fünfköpfige Familie? Die meisten Gerichte sind nur für zwei Personen berechnet und eher kleine Snacks, Vorspeisen oder Zwischenmahlzeiten. Passen das Buch und ich nicht zusammen? Ich probiere es trotzdem.

Oh, ein Paar- statt Familienbuch!

Satt und happy bekomme ich meine Jungs und Mädel damit eher nicht, nur das typisch kalifornische Wintergericht aus Pasta mit Grapefruit und Edamame war wirklich Comfort Food, das alle glücklich machte.

Schwieriger war es mit der Easy Broth mit Blumenkohl und Avocado. Hier sollte ein halber Blumenkohl (für 2 Portionen) in der Küchenmaschine in reisgroße Stückchen zerkleinert werden. Macht bei einer Familie einen ganzen Blumenkohl, der in vielen Schritten in meinem Blitzhacker geschreddert werden musste (der große Standmixer kam damit leider gar nicht klar). Die weißen Körnchen flogen wild durch die Küche. Das dauerte fast eine halbe Stunde. Easy? Ok, die Suppe war dann wirklich schnell zubereitet: einfach heißes Wasser mit viel Koriandergrün, Ingwer, Knoblauch und Miso mixen. Ich muss zugeben, das hatte schon was, ganz neuer Geschmack, wieder eine neue Konsistenz. Aber unangestrengte Küche? Ich fand das ziemlich viel Aufwand für eine Suppe vorweg.

Super easy

Ich stelle fest: mein kulinarischer Fokus hat sich seit meiner Zeit in Kalifornien geändert – hin zu mehr Comfort Food und Familienküche. Andererseits hat sich in der California Cuisine viel getan: mehr Health Food, Superfood, vegetarisch oder vegan. Slow cooking ist Folge der gezielten Entschleunigung. So müssen sich das California Love und ich uns erst finden.

Vegetarisch

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Ohne dass dies groß rausgestellt wird, ist das Buch rein vegetarisch – kein Fleisch, kein Fisch oder Seafood. Dafür die ganze Bandbreite an Gemüse, viele Nüsse und Kerne, Sprossen, „Superfoods“ wie Chiasamen, Maca oder Hanfsamen. Leider auch Zutaten, die ich hier auf dem Land nicht beziehen konnte wie Dattel- oder Reissirup. Liebend gerne hätte ich noch die Avocado mit Meyer-Zitrone und eingelegten Zwiebeln probiert, aber die wunderbar aromatische Zitronenart lässt sich hier auch leider einfach nicht auftreiben.

Simone Wille interpretiert kreativ und zeitgemäß den California Lifestyle: vegetarisch mit vielen Superfoods für Paare und Singles mit Zeit, die sich auch an ganz einfachen Rezeptideen erfreuen. Das passte nicht immer mit meinen Anforderungen als Homecook mit Familie zusammen. Trotzdem haben wir – das Buch und ich – uns gefunden dank köstlich kreativer Impulse. So genieße ich weiter die tollen Aufnahmen, während ich an dem Simone-Wille-Strawberry-Mimosa nippe.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2019

2 Kommentare

  1. Regula

    Ich hatte Glück und fand ein Meyer Zitronenbäumchen, doch über den Winter waren die Schildläuse usw. erfolgreich und das Bäumchen ging ein. Als Ersatz wurde ich bei „Küchentanz“ (leider seit 2017 geschlossen) fündig. Da schwimmen die Zitronen in einer Zucker- Salzlake. So habe ich seit Jahren einen tollen Vorrat zum Verschenken oder für meinen eigenen Bedarf + bekomme immer wieder Komplimente.

    http://www.kuechentanz.com/2009/07/salzzitronen.html

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