Kochbuch von Semiha Stubert: Afiyet Olsun

Kochbuch von Semiha Stubert: Afiyet Olsun ★★★★☆

Afiyet olsun! Die wunderbaren Rezepte meiner türkischen Familie
Semiha Stubert, Illustration Claudia Lieb, Gerstenberg Verlag (2011)
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Janina

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn es möglich wäre, für eine bestimmte Zeit in das Leben eines anderen Menschen zu schlüpfen, ich würde die Kindheit von Semiha Stubert wählen. In der Nase den Duft von frischer Minze und in der Tasche immer einen Apfel spielt sie den ganzen Tag auf Feldern oder kocht mit ihrer Nene unter freiem Himmel. – So stelle ich mir ihr Leben in dem kleinen Dorf in der Türkei vor, in dem sie mit ihren Großeltern lebte. Ein Paradies für mich – nicht nur als Kind. Semihas Kindheit kann ich natürlich nicht selbst erleben, doch seit ich ihr Buch „Afiyet Olsun“ das erste Mal aufgeschlagen habe, weiß ich, ich habe wieder einen Ort gefunden, in den ich eintauchen kann, wenn mir danach ist.

Ein ganz persönliches Buch ist hier entstanden, das verrät schon der Untertitel „Die wunderbaren Rezepte meiner Familie“. Die Autorin teilt mit uns ihre Erinnerungen und die damit verbundenen Rezepte.
Von ihrer Nene (Großmutter) habe sie das Kochen gelernt, schreibt Semiha Stubert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Erzählungen über sie wie ein roter Faden durch das Kochbuch ziehen. „Die Kochstellen von Nene und ihre Suppengeschichten“ und „Nudeln bei Nene“ lauten einige Titel. Die begleitenden Geschichten lassen mir die Nene so lebendig werden, dass ich manchmal beim Kochen beinahe das Gefühl habe, sie würde hinter mir stehen und wohlwollend auch meine Handgriffe beobachten.

Die Rezepte klingen alle verlockend. So schwer fällt es mir, mich zu entscheiden.
Zuerst die türkische Pizza? Oder doch erst wimmernde Auberginen oder die Brotsuppe? Egal, ich habe Zeit, also warum nicht alles kochen?

Die Zutatenlisten sind übersichtlich gehalten. Der Geschmack entfaltet sich durch die Frische der Lebensmittel nicht durch außergewöhnliche. Tomaten, Auberginen und Zucchini sind ohnehin stete Gäste in meiner Küche wie auch Petersilie und Minze. Fehlt noch der Bulgur und dann kann ich bereits die meisten Rezepte nachkochen.

StubertAls erstes teste ich die türkische Pizza. Der Klassiker ist ein Angst-Rezept von mir, weil jeder zu wissen meint, wie die perfekte Pizza schmecken muss. Die ersten werden zu hart – zu lange im Ofen, aber dann, oh ja, das ist wirklich gut. Den Rest der Füllung backe ich schließlich als Bällchen mit und wir verschlingen sie, kaum kommen sie aus dem Ofen.

Auch die weiteren Versuche – Frischer Kräutersalat etwa oder einfache Bulgurpfanne – begeistern mich. Hier habe ich einfache türkische Küche ohne großen Schnickschnack gefunden, alltagstauglich und wirklich lecker. – Inzwischen ist die Liste der Rezepte, die ich meinen Freunden mailen soll, lang. Übrigens: Auf Nachfrage hat mir Semiha Stubert gern erklärt, dass mit 1 Bund Petersilie ein deutsches Bund gemeint ist (das türkische bringt mal eben 350g auf die Waage!) und dass Paprikamark zwar auch scharf sicher lecker ist, sie aber mit dem milden kocht.

StubertSchon die guten Rezepte und die sympathische persönliche Note überzeugen mich von „Afiyet Olsun“, aber mit Claudia Lieb als Illustratorin hat Semiha Stubert wirklich einen Glücksgriff gemacht.

Ihre Illustrationen bringen mich zum Schwärmen. Liebevoll hat sie jede Seite gestaltet. Mal ranken sich rotblaue Fantasieblumen über ein Rezept, mal wirken ihre Zeichnungen collagenhaft, tanzen weißgewandete Männer über eine Seite, von ebenfalls tanzenden Skizzen verstärkt. Claudia Lieb versteht es, ihre Bilder Teil der Erinnerung Semihas werden zu lassen. Sie untermalen so sehr den Eindruck des gemütlichen Lebens auf dem Dorf, dass ich selbst den Windhauch zu spüren meine, der den Duft von frischem Brot mitbringt.

So, und jetzt brauche ich dringend wieder eine frische türkische Brise. Ich gehe jetzt kochen.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

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