Kochbuch von Simone und Inés Ortega: 1080 Rezepte

Kochbuch von Simone und Inés Ortega: 1080 Rezepte ★★★★☆

1080 Rezepte
Simone und Inés Ortega, Phaidon Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn ich die Frankfurter Buchmesse besuche, steht auf meiner To-do-Liste immer der Messestand des Phaidon Verlags. Neben seinen wunderschönen Kunstbüchern führt der britische Verlag (mit österreichischen Wurzeln) ein kleines und feines Kochbuchprogramm. Das Besondere: Bei den kulinarischen Titeln wird auch auf Grafik und Design viel Wert gelegt. Es verbindet meist coolen Style und Liebe für das Detail. Auf der Messe 2007 hüpfte mein Herz, als ich die englischsprachige Ausgabe des spanischen Kochbuch-Klassikers 1080 Rezepte von Simone und Inés Ortega entdeckte. Mittlerweile ist es auf Deutsch erschienen und ich habe eine Vielzahl von Rezepten nachgekocht. Ich war gespannt, was das Besondere daran ist. Immerhin ist das Kochbuch in Spanien ein Bestseller. 

1080 Rezepte von Simone und Inés Ortega könnte das einzige Kochbuch im Küchenregal sein. Die Menge der Rezeptvorschläge reicht aus, ein Leben lang abwechslungsreich zu kochen. Es enthält nicht nur spanische Rezepte, sondern viele mediterrane Best-of-Klassiker (z. B. Tiramisu) und einige österreichische Rezepte (z. B. Linzer Torte). Es wurde vor 30 Jahren erstmalig veröffentlicht und anlässlich der Neuauflage von dem Mutter-Tochter Autorenduo überarbeitet und aktualisiert. Das Buch ist klassisch gegliedert von Appetizern, Saucen über Fisch und Meeresfrüchten zu den Desserts. In einem knapp dreißigseitigem Kapitel am Schluss stellen spanische Spitzenköche Menüs vor: Allen voran Ferran Adrià, der auch das Vorwort verfasst hat. Lesenswerte Informationen zu Herkunft und Saison, Auswahl, Nährwert, Zubereitung und Tipps sind manchen Kapiteln vorangestellt.

Die Rezeptzutaten sind frappierend übersichtlich in der Anzahl und einfach hinsichtlich des Einkaufs. (Natürlich gibt es einige Produkte, insbesondere bei den Meerestieren, die in Spanien selbstverständlicher und preiswerter sind.) Die Rezeptbeschreibungen sind klassisch sachlich. Der Zeitaufwand für das Kochen ist ganz unterschiedlich. Wenn es länger dauert, liegt es eher am Marinieren oder Garvorgang (z. B. das Hühnchen im Backofen) etc., aber weniger am praktischen Aufwand. Die Gestaltung des Seitenlayouts ist übersichtlich und schlicht. Dabei sind nur sehr wenige Rezepte fotografiert. Dafür ist auf fast jeder Doppelseite eine Illustration von Javier Mariscal. Ein schönes Detail: Sehr angenehm ist, dass das Kochbuch drei (!) Einlegebänder enthält.

Bestseller wecken Erwartungen, auch bei mir. Zunächst hatte ich angenommen, dass das Besondere an diesem Kochbuch die Zubereitungsart der Gerichte ist. Es ist aber eher die Vielzahl der Rezepte und ihre Zuverlässigkeit, die im Mittelpunkt stehen. Ich entdeckte drei Typen von Rezepten: In erster Linie solide Basisrezepte, deren Weiterentwicklung dem Koch überlassen ist, einige verfeinerte Rezepte, deren Zauber in den Zutaten liegt sowie sehr vereinzelt altmodische Gericht mit Retro-Touch (z. B. Russischer Salat klassisch mit Erbsen und Karotten). Letztere entsprachen nicht meinem Geschmack. Meine Rezeptauswahl passte ich dieser Entdeckung an und suchte nach inspirierenden Zutaten-Zusammenstellungen. Dabei entdeckte ich einige kulinarische „Knaller“, die mich verführten, das Rezept bei Freunden anzupreisen mit dem Das-musst-Du-probieren!

1080 Rezepte ist ein Buch für das Kochen zuhause. Es hat alle Eigenschaften: Rezepte für Wochentags und das Wochenende, vor allem preiswerte und einige exklusivere Zutaten sowie Zubereitungen, die zu schaffen sind, selbst wenn ein Kleinkind am Hosenbein hängt. Bei dem Kochbuch kann intuitiv auf dem Wochenmarkt eingekauft werden: Es ist fast sicher, dass sich für den Einkauf ein solides Rezept findet, das nach Gutdünken variiert wird. Einen Teil des Charmes des Buches machen für mich die großartigen Illustrationen von Javier Marisacal aus. Zusammen mit den eigenen Notizen sind sie so lebendig wie das Kochen! Zu schön!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2008

2 Kommentare

  1. margit Kunzke

    Dieses ausgezeichnete Kochbuch von Simone Ortega, die eigentlich Simone Klein hieß und Elsässerin war, war eines der ersten spanischen Kochbücher die ich mir kaufte. Ich bin nach wie vor von dem Buch begeistert. Mit mehr als 3,5 Millionen Exemplaren ist “1.080 recetas de cocina” eines der meistverkauften Bücher in Spanien. Ihr Mann,José Ortega Spottorno, war übrigens ein Sohn von José Ortega y Gasset.

    • Katharina

      Du erstaunst mich. Sonst bist Du doch mit den ausländischen Autoren der spanischen Küche so exra streng, besonders wenn nicht nur spanische Küche in dem Buch wiederzufinden ist? .-)

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