Kochbuch von Sebastian Dickhaut: Kartoffeln – Rezepte

Kochbuch von Sebastian Dickhaut: Kartoffeln – Rezepte ★★★★☆

Kartoffeln – Rezepte – einfach, klassisch und immer gut
Sebastian Dickhaut, Fotos Wolfgang Schardt, GU (2011)
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Dietmar Adam

Von

Eine runde Sache

Es soll ja Leute geben, denen misslingen sogar Salzkartoffeln. Wahrscheinlich hilft denen keinerlei Kochbuch weiter. Aber all jene, die ein wenig Begeisterung fürs Kochen aufbringen, können von Sebastian Dickhauts Buch profitieren, auch und gerade Anfänger ohne Vorkenntnisse. Wenn ich da so an meine ersten Versuche denke, aber naja, das ist eine andere Geschichte.

Von Anfang an verbreitet das Buch Wohlfühlstimmung. Handlich, übersichtlich, schön und stimmungsvoll illustriert, aber nicht überkandidelt. (Fast) jedes Rezept hat ein Foto, oft ein ganzseitiges, zumindest aber ein kleines. Das wünsche ich mir bei vielen teureren Kochbüchern. Und noch ein oft übersehenes Detail ist mir gleich positiv aufgefallen: das Register. Da freut sich der Bibliothekar, wenn er sieht, dass der „Sächsische Getzen-Auflauf“ gleich an drei Stellen zu finden ist (für Eingeweihte: Titel, Stichwort, Schlagwort). Wie oft ärgere ich mich bei der Suche nach einem Rezept, wenn der „bunte XY-Salat“ zwar alphabetisch korrekt, aber wenig hilfreich nur unter dem zufällig ersten Bestandteil seines Titels eingetragen wird.

Die Einteilung der Kapitel orientiert sich an sachlichen Kriterien. Nach einer kurzen Warenkunde, die die wesentlichsten Details anspricht, beginnt der Rezeptteil mit Suppen. Dann folgen einfache Gerichte wie Pürees und Pellkartoffeln, Gnocchi und Klöße. Dann kommen Pfanne und Fritteuse ins Spiel, anschließend wird gerieben und geschupft, wobei Puffer, Rösti oder Schupfnudeln entstehen. Bevor das Buch mit Salaten kalt endet, geht es noch in den Ofen, heraus kommen dabei unter anderem Gratins, Aufläufe und eine Kartoffelpizza. Mir war’s recht so.

Sebastian Dickhaut, vor allem durch die „Basic Cooking“-Reihe bekannt geworden, weiß natürlich, wie er Anfänger glücklich machen kann. Das merke ich schon bei der Auswahl der Gerichte. Von Klassikern wie Pürees, Puffer, Gratins, Aufläufen, Knödeln, Bratkartoffeln geht es bis hin zu außergewöhnlichen Rezepten, für die fremde Küchen Pate standen. Jeder wird hier etwas für sich finden. Ich stieß als erstes auf eine gewagte Kombination aus simplem Kartoffelpüree mit roten Linsen. Zunächst sah ich mich in meiner Skepsis bestätigt, aber dank der pikanten Curry-Butter kam es dann doch zu einer durchaus gelungenen Liaison zwischen deutscher und indischer Küche. Oder die eine oder andere spanische Tapakreation, schnell gemacht und prima geeignet, um bei kleinen Feiern im Nu ein überzeugendes Fingerfood-Buffet zu zaubern. Wer mehr Zeit investiert, kann mit einer „Kartoffelsülze mit Tafelspitz“ imponieren. So finden sich für jeden Zweck passende Speisen, wobei die unkomplizierte Alltagsküche klar im Vordergrund steht.

Überhaupt fällt angenehm auf, wie einfach und leicht nachvollziehbar die Rezepte gestrickt sind. Viele der benötigten Zutaten hatte ich ohnehin im Haus, andere waren leicht zu beschaffen. Die Anweisungen sind knapp und präzise, kein überflüssiger Schnickschnack. Ich denke mal, dass auch Anfänger gut zurechtkommen werden. Denn für die ist dieses Buch hauptsächlich gedacht. Was nicht heißt, dass Fortgeschrittene nicht auch Anregungen finden können. Für mich waren beispielsweise die schwedischen Heringskartoffeln eine echte Offenbarung. Nie wäre ich von allein darauf gekommen, Kartoffeln, eingelegten Hering und Sahne zu kombinieren. Gefallen haben mir auch die Ausflüge in deutsche Regionalküchen, die leider immer mehr in Vergessenheit geraten.

Eigentlich hätte das Buch die volle Punktzahl verdient. Aber letztendlich habe ich mich beim Nachkochen doch hin und wieder dabei ertappt, dass ich hier noch etwas hinzufügt oder dort ein wenig geändert habe. Der letzte Kick, das Besondere haben mir da mitunter gefehlt. Unter dem Strich jedoch kann ich das Buch gerne empfehlen, bietet es doch vor allem für Anfänger jede Menge Anregungen und zeigt, was man alles mit dieser unscheinbaren Knolle anstellen kann.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2012

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