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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | September 24, 2017

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Kochbuch von Sabrina Ghayour: Scirocco ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Sabrina Ghayour: Scirocco
Rezension

Scirocco – Die neue kreative Küche
aus dem Orient
Sabrina Ghayour
Fotos Haarala Hamilton
Hölker Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Isabel Geigenberger Von

Eine farbenreiche Sammlung orientalisch inspirierter Rezepte von Sabrina Ghayour, die mit ihrem Erstling „Persiana“ schon viel Erfolg hatte. Von Mezze, Brunch, Salaten, Hauptgerichten oder Desserts bietet dieses praxisorientierte Kochbuch viele Anregungen und ermuntert zur freien Adaption.

Ein bunter, glänzender Farbenwirbel auf dem Cover, ein Titel, der den Odem von Wüste und fremden Gewürzen verspricht, wunderbare Fotos und eine einfallsreiche und leserfreundliche Gestaltung: ja, so sieht das zweite Buch von Sabrina Ghayour aus.

Ihr Erstling „Persiana“ war meiner lieben Kollegin Begeisterungsstürme und 5 Sterne wert und auch sonst ernteten Werk und Autorin viel Lob. Die Quereinsteigerin und Bloggerin Sabrina Ghayour lebt mittlerweile von Catering, Supper Clubs, Kochkursen und natürlich den Kochbüchern. Sympathisch und mit den Realitäten der Alltagsküche vertraut tritt sie uns auch in Scirocco entgegen.

So ermuntert die Autorin (Foto links) uns in der Einleitung, auch mal ein oder zwei Zutaten zu ersetzen und dem Rezept nicht sklavisch zu folgen. Auf vier Seiten stellt sie uns ihre Vorratskammer vor – wobei, das nehme ich ihr nicht ab, ihre Vorratskammer ist sicher deutlich umfangreicher. Ich verstehe aber, dass sie uns nicht überfordern will.

Hier stolpere ich auch ein bisschen: Fast kann ich gar nicht glauben, dass ich kein Rezept für Za’atar oder Baharat finde. Diese Gewürzmischungen werden doch in recht unterschiedlichen Kombinationen zubereitet. Kann es sein, dass Frau Ghayour uns bei diesen wichtigen Geschmäckern dem Wind des Zufalls überlassen will? Das finde ich bedauerlich, ist aber wohl dem Impetus des Buches zuzuschreiben. Es ist eben keine Länderküche, sondern eine orientalisch und europäische inspirierte Cuisine. So bleibt der Endgeschmack eines Rezepts auch etwas dem Zufall überlassen, je nachdem, bei welchem Einzelhändler oder auf welcher Webseite wir eben diese Gewürzmischungen erwerben.

Die Rezepte werden uns in fünf Kapiteln vorgestellt: „Frühstück & Brunch“, „Mezze & Co.“, „Salate & Beilagen“, „Hauptgerichte“ und „Kuchen und Desserts“. Farbige Unterlagen, übersichtliche Seitengestaltung und appetitliche Fotos, die nah an der Realität bleiben sorgen für Spaß beim Blättern. So stöbere ich mich durch. Allein, den Nachkoch-Enthusiasmus meiner Kollegin bei „Persiana“ kann ich nicht teilen, zu viel ist mir im Grundzug schon vertraut und nur leicht abgewandelt: Rote Beete mit Joghurt, ja klar, Avocado mit Tahini, sag mir was Neues, Zucchini- oder Auberginenröllchen, damit hab ich vor drei Jahren bei meinem Geburtstagspicknick gepunktet, Melone und Feta, ja, weiß schon, gute Kombi, ob als Salat oder gegrillt.

