Kochbuch von Sarah Wiener: La Dolce Wiener

Kochbuch von Sarah Wiener: La Dolce Wiener ★★★☆☆

La Dolce Wiener
Süße Verführungen von Apfelstrudel bis Zimtschnecken
Sarah Wiener, Knaur (2009)

Stefanie Czybik

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Gern und oft bin ich mit Sarah Wiener via TV durch Frankreich und Italien gereist und habe sie bei vielen kulinarischen Abenteuern begleitet. Und daher weiß ich, wir teilen eine große Leidenschaft: Süßspeisen. Sarah Wieners drittes Kochbuch – La Dolce Wiener – versammelt nun ausschließlich süße Verführungen und ist daher genau das Richtige für mich, um herauszufinden: Wie gefällt mir die Küche der bekannten Fernsehköchin als Buch?

Gegliedert in die drei Kapitel „Mehlspeisen & süße Speisen“, „Nachspeisen – kalt & warm“ und „Kuchen & Gebäck“ präsentiert Sarah Wiener in La Dolce Wiener 150 Klassiker – hauptsächlich Hüftvergolder der österreichischen Süßküche, daneben finden sich aber auch Rezepte aus Deutschland, Italien und Frankreich.

Übersichtlich & verständlich

Man merkt schnell, dass bei den Rezepten viel Wert auf Übersichtlichkeit und Verständlichkeit gelegt wurde. Die Zutatenliste ist farblich abgesetzt. Besteht ein Rezept aus mehreren Komponenten (z. B. Teig und Füllung), sind die Zutaten getrennt aufgelistet. Viele der benötigten Zutaten hatte ich griffbereit in der Küche, denn gekocht und gebacken wird oft mit den herkömmlichen Süßküchenzutaten wie Butter, Zucker, Sahne, Eier, Mehl, Hefe und Marmeladen. Mit den daraus entstehenden Speisen und Backwerken wird man schwerlich abnehmen können (soll man ja auch nicht), bei manchen Rezepten ist mir zu viel Zucker verarbeitet – da reduziere ich häufig beim „zweiten Mal“.

Die Rezeptanleitungen erfolgen gut nachvollziehbar Schritt für Schritt und werden oft durch Tipps zur Zubereitung und Varianten des Grundrezepts ergänzt. Durch die Genauigkeit der Rezepte gelingt das Nachkochen und -backen nahezu problemfrei. Das gibt schnell Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und auch die anspruchsvolleren Rezepte erscheinen machbar. Und falls doch ein kulinarisches Missgeschick passiert, lässt sich noch so manches mit den zahlreichen Tricks des Extrakapitels „Pannenhilfe“ retten.

Mehlspeisen!

Gut gefallen haben mir die Rezepte zu den von mir bislang in meiner Küche vernachlässigten Mehlspeisen. Die darin beschriebenen Varianten von Knödeln, Schmarrn und Strudel haben in mir sofort den Wunsch geweckt, diese unverzüglich zu essen! Das sind meine persönlichen Sehnsuchtsrezepte – die gab es bei meiner Omi und bei meiner Mutti. Bei den ebenfalls klassisch gehaltenen Nachspeisen, Kuchen und Gebäcken hätte ich mir als Vielbäcker mehr Überraschendes, mehr Neues gewünscht. Da gelang auch das Appetitanregen nicht immer – Kasten- und Guglhupfrezepte werden als trockene Kuchen bezeichnet. Sicher nicht falsch, aber wer möchte schon solch einen Kuchen backen?

Konsequent wurde La Dolce Wiener als Wiener Süßküchenbuch angelegt: Durchgängig werden die österreichischen Zutaten- und Speisebezeichnungen verwendet (ein Glossar hilft beim Übersetzen), durch das gesamte Buch ziehen sich Grafiken im Jugendstildekor, fotografiert wurde in Wiener Kaffeehäusern und Konditoreien. Die zahlreichen Porträts von Sarah in Wien, in vielen schönen Kleidern und auch mal mit Lockenwicklern im Haar, hätten auch gut in ein Fan-Buch gepasst. Für mich eine Spur zu viel persönliche Präsenz, denn mich interessieren ihre Rezepte mehr. Der Food-Fotograf hat seine Sache toll gemacht: Wunderschöne, ganz auf die Kuchen und Süßspeisen reduzierte Bilder sind entstanden, jedoch zu wenige Rezeptfotos im Vergleich zur Sarah-Porträts!

La Dolce Wiener ist eine umfangreiche sowie solide, aber wenig überraschende Sammlung klassischer Rezepte. Homecooks, die nach Rezepten jenseits der Kategorie „Muttis Apfelkuchen“ suchen, sollten nach anderer Inspiration Ausschau halten.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2009

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