Kochbuch von Silvena Rowe: Orient Express

Kochbuch von Silvena Rowe: Orient Express ★★★★★

Orient Express
Unkomplizierte und schnelle Rezepte
aus der orientalischen Küche
Silvena Rowe, Fotos Jonathan Lovekin, AT-Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wenn es um schnelle und unkomplizierte Rezepte geht, noch dazu aus der Geheimnis umwitterten orientalischen Küche, um poetische Verlockungen wie Smaragdwürze, Purpurzitrus und Goldstaub, fühle ich, wie sich ein wohliges Kribbeln in mir ausbreitet. Und so bin ich gerne eingestiegen in Silvena Rowes Orientexpress.

Also Türen schließen und die schöne Aussicht genießen. Ein Blick ins Buch stimmt fürs Erste hoffnungsfroh. Die Fotos entsprechen meinen Vorlieben, vieles erinnert an orientalische Garküchen. Nichts Gekünsteltes, sondern rustikaler Charme ist angesagt. Es geht ja teilweise um ziemlich deftige Speisen und das sieht man den Fotos auch an. Im Kontrast dazu die optisch zurückhaltend gestalteten Texte, verziert höchstens mal mit einer dezenten Vignette im arabischen Stil.

Die Autorin

Zunächst einige Bemerkungen zur Autorin Silvena Rowe. In London leitet sie ein renommiertes Restaurant und ist durch Auftritte im Fernsehen bekannt. Als Tochter eines türkischen Vaters in Bulgarien aufgewachsen, ist ihr die osteuropäische und nahöstliche Küche vertraut. Nicht verschwiegen werden soll, dass ihr früheres Buch Granatapfel, Sumach und Zitrusduft bei Valentina durchgefallen ist, zu gravierend waren Fehler, die nicht nur aus einer schlampigen Übersetzung und schwachem Lektorat resultierten. Derart vorgewarnt, habe ich etwas gründlicher als gewöhnlich hingeschaut und kann Entwarnung melden. Gewiss, ganz fehlerlos ist auch das neue Werk nicht, aber es sind Petitessen, etwa wenn im Text steht, dass die Auberginen im Ofen gegart werden sollen, im Foto aber eine Aubergine zu sehen ist, die auf der offenen Herdflamme liegt.

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Den Blick geöffnet …

Irritiert hat mich auch ein Rezept mit Schweinefleisch, das sich zwar köstlich anhört, aber hier fehl am Platz wirkt, auch wenn man natürlich das schweinerne Hackfleisch leicht gegen ein anderes austauschen kann. Ansonsten bewegt sich alles im grünen Bereich. Vegetarier sollte man jedoch eher nicht sein. Aber genug der Einschränkungen. Denn eigentlich möchte ich vor allem loben und der Autorin danken, dass sie mir den Blick geöffnet hat in die Welt der orientalischen Gewürze und Gewürzmischungen. Gut, Kumin und Kardamom, Chili und Safran, Zimt und Tahin sind schon lange fester Bestandteil meiner Küche, aber Sumach, Za’atar, Baharat und Dukka warteten noch darauf, von mir entdeckt zu werden. Nun ergeben sich für mich ganz neue Möglichkeiten, Geschmacksrichtungen und Konsistenzen auszuprobieren und zu kombinieren. Gerade der Reigen der nahöstlichen Mezze (Vorspeisen) bietet sich hier an, damit es nicht immer bei Hummus und Falafel, bei Tabouleh und Zaziki bleibt.

Der besondere Reiz: unzählige exotische Dips, Saucen und Pasten

Warum nicht einmal eine Skordalia? Silvena Rowe bietet gleich fünf verschiedene Variationen dieses Knoblauchdips an, der entweder mit Kartoffeln oder Brot hergestellt wird. Oder eine feine Walnusspaste, die u.a. mit Granatapfelsirup und Chili gewürzt, zu vielen Gerichten passt. Für mich waren es vor allem die unzähligen exotischen Dips, Saucen und Pasten, die den besonderen Reiz des Buches ausgemacht haben. Das Glas mit Tahin wird jetzt bei mir einen Platz ganz vorne im Regal bekommen. Gleiches gilt für die Flasche mit Granatapfelsirup und das Orangenblütenwasser.

Damit meine Ausführungen nicht allzu sehr ausufern, hier noch einige kursorische Notizen:
die Aufteilung der Kapitel nach Gewürzen ist sinnvoll. Die Zutaten stellen, vor allem mit einem türkischen Geschäft in der Nähe, kein Problem dar. Das Layout ist übersichtlich, das Register gut. Die Kochanweisungen sind korrekt und verständlich, die Zubereitungszeiten überschaubar, der Schwierigkeitsgrad nicht besonders hoch. Etliche Speisen bestehen aus mehreren Teilen, die zu anderweitigen Kombinationen einladen. Preis-Leistungsverhältnis: hervorragend.

Ohs, Ahs und dann Schweigen

Der Rezensent fiel zwar, um ein bekanntes türkisches Rezept zu zitieren, nicht in Ohnmacht, ließ sich aber immer wieder Ohs und Ahs entlocken, um nach dem Mahl in seliges Schweigen zu verfallen.

P.S.
Hier geht es zu unserer Rezension „Kulinarisches Osteuropa“ von Silvena Rowe.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2013

2 Kommentare

  1. Conny

    Guten Tag,
    ich habe mir das Kochbuch auf Grund dieser Rezension ungesehen gekauft und bin begeistert. Habe schon alle Gewürze besorgt und werde am Wochenende das erste Gericht daraus kochen.
    Einziger Nachteil: Die Schrift ist furchtbar klein. Als stark kurzsichtige mit beginnender „Altersweitsichtigkeit“ hilft auch die Lesebrille nur begrenzt weiter. Aber das wird meine Freude an diesem Kochbuch nicht über Gebühr trüben.

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