Kochbuch von Silvena Rowe: Kulinarisches Osteuropa

Kochbuch von Silvena Rowe: Kulinarisches Osteuropa ★★★★☆

Kulinarisches Osteuropa von Silvena Rowe
Fotos Jonathan Lovekin, Collection Rolf Heyne (2009)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Als ich das Kochbuch Kulinarisches Osteuropa als auffallend schöne Neuerscheinung entdeckte, war es, als hätte ich schon länger darauf gewartet. In Berlin liegt die osteuropäische Küche wegen der regionalen Nähe und seiner Bewohner in der Luft. Über die Stadt verteilt gibt es viele kleine Lebensmittelgeschäfte, die ein spezielles Angebot aus den östlichen Nachbarländern führen, geheimnisvoll und unbekannt. Außerdem treffe ich hier viele Homecooks, deren Gesichtszüge bei dem Wort Piroggen reines Entzücken ausdrücken. Dann folgt meist ein ehrfürchtiges Raunen hinsichtlich der Zubereitung. Und schließlich der Tipp, in welchem Supermarkt im Ostteil der Stadt ganz ausgezeichnete Piroggen-TK-Ware erhältlich ist. 

Umso gespannter war ich auf die Rezepte der Kochbuch-Neuerscheinung. Die Autorin Silvena Rowe stammt aus Bulgarien. Sie lebt seit 20 Jahren als Food-Autorin und -Stylistin in London. Ihr Kochbuch Kulinarisches Osteuropa ist 2006 in England erschienen, 2009 hat es der in München ansässige Verlag Collection Rolf Heyne auf Deutsch herausgegeben. Die Absicht der Autorin ist es, in ihren Rezepten die Küchenvielfalt der Länder von Polen über Ungarn bis nach Russland und der Ukraine vorzustellen. Dabei soll die klassische Küche mit ihren mediterranen und modernen Einflüssen im Mittelpunkt stehen.

Die Kochbuchautorin hat sich für eine Kapitelstruktur entschieden, die nicht klassisch aufgebaut ist, sondern den Besonderheiten der Kochkultur gewidmet ist: Süß-Saures, Herbstfrüchte, Teigkreationen, Zu Tisch bei den Bojaren lauten ihre Überschriften. Gut gefallen hat mir, dass Silvena Rowe die Rezepte mit Details zu Herkunft oder Kindheitserinnerungen einleitet, so haucht sie ihnen Leben ein. Die Zutaten sind hinsichtlich Anzahl und Art übersichtlich. Dill, Feta und Schmand sind häufiger anzutreffen, aber auch Rezepte mit Hühnchenhackfleisch, so dass ein Fleischwolf hilfreich ist. Gestolpert bin ich mitunter über die Zubereitungsbeschreibungen. Anlass waren sprachliche Unklarheiten oder Ungenauigkeit bzgl. Mengen etc. Mein Tipp für das Nachkochen: Rezeptbeschreibung SEHR genau lesen. Gewünscht hätte ich mir auch mehr Hinweise, welche Gerichte zusammen passen und worauf es beim Kochen ankommt. Letzteres vor allem bei den Teigerichten, da hier die Konsistenz des Teigs entscheidend für das Gelingen ist.

Die Rezepte selber haben mich sehr angesprochen. Sie sind so, wie der Klappentext es verspricht: Klassiker moderner und leichter Natur, die für das Kochen zuhause mit Zeit gedacht sind.

Besonders gefallen hat mir das Layout und die Fotos. Zusammen schaffen sie es, den Widerspruch von Ursprünglichkeit und Modernität zu einen, ganz im Sinne der Idee der Autorin für ihr Kochbuch. Das Kochbuch habe ich auch deswegen gerne gelesen: Aus den Buchseiten strahlt ein gelassener Spätsommer.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2009

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