Kochbuch von Sarah Thor: Voulez-vous Fondue avec moi?

Kochbuch von Sarah Thor: Voulez-vous Fondue avec moi? ★★★★★

Voulez-vous Fondue avec moi?
70 heiße Rezepte
Sarah Thor
Fotos: Sarah Thor, Lena Pfetzer
Edition Michael Fischer (2020)

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Alle Jahre krame ich auf den letzten Metern eines Jahres den Fonduetopf aus dem Kellerschrank. Und jedes Jahr wieder stelle ich mir die simple Frage: Brühe oder Öl? Oder mal Käsefondue? Kurz: „The same procedure as every year…“ umschreibt nicht nur die erfolgreichste Silvester-Show im TV, sondern auch meine knappe Fondue-Klaviatur.

So gesehen bedeutet das 143 Seiten starke Büchlein „Voulez vous Fondue avec moi?“ mit über vierzig Fondue-Ideen von Sarah Thor (Foto unten) fast eine Revolution für mich, aber mindestens kündigt es neuen Schwung in meinem Fonduetopf an.

Kochbuchautorin Sarah Thor

Die Autorin ist gebürtige Steirerin mit süditalienischen Wurzeln und lebt heute in der Schweiz. Seit 2015 betreibt sie den Foodblog Gaumenpoesie. Für das Kochbuch „Voulez-vous Fondue avec moi?“ hat sie nicht nur die Rezepte entwickelt, sondern diese auch atmosphärisch fotografiert. Rustikale Steinplatten, Keramikgeschirr und Gewürzbrösel lachen mich an. Der erste Eindruck ist ansprechend.

Weltweites Konzept

Ihre Rezept-Kapitel gliedern sich nach Käsefondues, Fondues mit Brühe und Öl, Fondue Crossover, süße Fondues, Beilagen und Saucen. Ein erstes Querlesen ergibt, dass die ganze Welt oder zumindest die halbe Welt sich hier kulinarisch versammelt. Die Autorin geht folgerichtig der interessanten Frage nach, wer das Fondue eigentlich erfunden habe. Zwar gelte das Schweizer Käsefondue als Nationalgericht, aber seine genaue Herkunft bliebe unklar. Zudem wurde die Variante mit Ziegenkäse und Wein sogar erstmalig in der „Ilias“ erwähnt, die ca. im 7. Jahrhundert vor Christi von Homer verfasst wurde.

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Der Fonduetopf als Tradition sei zudem auch in anderen Länderküchen verankert wie zum Beispiel in Asien als Shabu-Shabu-Topf. Thors folgende Rezeptauswahl knüpft an dieser Tatsache der weltweiten Verbreitung an mit Klassikern und Varianten, aber sie ergänzt sie mit modernen Rezepten wie zum Beispiel einem veganen Fondue mit Cashewkäse.

Ebenfalls Hauptsache: Beilagen

Thor appelliert daran, den Fokus nicht nur auf den Topf zu lenken: „Die eigentlichen Hauptdarsteller sind jedoch die vielseitigen Beilagen, die Ihr Fondue zu einer geschmacklichen Attraktion machen“, schreibt sie, und so fällt mein Blick in ihr letztes Kapitel – Beilagen & Saucen – , das an Auswahl nichts missen lässt. Wie klingt Naan-Brot und Waffel-Bites oder Hot-Tangerine-Sauce?

Meine erste Wahl fiel auf das Rosé-Fondue mit provenzalischer Tapenade. Es klang so interessant: Es kommen Seafood, Fleisch und viel Gemüse in den Topf. Zum Garen wird hier eine mit Knoblauch und Kräuterbutter aromatisierte Geflügelbrühe mit viel Roséwein angesetzt. Dazu gibt es eine frische Tapenade und selbst gebackenes Weißbrot. Es überzeugte alle am Fondue Teilnehmenden – wir waren glücklich.

Aber natürlich durfte ein Käsefondue nicht fehlen. Ich entschied mich für das Trüffel-Fondue. Die Vorfreude wuchs von Tage zu Tag. Auch wenn es eine Selbstverständlichkeit sein sollte – hier steht und fällt das Endergebnis mit der Qualität des Käses. Unsere Investition hatte sich aber gelohnt, es war das beste Käsefondue, das wir je probiert haben! Selbst mein Mann, nicht der allergrößte Käsefan, war begeistert. Das lag auch an der wunderbar harmonischen Mischung der drei Käsesorten, einer halben Flasche Weißwein, die die Sauce deutlich leichter machte, und dem i-Tüpfelchen natürlich: Trüffel-Carpaccio. Dazu gab es Ofenkartoffeln, die in ordentlich Olivenöl goldbraun gebacken werden, wobei uns persönlich unsere ganz schlichten Pellkartoffeln (nicht im Rezept) dazu besser mundeten. Auch das Fondue-Brot aus dem Beilagen-Kapitel sieht nicht nur gut aus und geht ganz simpel, es schmeckt auch vorzüglich.

Wir probierten danach noch weitere Rezepte und das geschmackliche Erlebnis stimmte fast immer. Zugegeben: Am wenigsten reizte mich das Kapitel Crossover. Es zeugt von Kreativität (Pizza-Fondue und „Bayerisches“ Jausenschmankerl-Fondue, bei dem Brezen-Happen und Weißwürste (!) in Käse getunkt werden), aber es funkte bei mir nicht. Das ist wohl Geschmackssache.

Silvester kann kommen! Und dieses Mal, weil es ja anlässlich der Corona-Pandemie so ganz anders sein wird, versorgt uns „Voulez-vous Fondue avec moi?“ mit herrlichen Fondue-Ideen. Meine kulinarische Reise rund um den Topf hat begonnen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2020

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