Kochbuch von Sarah Wiener: Kochen kann jeder mit Sarah Wiener

Kochbuch von Sarah Wiener: Kochen kann jeder mit Sarah Wiener ★★★★☆

Kochen kann jeder mit Sarah Wiener
Sarah Wiener, Fotografie Brigitte Sporrer
Gräfe und Unzer Verlag (2013)
Mehr über den Verlag

Theresa Kellner

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Es ist alles da – von Nockerln, Erdäpfelsalat und faschierten Laiberln über Paradeiser-Omelett bis hin zu Schlutzkrapfen mit Spinat. Typisch österreichische Klassiker dürfen schließlich im neuen Kochbuch von Sarah Wiener auch nicht fehlen, aber „Kochen kann jeder“ bietet viel mehr als das.

Sarah Wiener ist ein Phänomen. Kurz vor dem Abitur hat sie die Schule abgebrochen, ist durch Europa getingelt und hat sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Mit Anfang 20 landete sie mit ihrem Sohn in Berlin und lebte von Sozialhilfe, bevor sie im Restaurant “Exil” ihres Vaters die Leidenschaft fürs Kochen entdeckte. Oder vielmehr entdeckt wurde – von Tilda Swinton, die sich in den von Sarah gebackenen Kuchen verliebte und sie vom Fleck weg als Caterin für eine Filmproduktion engagierte – so die Legende.

Heute ist Sarah Wiener eine Starköchin im deutschsprachigen Raum. Ihr Catering kann man europaweit buchen, sie hat zwei Restaurants und ein Kaffeehaus, eine Bäckerei, eine Stiftung und ist regelmäßig auf Arte zusehen – von der eigenen Messer- oder Emaillekollektion ganz zu schweigen. Dies ist ihr sechstes Kochbuch.

Mit “Kochen kann jeder” sagt Sarah Wiener den Tütensuppen und Mikrowellengerichten den Kampf an. Schluss mit Fertiggerichten – jeder kann mit den richtigen Tipps, Tricks und Rezepten am Herd großartige Gerichte zaubern, ist ihre Message. Ein Grundlagenkochbuch also, das die Lust auf ein genussvolles Kochen und Ausprobieren in der Küche wachkitzeln will. Doch geht das Konzept auf?

Schon beim ersten Durchblättern schlägt mein (Koch)herz höher. Das Buch ist liebevoll gestaltet – mit wunderschönen Fotos und kleinen, frechen Illustrationen. Ich schwelge in den verlockenden Rezepten. Rote-Bete-Gratin. Forelle mit Wurzelwerk. Gemüsestrudel mit Haselnüssen. Gebratene Ente mit Marillen. Germknödel mit Mohnbutter. Dieser Punkt geht ganz klar an Sarah Wiener, man möchte sofort und „Endlich loslegen!“.

kochbuch-sarah-wiener-insideDie Kapitel gliedern sich ganz klassisch in „Suppen und Eintöpfe“, „Salate und Vorspeisen“, „Hauptgerichte“ sowie „Desserts und Kuchen“ (Foto: links). Jedem Kapitel vorangestellt werden die Grundtechniken und -rezepte zu den verschiedenen Bereichen. Wer wissen möchte, wie man eine Brühe passiert, Mayonnaise selbst macht oder den Grundteig für Nudeln, Gnocchi und Quiche zubereitet, wird hier fündig. Auch was man im Umgang mit Fisch und Fleisch beachten muss, wird genauso erklärt, wie die Herstellung einer Baiser- oder Sorbetmasse. Das ausführliche Register am Ende ist das I-Tüpfelchen. Es führt die Rezepte nach Kapiteln und Alphabet auf, auch die Grundtechniken von A wie Abschäumen bis Z wie Zwiebel schneiden finden ihren Platz. Sollten dann noch Fragen offen sein, bleibt ein kleiner Küchendolmetscher Österreichisch-Deutsch. Hier wird dem Leser ein vorbildlich ausgearbeitetes Buch an die Hand gegeben.

Ich bin beeindruckt von der Fülle und Vollständigkeit aller Zubereitungsarten und Hilfestellungen. Es gelingt Sarah Wiener wirklich den Leser zu animieren, sich die Zutaten zu schnappen und in der Küche auszutoben. Dass sie dabei Wert auf frische, saisonale und regionale Produkte legt und zu so naturbelassenen Zutaten wie möglich rät, macht sie mir gleich noch sympathischer. Allein die Angaben bei einzelnen Rezepten sind mir dann doch ab und an etwas zu ungenau für blutige Anfänger. Bei den Ofengerichten fehlt mir der Hinweis auf welcher Schiene das Essen gegart werden soll – Ahnungslose kann man nicht genug abholen, denke ich. Ebenso wenn etwas in der Pfanne gebraten oder gedünstet werden soll – oft gibt es keine Angabe der Temperaturintensität.

Sarah Wiener legt mit „Kochen kann jeder“ ein gelungenes Grundlagenkochbuch vor. Die Stärken sind in meinen Augen die inspirierenden Rezepte, ausführliche Erklärungen und ihr Sinn für gutes und einfaches Essen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2014

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