Probleme eines Kochbuch-Snobs

Ähm, bin ich irgendwie ein verwöhnter Kochbuch-Snob oder haben wir es mit einem klassischen Fall von „nach dem ersten Hit muss schnell was Neues raus“ zu tun, auch wenn vielleicht nicht mehr soo viel Inhalt da war? Na, die Wahrheit liegt wohl woanders: Sabrina Ghayour hat uns ein weiteres solides orientalisches, nicht persisches (das war auch das erste Buch nicht wirklich) Kochbuch geschenkt, das sehr schön gestaltet ist und viele Anregungen bietet. Für meinen Geschmack sind die Rezepte etwas zu zimtlastig (aber das kann man ja anpassen), und auch dem Einsatz von Dill in den meisten Gerichten konnten wir nicht so viel abgewinnen. Und die Kombination Dill-Zimt, brrr, muss nicht sein.

Aber nach den tollen Büchern von Yotam Ottolenghi und Sally Butcher und der Erweiterung der Restaurantküchen um orientalische Genüsse ist eben bereits vieles bekannt. So bleibt die große Überraschung aus, der Fokus liegt auf den jeweiligen Rezepten, und da sind die meisten einfach nur gut bis ok. Eben nicht sensationell. Aber ich habe dann doch noch genügend Spannendes zum Ausprobieren gefunden. Da warten z. B. noch der Oktopus vom Grill, der karamellisierte Fenchel und die Schoko-Pistazien-Cookies.

Noch ein paar Randnotizen: Den Gebrauch von Knoblauchpulver lehne ich nach meinen Erfahrungen grundsätzlich ab, muss das sein, Frau Ghayour? Ein Rezept für Salzzitronen hätte gut getan, findet man aber auch bei uns: (https://valentinas-kochbuch.de/rezept-von-alain-ducasse-und-paule-neyrat-eingelegte-salz-zitronen/). Sehr große Freude hatten wir mit dem Hähnchen-Biryani Reis kann so köstlich sein! Und getrocknete Früchte und Nüsse sind ja auch so gesund!

Ein Rundum-Kochbuch für jeden Anlass, das in orientalische Geschmackswelten einführt, ohne den Ausbau der Gewürzschublade zu erfordern. Macht Freude. Zimt-Liebhabern vermutlich besonders viel.

Nachgekochte Rezepte:

Persischer Linseneintopf (Adassi)
Ganz ordentlich, aber nicht mehr. Die Würze besteht aus mittelscharfem Currypulver und Tomatenpüree. Je nachdem, auf welches Curry aus welcher Ländertradition man zurückgreift, erhält man unterschiedliche Ergebnisse.

Coleslaw auf orientalische Art
Eigentlich eine schöne Idee, die herbstlichen Gemüse nach amerikanischem Grundrezept mit einem orientalischem Kick zu versehen. Die Kombination Dill, Schwarzkümmel, Zimt, Minze und Koriander konnte uns aber nicht wirklich überzeugen.

Birnen-Toasts mit Feta und Honig
Auch hier muss ich sagen: ganz ordentlich. Wenn jemand noch nie die Kombination Käse und Obst genoss, vermutlich eine Entdeckung. Kann man auch gut zum Frühstück oder Brunch reichen.

Würziger Grünkohlsalat
Schöne Idee, die etwas harten Grünkohlblätter durch Marinieren im Dressing geschmeidiger zu gestalten. Auch hier habe ich die Zimtmenge deutlich reduziert, ist halt nicht unser Fall. Die Kombination Honig, Ingwer und Chilisoße mit Zitrone ist vielversprechend, dennoch schmeckte das Gesamtergebnis nur ok-gut. Vielleicht experimentiere ich da noch etwas. Ich könnte mir z. B. vorstellen, dass geröstete Nüsse besser harmonieren als pure Mandelblättchen und Sonnenblumenkerne. Und ein Ticken mehr Frucht vielleicht? 🙂

Orangen-Dattel-Salat mit Mandeln und Brunnenkresse
Brunnenkresse ist in meinem Einkaufsspektrum nur sehr, sehr selten im Angebot, daher griff ich zu zarten Spinatblättern. Leckere Sache in der winterlichen Orangen-Saison.

Geschrieben im April 2017