Kochbuch von Sarah Britton: Einfach gut essen

Kochbuch von Sarah Britton: Einfach gut essen ★★☆☆☆

Einfach gut essen – Sarah Brittons schnelle
vegetarische Gerichte für jeden Tag
Sarah Britton
Knesebeck Verlag (2017)

Julia Eckl-Dorna

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Sarah Britton verspricht in ihrem Kochbuch „Einfach gut essen“ schnelle vegetarische Küche für jeden Tag. Mit Begeisterung stürze ich mich ins Kochen und stelle leider rasch fest: Die geschmackliche Vielschichtigkeit, die einem in anderen vegetarischen Kochbüchern geboten wird, vermisst man hier. Und mit jedem Rezept gewinne ich den Eindruck, dass dieses Kochbuch weniger für den „Teilzeitvegetarier“ wie mich als eher für die Zielgruppe Vegetarier mit Hang zur veganen Vollkosternährung verfasst ist.

Sarah Britton präsentiert in ihrem Kochbuch eine Rezeptsammlung, die ihrem seit 2007 betriebenen Blog für ganzheitliche Ernährung entstammt. Es ist eigentlich mehr als nur ein Koch-Blog – das Angebot auf ihrer Website umfasst Videoserien zu den Grundlagen gesunder Ernährung, Coaching sowie das Angebot für gemeinsame Reisen mit Mediation, Yoga und Kochen. Britton hat ihre Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin in Toronto gemacht und beschreibt sich selbst als nicht dogmatisch (sie isst immerhin alle paar Wochen auch mal ein Milchprodukt und einmal im Jahr vielleicht einen Fisch).

Der einfache Kohl, der inspirierte

In der Einleitung beschreibt Sarah Britton (Foto links) zunächst, wie sie einen einfachen Kohl mit wenigen Zutaten zubereitete und ihn so zum Erstrahlen brachte. Dementsprechend ist es das Ziel ihres Kochbuchs, zu zeigen, dass man auch mit wenig Geld unter der Woche gut essen kann – dafür möchte Britton originelle Rezepte für den Alltag schaffen.

Das Buch ist in Suppen, Salate, Hauptgerichte, Beilagen und kleine Gerichte sowie salzige und süße Snacks gegliedert. Was schon beim ersten Durchblättern auffällt ist, dass Milchprodukte wie Joghurt und Käse sehr sparsam eingesetzt werden (selbst beim Risotto kocht sie nur die Rinde des Pecorino mit). Dieser Hang zum Veganen macht sich dann auch beim Nachkochen der Rezepte bemerkbar.

Von Kürbis-Salbei-Risotto aus dem Ofen bis zu Quinoa-Mais-Muffins

Als Erstes probierte ich das „Kürbis-Salbei-Risotto aus dem Backofen“ und wir waren begeistert. Auch wenn ich es mit weißem anstatt des angegebenen braunen Rundkornreises zubereitet habe (braunen Rundkornreis konnte ich beim besten Willen nicht auftreiben), so gab die Zubereitung im Ofen – die ich bisher für Risotto nicht kannte – dem Kürbis einen viel stärkeren, süßlichen Eigengeschmack. Mit dem Salbei gemeinsam ein sehr ausgewogenes Risotto, das auch ohne zusätzlichen Parmesan oder Butter sehr gut schmeckte.

Leider kam keines der weiteren ausprobierten Rezepte auch nur annähernd an dieses erste Geschmackserlebnis heran. Die nordafrikanische Tomatensuppe war schlichtweg überwürzt und die Einlagen aus Kichererbsen, Couscous, Oliven und Zitronenschalen waren zu viel des Guten. Der Tiefpunkt (und damit auch Endpunkt, da meine Familie in Streik trat) war das fad schmeckende Linsensprossenchili mit Quinoa-Mais-Muffins, die bereits am ersten Tag sehr trocken und am nächsten Tag kaum essbar waren.

Folgender Eindruck bleibt bei mir nach dem Ausprobieren verschiedener Rezepte bestehen: Auch wenn viele Titel wie „Fantastische Falafel-Waffeln“ , „Pfiffige Pastinakensuppe aus dem Ofen“ oder „Weiße Knoblauchsuppe“ dem Titel des Buches entsprechend vielversprechend-vegetarisch klingen, verbergen sich dahinter doch sehr häufig Zutaten, die mehr der veganen und der Vollkostküche zuzuordnen sind. So werden bei der „Weißen Knoblauchsuppe“ zum Beispiel pflanzliche Milch nach Wahl und Kokosöl verwendet. Generell sind die Portionsgrößen in diesem Kochbuch übrigens durchaus großzügig bemessen. Wir wären meist mit ein Drittel bis Hälfte weniger auch ausgekommen.

Es schmeckt „zu gesund“

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Man sieht auf jeder Seite die Begeisterung der Autorin, dem Leser ihren „ganzheitlichen“ Ernährungsansatz näherzubringen. Das erinnerte mich ein wenig an die 80er-Jahre, als meine Mutter ein Vollwertkochbuch erstand und uns kurze Zeit damit zu beglücken versuchte. Natürlich ist Brittons Buch weitaus weniger dogmatisch und innovativer – die durchwegs frischen Zutaten sowie die Zugabe von Gewürzen und Kräutern der arabischen und asiatischen Küchen grenzen es deutlich von diversen Kindheitstraumata der Vollkorn-Rohkost-Breie ab. Aber dennoch gilt damals wie heute: Wenn man nicht ein absoluter Anhänger dieser Bewegung ist, schmeckt es einfach zu gesund und fad. Schade!

Sarah Britton gelingt es leider nicht, ihren Ansatz für eine vollwertige vegetarische Ernährung auch geschmacklich überzeugend umzusetzen – bei den meisten Rezepten bleibt der Geschmack zugunsten des Gesundheitsfaktors etwas auf der Strecke.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2018

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