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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | August 23, 2017

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Kochbuch von Sabrina Fauda-Rôle: 80 überraschende Rezepte aufs Brot ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Sabrina Fauda-Rôle: 80 überraschende Rezepte aufs Brot
Rezension

Take Eat Easy – 80 überraschende
Rezepte aufs Brot
Sabrina Fauda-Rôle
Fotos Akiko Ida
Neuer Umschau Buchverlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Maria Kufeld Von

Stulle, Brot, Sandwich – nennt es, wie ihr wollt. Dieses Buch zeigt euch, dass in Sachen kreatives Belegen einiges möglich ist. Das Buch von Sabrina Fauda-Rôle verspricht überraschende Rezepte aufs Brot, die „im Handumdrehen zubereitet“ sind und garantiert keine Langeweile aufkommen lassen.

Ich möchte behaupten, ich bin beim Brotebelegen schon recht kreativ und gehe von Natur aus weiter als die typische, essbare Salatblatt-, Gurken-, Tomatendekoraktion zu Käse und/oder Wurst. Bei mir kommen immer schon gern noch ein bisschen Meerrettich, Remoulade oder Feigensenf zum Einsatz. Und Butter ist auch so eine klassische, öde Grundlage, die ich lieber durch Pasten und Käsiges wie Ricotta ersetze. Was also bringt mir eine Französin bei dem Thema Neues bei?

Eine ganze Menge! Das Buch von Sabrina Fauda-Rôle gestaltet die schlichte Stulle scheibchenweise spannend. Und das bei einem Thema, bei dem man denken könnte, es gäbe keine interessanten Ansätze, außer vielleicht den neuen Klassiker schlechthin: Avocadotoast mit pochiertem Ei.

Den erspart Fauda-Rôle uns netterweise und langweilt auch nicht mit einem Croque Monsieur oder einem French Toast. Nein, ihre Kreationen zeichnen sich durchweg durch französische Raffinesse aus, die ihresgleichen sucht. Ich wäre nie darauf gekommen, Tahin anstelle von Butter zu nehmen. Eine richtig gute Idee übrigens. Genauso wie die Scheibe Braten auf Puy-Linsen-Püree und Senf, die ein absolut stimmiges wie überraschendes Trio ergeben.

Die Küche bleibt (meistens) kalt

Aufgeteilt sind die insgesamt 80 Rezepte in die Kapitel „Käse“, „Fleisch & Co.“, „Fisch & Co.“, „Veggie“ und „Aufstriche & Co.“ Davon bleibt bei den meisten die Küche kalt. Einzig im Käsekapitel sind relativ viele Rezepte enthalten, bei denen der Ofengrill zum Dahinschmelzen ist. Und gelegentlich wird ein Stück Fleisch oder Fisch kurz angebraten. Unabsichtlich habe ich allerdings bei allen Testrezepten auf warme Zutaten verzichtet. Schließlich kann man so die kleinen verschiedenen Schnittchen ganz in Ruhe vorbereiten und seine Gäste überraschen, ohne dass etwas kalt wird.

Saisonale Hinweise findet man bei jedem Rezept in kleinen Kullern. „Am besten von Juli bis September“ etwa, wenn frische Johannisbeeren Verwendung finden. Die Zutatenliste bleibt immer überschaubar und bis auf wenige Ausnahmen oder besagte saisonale Spezialitäten ist alles einfach zu bekommen. Rauchsalz habe ich mir extra bestellt. Eine wirklich gute Idee! Bei der Pistaziencreme und dem Schweinerilette musste ich passen – aber auch diese Rezepte hole ich nach, wenn ich im nächsten französischen Feinkostgeschäft darüber stolpere.

Weißbrot, Vollkornbrot oder Körnerbrot mit Nüssen und Trockenfrüchten

Das Buch lässt insgesamt – hier ist das Thema einfach auch dankbar – viel Platz zum Weglassen (Bsp. Koriander) oder Ersetzen (statt Stockfisch geräucherten Kabeljau). Sicherlich wird zwar immer ein bestimmtes Brot zum jeweiligen Rezept empfohlen. Das heißt aber natürlich nicht, dass es auf einem Weißbrot nicht genauso gut schmecken kann wie auf einem Vollkorn. Bei bestimmten Kreationen würde ich mich trotzdem unbedingt an die Vorlage halten. Zu perfekt stelle ich mir geschmolzenen Reblochon, Backpflaumen und Speck auf einem nussigen Körnerbrot mit Trockenfrüchten vor.

Damit einem auch garantiert bei jeder Kreation das Wasser im Mund zusammen läuft, hat die Japanerin Akiko Ida auf den Auslöser gedrückt. Ich bin schon lange Fan von „Minimiam“, einer unfassbar schönen, von ihr miterschaffenen Gourmet-Miniaturwelt in Bildern. Und auch die überraschenden Brot-Rezepte sehen auf ihrer jeweiligen Doppelseite köstlich aus. Auf den linken Seiten zeigen sich noch die einzelnen Zutaten mit Mengenangaben, rechts steht die Zubereitung mit einem Bild des gelungenen Resultats.

Gibt es also rein gar nichts zu kritisieren an den unterschiedlichsten wie interessanten Stullenrezepten? Ich muss wirklich überlegen. Manchmal fehlt eine genaue Mengenangabe, wenn zum Beispiel von „geräuchertem Makrelenfilet“ die Rede ist. Da wäre ich mir kurz unsicher, wie viel ich davon brauche, um vier Brote und ihre Esser glücklich zu machen. Und mir sind ab und an Variationen vom Brot aufgefallen, die für mich von vornherein zu trocken klingen, wie etwa roher Lachs und Avocadoscheiben. Beides stelle ich mir gleich viel stimmiger vor, würde man sie auf Frischkäse betten. Aber das Schöne an dem Buch ist ja, dass das sofort machbar ist, so man denn die Zutaten im Kühlschrank hat.

Selten so ein unkompliziertes, feines Buch in den Händen gehalten. Sabrina Fauda-Rôle verspricht nicht zu viel, wenn sie auf dem Cover „überraschende Rezepte“ in Aussicht stellt, die in Nullkommanichts gemacht sind. Zubereitungszeiten sind quasi zu ignorieren. Keineswegs dafür die fantastischen Ergebnisse, die die Rezepte liefern. Der eigene Horizont für Beläge – scheußliches Wort … – wird direkt erweitert und geht umgehend in die tägliche Küchenpraxis über. Auf dass die Brotzeit nie wieder langweilig wird!

Nachgekochte Rezepte:

Tarama, Radieschen & Kresse
„Schmeckt nach Ostsee“, hat meine Freundin gesagt. Tatsächlich sorgt die Fischrogencreme für eine ordentliche Prise Meer auf der Zunge. Kresse und Radieschen ergänzen sie perfekt. Allerdings isst man sich daran kaum satt, dafür ist die fischige Note doch zu intensiv.

Tahin, Avocado & Tofu
Den sojageküssten Räuchertofu habe ich für einen Gast weggelassen. Fand es persönlich aber extrem lecker. Und auch Tahin als Aufstrich hat überrascht und geschmacklich echt gepunktet.

Champignons & Kräutercreme
Ich weiß nicht, ob ich was falsch gemacht habe. Irgendwie war das Ergebnis eine Spur bitter und das mochte ich nicht. Einer meiner Testesser dagegen war begeistert.

Paprikakaviar
So einfach, so gut pt.2. Der Knoblauch gibt dem gerösteten Gemüse ein intensives Aroma, Basilikum und Balsamico feine Frische.

Geschrieben im Juli 2017