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Katharina Höhnk

Kochbuch von Semi Hassine: Bock auf handfestes Essen ★★★★

Bock auf handfestes Essen – Einfach & gut: von Currywurst bis Shakshuka, Semi Hassine, Fotos: Jennifer Braun, Südwest Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ulrike Rösler

Von

Im Ruhrpott wurde nicht nur Eisenerz eingeschmolzen, sondern er hat als „Melting Pot“ auch Menschen verschiedener Herkunft zusammengeschmiedet. In diesem Sinne präsentiert uns Semi Hassine eine Vielfalt an Gerichten deutscher und internationaler Herkunft.

Kochbuchautor Semi Hassine
Kochbuchautor Semi Hassine

Semi Hassine (Foto links) leitet das Restaurant Fachwerk in Hattingen. Einigen mag der gelernte Koch bekannt sein durch seine Teilnahme bei „The Taste 2018“ (Team Rosin), wo er es bis zur Endausscheidung und damit Platz 2 gebracht hat. Der sympathische Sohn eines tunesischen Gastarbeiters blinzelt uns verschmitzt von etlichen Fotos seines ersten Kochbuchs entgegen. Am Ende des Buches gibt es sogar Bilder aus dem Familienalbum.

Ziel und Motto des überzeugten Ruhrpottlers ist, uns deftiges Essen aufzutischen, denn: „Firlefanz gibt’s woanders, und so versteht sich unsere handfeste Küche für Familien mit starken Männern, sanften Frauen und strammen Kindern.“ (Räusper …)

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Website und Instagram des Autors

Die ca. 60 Rezepte umfassen Vorspeisen und Salate, „Süppchen“, Hauptgerichte, Nachtisch und einige Basisrezepte u. a. für Beizen, Soßen und Brühen. Die Rezeptauswahl ist weit gestreut, vom konventionellen Gänsebraten über Massaman-Curry-Beef und Grünkohl westfälisch hin zu Steak Sandwich und Kimchi: etwas klassisch deutsch, etwas Asien, etwas mehr Maghreb und einiges an Allerwelt-Gerichten wie karamellisiertem Ziegenfrischkäse oder Crème Brulée.

Kochbuch von Semi Hassine: Bock auf handfestes Essen
Kochbuch von Semi Hassine: Bock auf handfestes Essen

Für das Nachkochen haben mich vor allem die ungewöhnlichen Gerichte gereizt, denn für Klassiker wie Tomatensalat mit Burrata oder Matjes auf Kartoffelsalat gibt es schon zig andere Rezepte; das muss man nicht unbedingt noch einmal testen. Spannend wird es dort, wo Semi Hassine sich an Neuinterpretationen versucht – das ist eindeutig seine Stärke. Die Currywurst Orient-Style (u. a. mit Banane und Maracujasaft) oder das Beef-Tatar klassisch Anders sind mutig-innovativ und bieten großes Geschmacks-Kino. Andere Rezepte wie die gefüllten Bricktaschen oder das Massaman-Curry sind internationale Klassiker, die solide funktionieren und gut schmecken.

An sein Halbfinale-Gericht aus „The Taste“ (knusprig gebratenes Wolfsbarschfilet) habe ich mich aus kalorischen Gründen allerdings doch nicht herangewagt, da 500 g Butter und 1 Liter Sahne mir einfach zu mächtig waren. Überhaupt habe ich bei einigen Rezepten über den Mengenangaben gerätselt, denn ich fand in dem Buch keine Angabe, für wie viele Personen die Rezepte gedacht sind. Die geniale Currywurst mit vier doch eher kleinen Merguez-Würstchen scheint nicht für vier Personen gedacht – vielleicht für zwei hungrige „starke Männer“ – oder doch vier „sanfte Frauen“? Die Mousse au Chocolat mit 1 Liter Sahne auf 6 Eiern dürfte mehr als vier Portionen ergeben.

Semi Hassine:

„In meinen folgenden Rezepten findet ihr bestimmt so einiges von Oma und wie das damals so war, als man noch auf der Hütte Stahl zog (…) Zum Traditionellen habe ich Neues hinzugefügt, um die kulturelle Vielfältigkeit unserer Heimat kulinarisch zu fassen, denn wir sind das geworden, was wir noch heute sind – ein Pott mit vielen Zutaten.“

Die eigene Handschrift

Für mich waren es die abgefahrenen Rezepte, die den Mehrwert dieses Buches ausmachen: die, bei denen man erst mal den Kopf schüttelt, die dann aber erstaunlich gut funktionieren. Für Rote Grütze oder Wildkräutersalat nach althergebrachter Manier braucht die Welt –meiner Meinung nach – nicht unbedingt ein weiteres Kochbuch. Wollte der Autor seine Vielfalt zu zeigen, es allen recht machen oder ein Kochbuch für alle Geschmäcker schaffen?

Mein Fazit ist: Noch mehr Mut zu eigenwilligen Kreationen hätte dem Buch gut gestanden. Vielleicht im nächsten Kochbuch? Ich freue mich drauf – und werde beim nächsten Besuch in Hattingen (die stillgelegte Henrichshütte ist übrigens unbedingt einen Besuch wert!) gerne im Fachwerk essen.

Veröffentlicht im Juli 2022

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