Kochbuch von Sabrina Ghayour: Orientalia

Kochbuch von Sabrina Ghayour: Orientalia ★★★★★

Orientalia – Neue Rezepte aus den Küchen Persiens
Sabrina Ghayour
Fotos: Kris Kirkham
Hölker Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die orientalische Küche vereint zwei außerordentlich attraktive Eigenschaften: hoher Genussfaktor bei vergleichsweise geringem Aufwand. Wenn dann auch noch das Auge mitessen darf, ist der Erfolg vorprogrammiert. Mit jeder Neuerscheinung wächst allerdings auch die Gefahr der Übersättigung: Ist das Thema nicht irgendwann mal erschöpft – muss dieses Buch wirklich auch noch sein?

Die Antwort will ich gleich vorwegnehmen: Ja, unbedingt!

Sabrina Ghayour ist keine Unbekannte. Von Haus aus Autodidaktin, hat sie sich als Autorin, Bloggerin, TV-Köchin und Kochlehrerin einen Namen gemacht und insbesondere als Fachfrau für persische Küche etabliert. Orientalia ist ihr drittes Buch. Persiana hatte Valentinas Annick bezaubert, Scirocco hatte Isabel nicht ganz so ungeteilt begeistert. Beide Bücher waren als reine Rezeptsammlungen konzipiert, und auch Orientalia bleibt dieser Linie treu: Die Rezepte stehen im Vordergrund, geradlinig und kurz beschrieben, begleitet von äußerst attraktiven Foodfotos, dazu hier und da ein Tipp, ein paar Menüvorschläge – fertig.

Feste feiern

Die englische Originalausgabe ist unter dem Titel „Feasts“ erschienen, und so leiten die Kapitelüberschriften von „Frühstück & Brunch“ und „Wochenendschmaus“ über „Schnelle Festessen“, „Vegetarische Festessen“ und „Sommerfeste“ bis „Leichte Festessen“ und „Besondere Anlässe“ einmal quer durch die kleinen und größeren Anlässe zum Bewirten und gemeinsamen Essen. Das letzte Kapitel „Essen für die Seele“ hatte ich zunächst gedanklich als Ausreißer markiert, aber eigentlich reiht es sich doch ganz charmant ein, nicht wahr?

Zurück zu den Fotos: Sabrina Ghayour (Bildlinks) liebt es, kontrastreiche Farben zu komponieren; wenn nicht bereits die Hauptzutaten ihrer Gerichte um die Wette leuchten, setzt sie üppige Akzente aus grünen Kräutern, gelben Zitronen und roten Granatapfelkernen. Zusätzlich wurden die Fotos auffallend kontrastreich und farbintensiv gestaltet. Für meinen Geschmack ist dies eher das berühmte Pfefferminzplätzchen zu viel des Guten – Geschmacksache.

Der mundwässernden Wirkung dieser Fotos kann ich mich auf den ersten Blick natürlich trotzdem kaum entziehen, und die Klebezettel fliegen nur so auf die Seiten. Mir kommt entgegen, dass Sabrina Ghayours Handschrift stark durch die Mezze-Kultur geprägt ist: Es gibt eine bunte Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten quer durch das gesamte Buch, die Rezepturen gutmütig und geduldig, die Mengen variabel – ohne größere Planungen und Verrenkungen kann ich aus dem Vollen schöpfen.

Mezze goes international

Sabrina Ghayour war nie eine besonders dogmatische Vertreterin der persischen Küche – bei Orientalia spannt sie den Bogen nun noch mal deutlich weiter. Persische Einflüsse blitzen hier und da auf, ihr „Mezze-Stil“ ist natürlich orientalisch geprägt, aber ansonsten gibt es alles, was gefällt. So finden sich zwischen Pistazien, Granatapfelkernen, Tamarinde, Aprikosen und Kardamom auch zwanglos Räuchermakrele mit Quinoasalat oder eine in Bier geschmorte Schweineschulter, südostasiatischer Grapefruitsalat oder italienische Burrata. Einem Mezze-Fan kann dies nur recht sein, aber warum für die deutsche Ausgabe der Titel Orientalia gewählt wurde, auch noch mit „Neue Rezepte aus der Küche Persiens“ ergänzt, ist mir ein Rätsel.

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Und das Nachkochen? Traumhaft – ich kann es nicht anders sagen. Vielleicht lag es daran, dass wir gerade so viel Lust auf schnelle, bunte, frische, unkomplizierte Küche hatten, und da war dies das genau richtige Buch. Mit zum Teil lächerlich geringem Aufwand haben wir geschwelgt und genossen. Alles hat geschmeckt, und ein paar kleine köstliche Überraschungen waren auch dabei. Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Kombination aus Buttermilch und Tomaten begeistern könnte, mein Lieblings-Mittester schwärmt immer noch von der Burrata, die Pimientos sind schon ins Repertoire übergegangen – was will man mehr?
So, meine Rezension ist jetzt fertig, aber mit dem Buch bin ich es noch lange nicht.

So viele Farben … ein Rausch wie aus Tausendundeine Nacht, und die kulinarische Handschrift steht dem optischen Farbrausch kaum nach: Die Aromen buhlen um die Wette um Aufmerksamkeit. Nein, Subtilität und Understatement sind nicht Sabrina Ghayours Stil. Das sei ihr aber verziehen, denn die Rezepte lassen wirklich keine Wünsche offen: geradlinig, gelingsicher und fast immer ein bisschen überraschend, im allerbesten Sinne.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2018

5 Kommentare

  1. Elisabeth

    ein schönes Buch, wie die anderen auch, keine Frage. Ich mag ihre Rezepte sehr und sie sind alle kochbar, aber, sie ist keine innovative Köchin!
    Aber alles prima und ihre Reis-Rezepte sind supergut!

    • Katharina

      Dank Dir für die Zeilen. Werde sogleich in meinem Exemplar diese nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Kennst Du eigentlich reishunger.de – den Reis-Versand? Hier bestelle ich nur. Wirkliche exquisite Qualität. Weiter viel Freude!

      • Elisabeth

        Ja klar :-), da fällt mir ein wunderbares Rezept für einen Salat mit schwarzem Reis ein – ich schau mal!

  2. Ingrid

    Genau, liebe Katja,

    gelingsicher und fast immer ein bisschen überraschend sind die Rezepte! Ich bin sehr angetan!
    Habe mir allerdings die (deutlich, deutlich preiswertere) englische Version heruntergeladen und komme gut zurecht. Da, wie Du selbst schreibst, der Aufwand in den meisten Fällen tatsächlich überschaubar ist, keine besonderen Kochfertigkeiten verlangt sind und auch die Zutaten meistens kein Problem darstellen, kann man sich mit ein bisschen Planung durchaus daran machen, ein komplettes Menü nachzukochen. Für meinen ersten Versuch habe ich fünf Komponenten probiert und das Ergebnis war super.
    Und der „Korianderreis mit Limette“ ist der Hammer! Vielleicht liegt es ja an den 75 g Butter, die dran gehören….
    Also, lieben Dank für die Empfehlung und fröhliches Nachkochen!
    Gritt
    PS: In der engl. Version soll man Joghurt, Senf, Öl etc. zum geraspelten Sellerie geben und gut verrühren – die Beschreibung war also eindeutig 😊. Hat uns gut geschmeckt; wir mögen aber auch Kümmel, der neuerdings ja kaum noch vorkommt in den Rezepten….

    • Katja

      Dank Dir,
      liebe Ingrid, für die netten Worte! Guter Tipp, der Korianderreis, das baue ich Weihnachten mit ein!

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