Kochbuch von Simone Hawlisch: Stay for Breakfast

Kochbuch von Simone Hawlisch: Stay for Breakfast ★★★★☆

Stay for Breakfast – Rezepte für
jeden Tag und alle Gelegenheiten
Simone Hawlisch
Autorenfoto: Monika Walecka
gestalten Verlag (2017)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Frühstück ist eine paradoxe Mahlzeit, um die kulinarische Neugierde zu füttern – setzt dies doch meist ein gutes Stück Arbeit in der Küche voraus, und das wiederum funktioniert morgens vor dem Frühstück nur äußerst eingeschränkt. Hat Simone Hawlisch ein Geheimrezept parat?

Frühstück ist meine untererfüllte kulinarische Leidenschaft: Ich frühstücke gerne, ich gehöre zu den Menschen, die immer mit einem Frühstück in den Tag starten, und ohne Kaffee geht schon mal überhaupt nichts. Meine kulinarische Neugier schläft dann allerdings meist noch etwas länger, und so bin ich frühmorgens auch mit einem schlichten Schälchen Haferbrei zufriedenzustellen. Aber auch die Gelegenheiten für den großen entspannten Sonntagsbrunch sind rar gesät. Genug Gründe also, mit „Stay for Breakfast“ nach Inspiration zu suchen.

Autorin und Fotografin ist Simone Hawlisch (Foto links), auch als „Fräulein Sonntag“ bekannt, mit einem Blog und einer Fotokolumne auf Instagram. Sie pflegt einen ruhigen, fast schon poetischen Stil, mit viel Gespür für feinsinnige Licht-Schatten-Spiele, und ich möchte meinen, einer gewissen Vorliebe für melancholische, tiefe Farben. Ihre Handschrift ist auch gleich auf dem Cover von „Stay for Breakfast“ unübersehbar.

Frühstück? Ja, tatsächlich!

Irritation beim ersten Blättern: Hätte mir jemand die „nackte“ Rezeptsammlung vorgelegt – ohne Fotos, ohne Begleittexte – ich wäre wohl beim besten Willen nicht von allein darauf gekommen, dass es hier ums Thema „Frühstücken“ gehen soll. Selbst auf den Food-Fotos finden sich nur wenig sachdienliche Hinweise – im Kapitel „Frühstück im Bett“ hier und da etwas Leinenbettwäsche, etwas Morgensonne, das war’s, der Rest lässt sich weder tageszeitlich noch kulinarisch eindeutig zuordnen.

Die Kapitelüberschriften in Inhaltsverzeichnis erzählen die Geschichte dazu: Da gibt es Kapitel wie „Frühstück im Freien“ mit Pitabrot und Maissuppe, „Katerfrühstück“ mit Misosuppe und Schakschuka, „Frühstücksfernsehen“ mit Grünkohlchips und salzigem Popcorn in Zartbitterschokolade oder „Frühstück de luxe“ mit in Gin gebeiztem Graved Lachs und Moscow Mule. Die Botschaft: Gelegenheiten zum Frühstücken gibt es bei Lichte besehen einfach überall und zu jederzeit.

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Viel Herzhaftes und ein bisschen Süßes

Damit kommt gleich ein ganzer Schwung herzhafter und teils auch eher herber Geschmacksrichtungen ins Spiel, die um sieben Uhr morgens auf nüchternen Magen nicht jedermann aus den Federn locken dürften. Wer es zum Frühstück lieber klassisch – eher leicht, eher süß – mag, findet aber dazwischen aber auch Haferporridge, Granola, Pfannkuchen, Waffeln, Konfitüre und Konsorten.

Aber auch hier setzt Simone Hawlisch gerne mal Akzente in die herbere Geschmacksrichtung, und wenn es auch nur der säuerliche Rhabarber in der Erdbeerkonfitüre, die dunkle Schokolade im Granola oder das Buchweizenmehl in den Waffeln ist.

Kleinigkeiten für’s gute Gelingen

Bei den Rezepten bin ich überrascht, in wie vielen kleinen Details ich meine eigenen kleinen Vorlieben, Tricks und Kniffe wiederfinde, die ich mir im Laufe der letzten Jahre (nicht zuletzt durch die vielen Valentinas-Kochbücher) angeeignet habe. Simone Hawlisch verwendet gerne Rohrzucker, ihre Konfitüre kommt ohne Gelierzucker aus, beim Backen werden „trockene“ und „nasse“ Zutaten getrennt gemischt, um nur drei Beispiele zu nennen – lauter Kleinigkeiten, die aber in der Summe einen soliden Beitrag zum Gelingen liefern.

Viele Rezepte sind mit dem Schwierigkeitsgrad „schwer“ gekennzeichnet, aber das kann ich nicht bestätigen. Vielleicht hat es auch an den wirklich guten Beschreibungen gelegen, dass ich als nicht sehr geübte Bäckerin sogar die Hand Pies und die Zimtknoten gleich beim ersten Mal ganz gut hinbekommen durfte. Dafür ist dann allerdings auch der „Obstsalat“ aus der Kategorie „einfach“ für ein doppelseitige Präsentation wirklich recht wenig.

Alles, was ich ausprobiert habe, hat gut funktioniert und gut geschmeckt. Und es waren auch einige echte Highlights dabei, die direkt den Eingang in meine Lieblingsrezepte-Kladde gefunden haben. Was will man mehr?

Stay for Breakfast – und warum nicht gleich länger? Dieses Buch füttert hungrige Frühstücker rund um die Uhr. Dazu ein Flair von Coffee Table Book mit schicken Fotos und einer überschaubaren Anzahl von Rezepten, die aber sind eine kleine Fundgrube interessanter und pfiffiger Ideen (und auch ein Obstsalat – Schwamm drüber).

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2018

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