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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 29, 2017

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Kochbuch von Salma Hage: Orient – köstlich vegetarisch ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Salma Hage: Orient – köstlich vegetarisch
Rezension

Orient – köstlich vegetarisch
Salma Hage
Fotos Liz & Max Haarala Hamilton
Edel Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Christiane Schwert Von

Als ich noch in Neukölln lebte, war der Orient so nah. Manouche und Falafel, Foul und Hummus gab es dort in bester Qualität und take-away direkt vor der Haustür. Doch mit dem neuen Kochbuch von Salma Hage bin ich in der orientalischen Diaspora zur veritablen Selbstversorgerin geworden!

Salma Hage hat bereits ein Kochbuch veröffentlicht, das man wohl als ein Standardwerk der libanesischen Küche bezeichnen kann. Zumindest scheint sie sich in der etablierten Food-Welt einen Namen gemacht zu haben: Eingeleitet wird das aktuelle Buch nämlich durch Alain Ducasse! Das lässt die sympathische Autorin aber nicht abheben. Im Gegenteil: In ihrem Vorwort berichtet sie von ihrer sehr bodenständigen education culinaire. Schon als Kind und junge Frau hat sie das Kochen von ihrer Mutter bzw. Großmutter gelernt. Als Älteste von zwölf Kindern blieb ihr gar nichts anderes übrig. Sie erzählt vom Dorfleben und den (vegetarischen) Essgewohnheiten ihrer Kindheit. Und dass auch einfache Gerichte wie Bohnen mit Zwiebeln und Knoblauch als vollständiges Gericht galten und himmlisch schmeckten. Das hat etwas sehr Wahrhaftiges und bedient zugleich den Zeitgeist moderner Großstädter: Zurück zur Einfachheit!

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Kochen für die erste Generation Vegetarier

Essen und Familie gehören für Salma Hage (links ein Foto) eng zusammen. So ist es nur natürlich, dass der Impuls für das aktuelle Kochbuch auch aus der Familie kam: Ihr Sohn und ihr Enkel sind Vegetarier. Und da sie beide dennoch bekochen wollte, musste sie umdenken. In ihrem Buch hat sie sich auf libanesische Gerichte besonnen, die schon von jeher vegetarisch bzw. vegan waren. Oder sie hat traditionelle Fleischgerichte angepasst.

Kaum hielt ich das neue Kochbuch in den Händen war auch schon ein halbes Blöckchen mit Post-its in den Rubriken Getränke, Frühstück, Dips und Mezze, Salate, Gemüse, Hülsenfrüchte & Co. und Desserts verschwunden. Alles liest sich ansprechend und sieht so appetitlich aus! Und vor meinem inneren Auge tauchte bereits die mit verschiedenen Speisen reich gedeckte Tafel auf.

Vor den Rezepten findet sich ein vierseitiges Glossar, in dem die wichtigsten Grundzutaten oder Bestandteile erwähnt werden. Das ist hilfreich und könnte sogar noch mehr Tiefgang haben. Beinahe alle Rezepte sind schön und unaufgeregt bebildert, eben auch irgendwie bodenständig, wie die Autorin selbst. Auch das beliebte Lesebändchen fehlt nicht. Vegane Rezepte oder glutenfreie Varianten sind extra gekennzeichnet. Toll finde ich die Anleitungen für die Herstellung der Grundrezepte: Tahini, Laban, Zatar, Baharat oder Tomatenpüree kann man zwar kaufen, selbstgemacht schmecken sie aber einfach besser.

Der erste Einkauf: Gewürze

Gleich am nächsten Tag bin ich also losgezogen, um die sieben Gewürze für Baharat zu kaufen: Piment, Pfeffer, Zimt, Nelken, Muskatnuss, Bockshornkleesamen und Ingwerpulver ergeben eine aromatisch duftende Gewürzmischung. Am Abend dann gab es Msa’aa, eine Art Gemüseauflauf. Die riesige Gemüsemenge war für meinen Geschmack allerdings nicht stark genug gewürzt. Aber mit meinem frisch angelegten Baharat-Vorrat kein Problem – ich habe einfach nachgewürzt. Das Ergebnis? Ein köstliches Gericht, das es gewiss in der kommenden kühlen Saison noch häufiger geben wird!

kochbuch-salma-hage-orient-inside

Die nötigen Zutaten sind im wohlsortierten (türkischen) Supermarkt schnell besorgt, denn im Wesentlichen sind das Zwiebeln und Knoblauch, Baharat, Zatar und Cumin, glatte Petersilie, ab und an Minze und Koriander. Und da liegt auch ein kleiner Kritikpunkt bzw. da wurde meine Erwartungshaltung nicht ganz bedient: Die Aromenvielfalt hatte ich mir irgendwie noch umfangreicher bzw. exotischer vorgestellt.

