Kochbuch von Rose Elliot: Vegetarisch auf die Schnelle

Kochbuch von Rose Elliot: Vegetarisch auf die Schnelle ★★★☆☆

Vegetarisch auf die Schnelle
Rose Elliot, Fotos M. New, Dorling Kindersley Verlag (2013)
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Simone Brokmeier

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Tomaten, Radicchio, Fenchel – ich liebe Gemüse in all seinen Spielarten. Bevor ich mir ein Schnitzel brate, köchle ich lieber ein Curry. Vegetarier bin ich dennoch nicht. Und Vegetarisch auf die Schnelle von Rose Elliot wird das wohl auch nicht ändern …

Neben experimentierfreudigen Kochorgien am Wochenende folgen zwangsweise die vernünftigen Montage, wo weniger Aufwendiges angesagt ist. „Auf die Schnelle“ offeriert das, alle Gerichte sollten in etwa 30 Minuten auf dem Tisch stehen. Das freut mein Montags-Ich. Da die Zutaten alle als „gehackt, in Streifen geschnitten, geschält und gerieben“ angegeben sind, dürfte das allerdings bei manchen, die tatsächlich in dieser Zeitspanne essen wollen, Schweißperlen auf die Stirn treiben. Gut vorbereitet ist das Meiste aber zu schaffen.

Gleich als das Kochbuch mittags mit der Post kam, hatte ich es natürlich sogleich durchgeblättert und geprüft (einfach nur anschauen? geht als Valentina-Rezensentin nicht!!). Der hellgrüne Einband mit den lila Karotten-Silhouetten wirkt frisch und modern, die Fotos appetitlich, wenn auch nicht bahnbrechend aufregend. Leider ist nur etwa die Hälfte der Rezepte bebildert, das überrascht beim DK Verlag. Doch dann sticht mir der Radicchio alla griglia mit Tomaten-Knoblauch-Paste, Walnüssen und Parmesan in die Augen. Zutaten gescannt – alles im Haus, ab in die Küche. In tatsächlich einer halben Stunde stand der lauwarme Salat auf dem Tisch, duftete betörend nach Süden und war so lecker, dass ich ihn noch in derselben Woche als Vorspeise zu einem großen Menü wieder zubereitete.
Was ich noch nicht wusste – so grandios ging es leider nicht weiter…

Rose Elliot ist nicht nur seit ihrer Kindheit überzeugte Vegetarierin, sie kochte auch für das esoterische Zentrum, das ihre Großmutter in Großbritannien eröffnet hatte und schrieb 1967 dazu ihr erstes vegetarisches Kochbuch. Mittlerweile sind es sechzig und mit der steigenden Zahl der Auflage, wuchsen auch die Anhänger der fleischlosen Küche. Keine Frage – diese Frau lebt und liebt Vegetarismus, da wird nicht nur schnell einem Trend gefolgt. Das ist überzeugend, leider aber für mich nicht unbedingt inspirierend. Schade.

Immer wieder suchte ich in den 6 Kapiteln nach dem nächsten Abendessen und konnte mich doch nicht für eine schlichte Erbsensuppe mit Minze erwärmen oder dem Supergesunden Salat mit Quinoa, Sprossen und Beeren. Mein Genuss-Ich wollte immer irgendwie mehr oder etwas anderes. Aus der Rubrik Snacks und leichte Mahlzeiten testete ich sodann den Blumenkohl-Käse-Auflauf mit Senf, Kapern und Kirschtomaten. Mit 300 g Doppelrahm-Frischkäse und 200 g Cheddar war mir das Ganze ein wenig zu üppig, der Senf gibt eine nette Note, aber so richtig stimmig war es nicht. Ganz anders die gefüllten Paprikaschoten der Kategorie Essen für Familie & Freunde: hier ist nichts zu cremig, die zusammengewürfelte Mischung aus Artischocken, Oliven und Fetakäse verbindet sich zu keiner Einheit, die Zutaten purzeln aus der Spitzpaprika wie vorher aus dem Glas.

Fast kommt es mir vor, als sollten nicht nur die Rezepte schnell nachzukochen sein, sondern auch das Buch sei auf die Schnelle entstanden. Ein Profi, der seit seiner Kindheit fleischlos isst und nun querbeet ein paar Suppen, Salate, Eintöpfe und Desserts aus der Alltagsküche schnell niederschreibt. Bin ich selbst zu sehr schon Koch-Profi, dass mich diese Standards einfach nicht mehr reizen? Aber gerade weil ich täglich koche, suche ich Inspiration, will ich begeistert und verführt werden, will ich Neues ausprobieren. Dazu finden sich aber in den 140 Rezepten zu viele Basics. Das Rezept Vollkorn-Penne mit Brokkoli und Pesto besteht aus genau diesen drei Zutaten (plus Gewürzen). Auch beim Kartoffel-Lauch-Gratin wird das Gemüse einfach nur mir Sahne und viel Parmesan in der Form überbacken. Gähn! Von einer Vorreiterin der fleischlosen Küche hatte ich mir neue Ideen für Karotten und Co erhofft – da hilft auch das poppige Cover nicht mehr.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2013

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