Kochbuch von Roland Rauter: Einfach vegan – Die süße Küche

Kochbuch von Roland Rauter: Einfach vegan – Die süße Küche ★★☆☆☆

Einfach vegan – Die süße Küche
Roland Rauter, Schirner Verlag (2012)

Sabine Cikic

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut, und was sollte es doch für eine Geduldsprobe werden. Am Ende kapituliere ich, fünf Rezepte habe ich nachgebacken, danach war der Ofen echt aus.

Ich mag Roland Rauters Vorgängerwerk, Einfach vegan – Genussvoll durch den Tag. Nun also ein Buch mit veganen süßen Leckereien: super, dachte ich. Der erste Eindruck enttäuscht nicht, einige Vorbemerkungen zu Zutaten und Equipment, und dann geht es schon los, rund 100 Rezepte, jedes mit einem mehr oder weniger gelungenem Foto ausgestattet, betteln darum, erwählt zu werden.

Nun denn, ans Werk. Ich wähle den „Schnelle(n) Orangenkuchen“, eine liebe Freundin hat sich spontan angekündigt, alle Zutaten für den Kuchen sind im Haus. Herr Rauter empfiehlt, „organisiert ans Backen heran“ zu gehen und ja, das tue ich auch für gewöhnlich. Die Zutatenliste ist nicht sehr umfangreich, alles Notwendige schnell bereitgestellt. Aber was jetzt kommt, möchte ich fast für einen schlechten Witz halten, wenn es mich nicht einfach nur unaussprechlich wütend machen würde. Ich stehe vor vermutliche einem der einfachsten Rezepte aus dem Buch, nur noch mal zu Erinnerung. Erster Satz: „Mehl mit Backpulver und Natron versieben“. Mein Blick schweift auf die links von der Anleitung stehende Zutatenliste und sucht die Mengenangaben für Mehl und Natron. „375 g helles Weizenmehl“ steht in der 2. Zeile von oben, „1 Msp. Natron“ in der 9. Zeile. Ich bin irritiert, aber es geht weiter. „Zucker, Orangenschale, Salz und Vanillepulver unterrühren“ – 3. Zeile, 7. Zeile, 10. Zeile, 8. Zeile. Ich bin mehr als irritiert. Das kann nicht sein! Immer wieder „scanne“ ich die Liste, ob ich vielleicht irgendwelche Zutaten vergessen habe. Die Reihenfolge der Zutaten kann man nicht organisiert nennen. Die Logik hinter der Sortierung der Zutatenlisten erschließt sich mir auch nach fünf Rezepten nicht, konsequent wir hier missachtet, was sich doch als Best practice längst bewährt hat, nämlich Zutaten in der Reihenfolge ihrer Verwendung anzugeben.

So bringt mich ein wirklich simpler Rührteig an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, nicht zu fassen. Und nicht nur wegen der Zutaten. Der Teig wird auf ein mit Backpapier belegtes Backblech gegossen, nachdem aber zuvor noch ein ebenso großer nur höherer Backrahmen darauf positioniert werden sollte. Ich tue, wie mir geheißen wird und frage mich, wie hoch das bisschen Teig, was da auf dem Blech liegt, wohl aufgehen soll. Nicht sehr, wie ich 40 Minuten später weiß. Dafür darf ich jetzt noch den Backrahmen schrubben. Immer wieder wird vegane Schlagcreme verlangt. Jeder, der sich mit diesem Thema schon auseinandergesetzt hat, weiß, dass es da nur eine Marke gibt, die taugt. Dafür kann zwar Roland Rauter nichts, aber so sind Fehlversuche eben vorprogrammiert. Zum Thema Mehl wird zu Anfang des Buches eine kleine Übersicht gegeben und die Unterschiede erläutert. Dennoch nehmen die Bezeichnungen in den Zutatenlisten darauf keinen Bezug. Zwei Beispiele: Immer wieder wird „helles Weizenmehl“ verlangt, ohne dass klar ist, ob man für beste Backergebnisse wirklich nur das 405er nehmen sollte. Oder es tauchen Mehle auf, die vorne in der Einleitung nicht erwähnt werden (Dinkelmehl, Einkornmehl, z.B.).

Hier und da gucken die kleinen bunten Zettelchen heraus, mit denen ich mir die Rezepte markiert habe, die ich nachbacken wollte. Aber nein, das wird nichts mehr mit uns, tut mir leid. Das machen meine Nerven nicht mit, und geschmacklich und optisch hat mich auch nichts richtig überzeugt. Mir fällt auf, dass ich keines der Rezepte wiederholen würde, das macht mich ein bisschen traurig. Aber das Leben ist einfach zu kurz für schlechte Rezepte.

NACHTRAG
Folgende Erläuterung über die Reihenfolge der Zutaten hat uns netterweise der Verlag gesendet: „Die Zutaten sind geordnet nach den Mengen, d.h. die größte Menge steht ganz oben, die geringste Menge ganz unten. Diese Auflistung kommt also jenen Backfreunden entgegen, die zunächst alles abwiegen und bereitstellen, bevor sie sich ans Werk begeben. (Darauf bezieht sich auch der Hinweis, dass man organisiert ans Backen herangehen soll.) Für die, die gleich loslegen und immer nur wiegen, was sie als nächstes brauchen, ist das nicht ganz so praktisch. Aber leider ist es auch hier so, dass man es nicht allen Backfreunden recht machen kann. Wichtig ist uns nur, dass Sie sehen, dass durchaus eine Logik hinter der Zutatenliste steht.“

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

2 Kommentare

  1. Julia

    Hallo Sabine,

    dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber ich lese mich gerade durch eure vegan/vegetarische Rubrik 🙂
    Ich besitze von Roland Rauter sowohl das Kochbuch als auch dieses Backbuch und muss dir voll zustimmen, was die Ordnung der Zutaten angeht. Es ist wirklich unsagbar nervig, dass nicht alle Zutaten in der Reihenfolge der Verwendung geordnet sind. Außerdem hatte ich auch bei einigen Rezepten das Gefühl, dass diese nicht ganz ausgereift sind. Mich stören auch die vielen Rezepte mit Sojasahne, Seidentofu etc. Außerdem diese Sonderzutaten wie Einkornmehl, Carobpulver etc. Das kauft man sich dann einmal für das Rezept und benutzt es evtl. nie wieder… Ich koche und backe wirklich viel und gern, aber bei diesem Buch hab ich leider keine Lust mehr mich von vorn nach hinten durch zu arbeiten (was ich bei anderen Koch-/Backbüchern durchaus mache) Schade drum, das Kochbuch gefällt mir nämlich ganz gut.
    Liebe Grüße,
    Julia

    • Katharina

      Wie beruhigend. Sabine war damals echt genervt. Rückblickend interessant, dass diese Selbstverständlichkeit (Reihenfolge) so viel Ruhe ins Kochen bringt. 🙂

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