Kochbuch von Sally Butcher: Veggiestan – Der Zauber der orientalischen Gemüseküche

Kochbuch von Sally Butcher: Veggiestan – Der Zauber der orientalischen Gemüseküche ★★★★★

Veggiestan – Der Zauber der orientalischen Gemüseküche
Sally Butcher, Christian Verlag (2012)
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Dietmar Adam

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Sesam öffnet sich!

Veggiestan, wo liegt das denn? Nein, das ist kein neuer Staat im Nahen Osten, sondern eine Erfindung der Autorin für die vegetarische Küche der Region zwischen Mittelmeer und Indien. Eine Region, die es verdient, von Genussmenschen entdeckt zu werden. Sally Butchers Buch wurde dabei für mich zu einem begeisternden Sesam öffne dich.

Taboulé, Hummus und Falafel sind schon lange keine Fremdwörter mehr in meiner Küche, ja sogar den Imam habe ich schon öfter in Ohnmacht fallen lassen, denn so heißt ein berühmtes türkisches Auberginengericht. Gespannt war ich, was neben solchen Klassikern auf dem Speisezettel landen würde.

Doch bevor wir uns dem Inhalt nähern, fällt schon einmal der farbenfrohe mosaikartige Einband auf, dessen schwarze Rechtecke mit einem die Haut schmeichelnden Samt überzogen sind. Also kein popliges Plastik, das noch jüngst bei Ottolenghis „Genussvoll vegetarisch“ für Kontroversen sorgte. Aber es lag sicherlich nicht an diesem special effect, dass ich mich schnell mit dem Buch angefreundet habe. Schon in der Einleitung lernt man Sally Butcher als eine sympathische, kenntnisreiche und amüsant parlierende Frau kennen, die „ein besseres Verhältnis zu Gemüse als zu manchen Menschen“ hat und mit ihrem iranischen Mann in London einen Laden („Persepolis“) betreibt.

Dann kommen die Rezepte und die haben mich beim Weiterblättern zunehmend begeistert. Die Einmerker für die potenziellen Nachkochkandidaten häuften sich so sehr, dass ich befürchtete den Überblick zu verlieren. Aber es sind nicht nur die Speisen, die ungeahnte Genüsse versprechen, und die sie begleitenden stimmungsvollen Fotos. Selbst wenn man aus mir unbegreiflichen Gründen nicht sofort mit dem Buch in die Küche rennt, lohnt die Lektüre, denn allein die Einleitungen, Zwischentexte, Kommentare, ja sogar Märchen enthalten unendlich viel, nicht selten humorvoll präsentiertes Wissen.

Jetzt aber genug des Schwadronierens und hemmungslosen Lobpreisens. Bei den nach Themen wie „Brot und Teigwaren“, „Hülsenfrüchte“ und „Eingelegtes, Eingemachtes und Würzsaucen“ untergliederten Rezepten tauchen natürlich auch jene Klassiker auf, die ich schon genannt habe. Aber selbst auf diesen ausgetretenen Pfaden gibt es Details, die mich überzeugt haben, etwa geröstete Kichererbsen über den Hummus zu streuen, was nicht nur für eine verbesserte Optik sorgt. Daneben tauchen dann auch Speisen auf, die zeigen, dass selbst in den hier behandelten stark von Traditionen geprägten Ländern wie überall in der Welt Essgewohnheiten im Wandel begriffen sind, dass Einflüsse aller Art aufgenommen werden. Manchmal ist dann die Herkunft eines Rezepts nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar, etwa bei der kalten Joghurtsuppe, die osteuropäisch anmutet, aber auch in Mittelasien verwurzelt scheint.

Kundig informiert Sally Butcher über feine von Land zu Land wechselnde Unterschiede in der Zubereitung mancher Gerichte. So kann der westliche Leser selbst aussuchen, für welche Variante er sich entscheidet. Ein Wort zum Schwierigkeitsgrad: im Großen und Ganzen einfach, selbst wenn man berücksichtigt, dass man bestimmt einige Zutaten braucht, die erst besorgt werden müssen und mit denen man nicht vertraut ist. Aber keine Angst, alles Exotische wird ausgiebig erklärt, auch der Unterschied zwischen Tahin und Tahini. Nur ganz selten stieß ich auf Rezepte, die mich vor Probleme gestellt haben. So habe ich mich an das afghanische Seiden-Kebab, bei dem man seine Hand in verquirltes Ei tauchen soll, von wo dann die Flüssigkeit in heißes Fett geträufelt wird, aus Angst vor Verbrennungen dritten Grades nicht herangetraut.

Ansonsten war ich mit den Ergebnissen meiner Nachkochorgien mehr als zufrieden. „Veggiestan“ dürfte vielen Hobbyköchen, Anfängern wie versierten, Freude bereiten. Ein edles Cover, ein ansprechendes Layout, kundige, unterhaltsame und amüsante Texte, exotische Rezepte, die Lust zum Nachkochen machen, unendlich viele Anregungen und Tipps, eine hilfreiche Warenkunde, kurzum vieles, um überzeugte Gemüseesser oder Teilzeitvegetarier wie mich glücklich zu machen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2012

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