Kochbuch von Riso Gallo: Risotto ti amo!

Kochbuch von Riso Gallo: Risotto ti amo! ★★★★☆

Risotto ti amo! 101 Rezepte
der besten Köche der Welt
Riso Gallo
Callwey Verlag (2019)
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Julia Eckl-Dorna

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Risotto ist ein Gericht, das polarisiert – von „geliebt“ bis „gehasst“, von „zerschmilzt auf der Zunge zergehend“ bis „pampig“. Zugegebenermaßen gehöre ich eindeutig zu den Fans des Reisgerichts und das Versprechen, „101 Rezepte der besten Köche der Welt“ entdecken zu können, lockte mich.

Risotto hat eine lange Tradition, bereits seit dem 15. Jahrhundert wird in der Po-Ebene im Norden Italiens Reis wie Carnaroli, Arborio oder Vialone angebaut. Die Basis ist verblüffend einfach: Schalotten in Öl angebraten, diverse Zutaten und Reis dazu, mit Weißwein abgelöscht und mit Brühe langsam eingekocht. Die Einfachheit ist auch Basis seines ungebrochenen Erfolgs.

Kochbuch von Riso Gallo: Risotto ti amo!

Doch auch Spitzenköche begeistert die Einfachheit des Gerichts – hier stellen sie ihre raffinierten Kreationen vor. Riso Gallo tritt dabei als Herausgeber des Werkes auf. Das italienische Unternehmen ist einer der grössten Produzenten von Risotto-Reis, das ihn weltweit vertreibt. Insofern ist das Buch kein klassisches Kochbuch, sondern eine Corporate Publishing-Rezeptsammlung. Deren Idee ist es, dass renommierte Köche einerseits für die Marke Riso Gallo eintreten, andererseits in dem Buch vorgestellt werden.

Aber das ist mir erstmal einerlei, ich wende mich dem Kochbuch zu, weil ich daraus kochen möchte. „Risotto ti amo!“ ist übersichtlich gestaltet. Die nach Kontinenten der Restaurants zusammengestellten Rezepte stellen auch jeweils den betreffenden Koch kurz vor. Erstaunlicherweise wirkt das Buch aber rasch und lieblos gestaltet. Die Fotos setzen die Gerichte aus meiner Sicht zu wenig in Szene, Rezept folgt auf Rezept. Für den Leser wären mehr Kreativität, grafische Gestaltung und auch zum Beispiel Zwischentexte mit Erklärungen zu den verschiedenen Reissorten etc. wünschenswert gewesen.

Eigene Geschmacks-Liga

Mein Traum nun, des Abends in Risotto-Variationen zu schwelgen, wird rasch zerstört: Die Zutaten vieler Rezepte – wie frische Gänseleber, Seeigel, Blattgold oder Ramata-Zwiebel – sind schwer oder unmöglich zu bekommen. Auch die Zubereitung der Rezepte stellt sich als sehr aufwendig heraus. So müssen z. B. für das „Risotto mit Fruchtconfit“ neben besagtem Confit auch noch Passionsfruchtsorbet, Himbeerschmetterlinge, Heidelbeer- und Bananenpulver hergestellt werden. Keine Aufgabe für zwischendurch. Hier kochen Meisterköche, und zwar  meisterlich aufwändig, wie es eine Restauranküche erlaubt – der Titel kündigt das um die Ecke gedacht vielleicht etwas an. Ich gebe aber nicht auf und suche mir die Rezepte raus, die ohne Megaaufwand nachgekocht werden können (leider nicht allzu viele) – Sterneküche für zuhause.

Und ich muss ohne Wenn und Aber anerkennen, dass sie geschmacklich in einer eigenen Liga spielen. Das „Risotto mit Entenconfit, Kürbis, Kastanie und Morbier“ war ein Gedicht. Auch jenes mit Erbsen, Ziegenkäse und Frühlingszwiebel war eine ausgewogene Komposition, die in Erinnerung bleibt.

„Risotto ti amo!“ ist kein Kochbuch für die schlanke Börse oder zwischendurch. Der norditalienische Klassiker wird durchweg auf höchstem Niveau und mit anspruchsvollen Zutaten interpretiert. Wer sich dafür interssiert, findet viele erstklassige Anregungen. Vermisst habe ich Ausführungen zum Produkt und zur Geschichte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2020

1 Kommentare

  1. Katja

    Vielen Dank für die treffende Rezension! Ach je, Blattgold… Ich persönlich steige bei Blattgold-Rezepten aus. Ein reines Statussymbol, noch dazu selbst für die, die darauf stehen, ein zweifelhaftes, es ist ja nicht einmal teuer. Ich persönlich will nichts „essen“, was mein Körper gar nicht als Nahrung aufnehmen kann und war keinerlei Eigengeschmack hat. Nun ja, wie so vieles – „Geschmacks“sache… Liebe Grüße!

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