Kochbuch von Sally Butcher: Salmagundi

Kochbuch von Sally Butcher: Salmagundi ★★★★★

Salmagundi –
Salads from the middle east and beyond

Sally Butcher, Fotos Yuki Sugiura
Pavilion (2014)

Sabine Cikic

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Salmagundi – die wenigsten von uns dürften dieses Wort schon einmal gehört haben. Aber klingt es nicht vielversprechend, so melodisch und exotisch? Ja, mit so einem Wort wollen wir ein Salat-Buch verpackt bekommen!

In ihrem Shop in London habe ich mich mit Zutaten eingedeckt und bin ihr begegnet, der Frau mit den flammend roten Haaren (und habe – puh – als Kundin erfreulicherweise alles richtig gemacht. Schauen Sie sich das Video an, dann wissen Sie, was ich meine!). Ein großartiges Einkaufserlebnis, denn sie verwickelt einen sofort in ein Gespräch, erklärt, wie man diese oder jene Zutat zubereiten muss und ist auch sonst ganz interessiert, wer man so ist. Ich habe trotzdem entschieden, mich „nur“ als Touristin auszugeben, vielleicht schnacke ich das nächste Mal ausführlich mit ihr darüber, wie großartig ich ihre Bücher finde und dass es kaum zu fassen ist, dass sie sie so „nebenbei“ schreibt.

Sally Butcher ist bei Valentinas längst keine Unbekannte mehr. Wir waren begeistert von Veggiestan und Snackistan, nun widmet sie sich also Salaten aus Nahost (und, wie wir es von ihr kennen, auch anderen Regionen dieser Welt). Aber zunächst zu „Salmagundi“: Sally lüftet das Geheimnis gleich im Vorwort. Es handelt sich um einen Begriff, der im England des 17. Jahrhunderts geprägt wurde und Salatgerichte bezeichnet, die nicht nur aus Grünzeugs, sondern „well, everything“ bestehen. Und damit lesen Sie bitte weiter, denn Sally kennt unsere Gedanken und Ängste. Salat? Als Abendessen? Im Winter? Und was gibt es noch?

kochbuch-salmagundi-butcher-insideIn 14 Kapiteln werden wir entführt auf eine wilde Reise. Salate mit Fleisch oder Fisch, Hülsenfrüchten, Wurzelgemüse oder Obst. Dressings für die auch schon mal Camembert geschmolzen oder Avocados püriert werden. Für manch ein Rezept ist ein ausführlicher Einkauf auch in speziellen Läden notwendig, für viele Rezepte aber auch nicht. Mir gefällt, dass die Rezepte für ganz unterschiedliche Personenzahlen ausgelegt sind. Manche sind als Beilagensalate gedacht, manche als Hauptmahlzeit, andere als Dessert, hier und da „a shopkeeper’s lunch for 1“. Das macht Sinn – und das Buch zu einem Quell an Möglichkeiten für jede Gelegenheit.

Wie bei ihren anderen Büchern auch fällt es schwer sich zu entscheiden, worin eigentlich der größere Genuss liegt: im Lesen der vielen Anekdoten und Tipps, die jedes Rezept ergänzen (hier übertrifft Sally Butcher einen Ottolenghi bei weitem), oder im Schmausen der nachgekochten Rezepte, mit denen sie sich keineswegs hinter zuvor genanntem verstecken muss. Mit einer virtuosen Selbstverständlichkeit bewegt sie sich innerhalb der verschiedensten Länderküchen, pickt sich hier und da die Zutaten raus, wie sie sie eben braucht, um ein „rundes“ Ergebnis zu erzielen. Resultat für uns LeserInnen: viel Freude beim Nachkochen, ganz neue Geschmackserlebnisse und mehr Neugier und Mut für die nächsten eigenen Kochexperimente.

Die Rezepte sind durchaus nicht immer unaufwendig. So manches Mal, wenn ich abends müde in der Küche stand und mich zunächst verflucht habe ob meiner Auswahl, war es doch jedes Mal so, dass das Ergebnis für die Mühe gelohnt hat und der Stress und die Müdigkeit während des Kochvorgangs irgendwohin entschwunden waren. Die Düfte, die Farben, das neue Erlebnis, oder auch nur das wohlige Gefühl im Magen haben mich daran erinnert, dass auch im Alltag eine spannende, abwechslungsreiche Kocherei nicht auf der Strecke bleiben sollte.

Ein Buch für Entdecker! Ob ungewohnte Genüsse (Rosenkohl – roh!), unbekannte Zutaten (Frreekeh?!), oder ungewöhnliche Kombinationen (rote Bete und Ananas!) – vernachlässigte oder kaum noch zu begeisternde Geschmacksknopsen kommen bei Salmagundi voll auf ihre Kosten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2015

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