Kochbuch von Sherry Yard: Desserts by the Yard

Kochbuch von Sherry Yard: Desserts by the Yard ★★★☆☆

Desserts by the Yard
Sherry Yard, Houghton Mifflin Company

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Das Cover von Sherry Yards Dessert-Buch hatte es mir angetan – ein extravagantes Sahne-Törtchen (Charlotte Russe) mit zarten Biskuits. Außerdem hatte ihr letztes Buch The Secrets of Baking den renommierten James Beard Award erhalten. Sherry Yard war viele Jahre als Patisseurin im Herzen Hollywoods tätig, im Spago. Der Glamour-Effekt minderte meine Neugierde natürlich nicht. Der Verlag versprach: „All (…) masterpieces are here: Chocolate-Caramel-Tarte, Nectarine Cobbler, Triple Silken Pumpkin Cake – so foolproof it will change your cake making live forever.“

From Brooklyn to Beverly Hills: Recipes from the sweetest Life ever – so lautet der Untertitel des Dessert-Buches. Zwischen den beiden Orten liegen viele weitere Lebensstationen von Sherry Yard. Die Kapitel folgen dieser Chronologie: Rezepte aus ihrer Kindheit in Brooklyn, ein kulinarischer Eindruck in London, Arbeiten in Hollywood, Reise nach Wien, Desserts in Beverly Hills und Desserts einiger Oscar-Preis-Verleihungen. Hier sind ihre Patisserie-Kreationen und eine Handvoll Klassiker zu finden. Sherry Yard findet für jedes Rezept einleitende Worte: Persönliche Erinnerungen (keine Schokolade für Bill Clinton: Allergie) oder die Besonderheit des vorgestellten Rezeptes. Die Rezeptbeschreibungen sind sehr ausführlich, durchaus über drei Seiten. Die Zutatenlisten sind lang, aber es ist eher selten Exotisches erforderlich. Ein Vielzahl der Rezepte enthält Alkohol. Der Zeitaufwand – uff – ist tendenziell enorm (für den Homecook). Die Hälfte der Rezepte sind bebildert mit zeitlosen Fotografien, bei der die Patisserie-Kunst eher im Vordergrund steht (Es gibt auch ein Foto der Kochbuch-Autorin gemeinsam mit Julia Roberts bei einer Oscar-Verleihung). Das Seitenlayout ist übersichtlich (Extra: Sherry‘ Secrets), aber wirkt im Vergleich zu den Fotos uninspiriert.

Wie bei vielen US-amerikanischen Kochbüchern habe ich auf Verdacht bestellt, ohne den Inhalt genauer zu kennen (Deshalb finde ich die Search-Inside von Amazon großartig.). Als ich das Desserts by the Yard dann das erste Mal aufklappte, ahnte ich es: Das Buch ist vor allem für Patisseure. Für Desserts wie diese (allerdings nicht die alkoholhaltigen) gehe ich ins Restaurant. Die Desserts verheißen höchsten Genuss, erfordern aber sehr viel Zeit und Aufwand sowie Geschick.

Bevor ich ein Kochbuch erstmal beiseite lege, koche ich mindestens 4 – 5 Rezepte nach – bei diesem nicht. Über die Qualität der Rezepte kann ich daher kaum was sagen. Tatsächlich habe ich mit Hugh Grants Chocolate-Caramel-Tarte begonnen, die mir leider trotz Sorgfalt misslungen ist. Schließlich habe ich die Pancakes probiert, die ich nicht außergewöhnlich fand. (Eines der Klassiker-Rezepte, die weniger Aufwand erfordern.)

Ich hebe das Buch auf für eine Lebensphase mit viel Zeit: Wenn ich die Muße habe, dass ein Masterpiece von Sherry Yard mein einziges Tagesziel ist. Meine Freunde werde ich je nach Film-Neigungen mit den Desserts der 67.,73.,75. oder 76. Oscar-Verleihung beglücken. Das sind schöne Aussichten!

Veröffentlicht im Mai 2008

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z