Kochbuch von Sebastien Boudet: The French Baker

Kochbuch von Sebastien Boudet: The French Baker ★★★★★

The French Baker

Authentic Recipes for Traditional

Breads, Desserts, and Dinners
Sebastien Boudet, Fotos Carl Kleiner
Skyhorse Publishing (2013)

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wenn ich meiner Liebe zum Kulinarischen einen Namen geben müsste, oder besser zwei, so fallen mir diese Stichworte als erstes ein: Brot und Frankreich. Wenn auch eigentlich nicht in Kombination, denn einen prägend deutschen Schwarzbroteinfluss kann ich nicht verleugnen. Wie dem auch sei, „The French Baker“ lockt thematisch, mit seinem gelungenem Cover, mit seinem Inhalt: Sauerteigschule, Sauerteigbrote, Bäckermahlzeiten, Öle & Kondimente, Süße Brote, 7 kleine Kekse, Nachspeisen. Ich blättere und will alles backen. Ich backe und bin dem Buch verfallen. Seufz.

„The French Baker“ ist ein Buch, das ich von vorne bis hinten durchbacken und -kochen will, will klassische Sauerteiglaibe und leicht absurde Kreationen wie das Ziegenkäse-Rotebeete-Brot, will Bouillabaisse und Confit de canard, eingemachten Safran, Backofenkonfitüren, Brioche, Mandelcroissants, Himbeertörtchen und Zimtkringel, ja, selbst Müsli will ich, wenn es wie hier daher kommt. Etliche Rezepte später will ich das alles immer noch, will Rezepte, die ich bereits probiert habe wieder und ebenfalls die, die noch auf den Einzug in meine Küche warten. Kurz: dies Buch und ich, wir werden eine lange, glückliche Beziehung führen. Gelegentlich darf vielleicht der ein oder andere Außenstehende eine Kostprobe unserer innigen Zweisamkeit teilen.

Mein Einstieg in die Backwaren Sébastien Boudets war ein Sauerteigbrot mit dem wohlklingenden Namen Pavé. Nach langer, kalter Teiggare kommt der Teigling kalt in den heißen Ofen, wird mit Dampf bei hoher Temperatur gebacken. Einfach. Funktioniert es? Ich war ein wenig skeptisch, besonders in den ersten Minuten, als der recht flache Laib verloren im Ofen saß. Doch dann: enormer Ofentrieb, eine extrem rösche Kruste, großporige Krume, hocharomatischer Geschmack. Was für ein Brot! Die beiden Varianten mit unterschiedlichem Anteil von Hartweizenmehl (Pain au levain, Durum pavé) schmecken ebenso gut. Boudets Brotmuster, die man verstreut hier und da im Buch bewundern darf, können durchaus als Kunstwerke durchgehen.

kochbuch-GerberoyDer Band verbindet auf gelungene Art und Weise Rezepte, kulinarische Informationen und Anekdoten zum Werdegang des Autors, aber auch Lifestylefotos aus dem ländlichen Frankreich, für alle, die nicht durch den Anblick der Backwaren bereits ins Schwelgen geraten. Die Klippe des Kitsch wird jedoch souverän durch humorige Fotos umschifft (siehe Abb.). Spätestens hier fragt man sich, wer ist dieser lustige Typ mit dem heißen Ofen? Boudet ist ein französischer Bäcker im schwedischen Exil, der u.a. auch dieses Blog betreibt. Sein Buch zeigt ihn als einen überzeugten Verfechter natürlicher Lebensmittel. Er stammt aus einer französischen Bäckerfamilie, hat selbst eine traditionelle Ausbildung zum Patissier absolviert und hat in Stockholm die Bäckerei Petite France ins Leben gerufen. Unten kann man ihn in einem schwedischen Video bewundern.

Die „Sauerteigschule“ ist ein informativer, gelungener Einstieg in die Thematik, doch dem Rezeptteil fehlt der letzte Feinschliff. Die Rezepte sind z.T. zu vage (S. 88: „grains“ (oats, rye) meint vmtl. Flocken, nicht Körner), wichtige Tipps, die das Gelingen beim auch ohne Vorerfahrung garantieren würden, fehlen und auch Fehler sind immer wieder anzutreffen. Backzeiten: tendentiell bei Brot zu lang, bei Kleingebäck zu kurz; Teige: mehr auf Konsistenz als auf exakte Zutatenmengen achten; häufig ergibt ein Rezept viel mehr Teig als für angegebene Anzahl Backwaren benötigt; Ei in der Zutatenliste wird zu Eiweiß im Rezept (S. 202; 205); Wechsel zwischen einzelnen Rezepten funktioniert nicht immer tadellos (Verweisstellen nur teilweise angegeben (S. 223); angegebene Verarbeitung bis Rezeptschritt x unstimmig (S. 184)). Meist reicht mitlesen und mitdenken, ein Rezept lässt sich auch beim dritten durchlesen nicht dekodieren: zwei mal Butter in der Zutatenliste, einmal im Rezept – wie denn nun? (S. 191). Solche unnötigen Unstimmigkeiten sind schade, es bleibt zu hoffen, dass sie in der nächsten Auflage behoben werden. Für dieses Niveau wären eigentlich 4 Sterne angemessen, doch für die Leidenschaft, die dieser Band entfachen kann, gibt es von mir einen Zusatzstern: ein klares Lieblingsbuch.

Die erste Auflage des „French Baker“ hätte ein sorgfältigeres Lektorat verdient, Anfängern wird durch unnötige Fehler der Einstige erschwert. Wer aber über kleine bis mittlere Baustellen hinweglesen und ggfs. helfend eingreifen kann und will, der wird mit einer gelungenen, inspirierenden Mischung von Tradition und Innovation belohnt. Keine Frage, Boudet weiß, was schmeckt!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2014

4 Kommentare

  1. Lena

    Schade um die inhaltlichen Fehler. So hoffe ich auf eine Übersetzung ins Deutsche mit gutem Lektorat und sehr guter Übersetzung! Ist das zu viel des Hoffens ;)?

  2. Sarah

    Wie erstaunlich, dass es doch immer wieder Bücher gibt, von denen ich noch nichts gehört habe. Vielen Dank für diese Rezension!

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z