Perfekt für das Kochen an Wochentagen

Das Nachkochen quer durch die Kapitel ging mir leicht und schnell von der Hand, oft auch noch nach einem späten Feierabend. Ich habe selten aus einem Buch in so kurzer Zeit so viel gekocht. Dabei handelt es sich gar nicht um wahnsinnig opulente, aufwendige Gerichte, sondern beinahe um eine Art Alltagsküche. Manchmal habe ich sogar mehrere kleine Speisen für einen Abend zubereitet. Das Schöne ist, dass alles irgendwie zusammenpasst und die köstlichen Ergebnisse zum Weiterkochen animieren.

Und vieles steht noch auf der Nachkochliste: Klassiker wie Fattoush und Kibbeh, außerdem Linsen-Bulgur-M’Juderah, denn dies ist das erste Gericht, das Salma Hage als junges Mädchen selbst gekocht hat. Nur das Dessert-Kapitel habe ich bisher ausgelassen, aber das Erdbeer-Rosen-Sorbet steht auf der Nachkochliste und auch die Granatapfel-Joghurt-Ice-Pops sehen nach Spaß aus.

Salma Hages vegetarischer Orient ist ein Sternchen, das wohl in meiner Küche bleiben wird. Mit Suppen und Ofengerichten bringt sie Wärme und Farbe in die kühle Jahreszeit, die köstlichen Salate und Dips bereichern den Sommer! Eine tolle, alltagstaugliche Rezeptsammlung.

Merken

Nachgekochte Rezepte:

Karottensalat mit Koriander und Sesam
Nur wenige Zutaten und doch ein Kracher. Die Karotten werden einfach mit Salz und Olivenöl im Ofen geröstet. Dann Koriander und Sesam unterheben und abschmecken, lecker! Allerdings waren die Karotten nach der angegebenen Zeit noch nicht gebräunt.

Baba Ganoush
Ich liebe Auberginen, Baba Ganoush ist also genau mein Ding. Bloß habe ich es entgegen der Anweisungen noch püriert, denn nur durch Kleinschneiden der Aubergine war es mir nicht fein genug.

Klassischer Humus
Ein Rezept, das in einem Kochbuch der orientalischen Küche nicht fehlen darf! Eine leckere, schnelle Variante, die ich immer essen könnte!

Gurken-Minze-Salat mit Joghurtdressing
Und wieder einmal sind die einfachen die guten Dinge. Die kleinen Gurken sind so herrlich knackig, dass der ganze Salat in Kombination mit der Minze ein echter Frischekick ist. Dadurch, dass nur recht wenig Joghurt genommen wird, ist der Salat glücklicherweise auch nicht so suppig.

Baharat
Das ist eine klassische Gewürzmischung der orientalischen Küche, die es zwar auch als Fertigmischung zu kaufen gibt, aber dann eben nicht in der gleichen Zusammensetzung. Drum habe ich die nötigen sieben Gewürze gekauft und selbst gemischt.

Libanesischer Eistee mit Orangenblütenwasser
Im Sommer mache ich oft aus Limettensaft und braunem Zucker einen Sirup, der als Grundlage für Limonade dient. Der Libanesische Eistee ist eine gute Alternative. Durch den Ansatz mit Schwarztee bekommt er mehr geschmackliche Tiefe, auch mochte ich den Geschmack des Orangenblütenwassers. Allerdings habe ich die Honigmenge verdoppelt, ein Löffel war einfach zu wenig beim Saft von zwei Zitronen.

Grüne-Erbsen-Suppe
Ich habe ewig keine Erbsen-Suppe gemacht. Irgendwie kommt sie mir nie in den Sinn. Diese hier mit reichlich Knoblauch und Zitrone war aber ein Revival wert!

Kichererbsen-Freekeh-Salat
Lauter Zutaten, die ich mag, und dennoch vermochte der Salat nicht recht zu überzeugen. Die Kombination von Freekeh und Kichererbsen geriet etwas zu trocken, auch hätte ich mir noch eine andere Würzung (außer Knoblauch und Kräuter) vorstellen können. An den Salat schloss sich außerdem ein Zahnarztbesuch an, im Freekeh befand sich ein sandfarbener Stein …

Manouche-Brote
Schon in der Zubereitung fand ich den Teig recht kompakt und nach der angegebenen Backzeit waren die Brote weder braun noch knusprig. Auch nach längerer Backzeit haben sie mich nicht recht überzeugt.

Geschrieben im Februar 2017