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Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Richard Kägi: Kägi kocht ★★★★

Kägi kocht – Rezepte für mehr Geschmack. Mit Geschichten und Küchentricks des Foodscouts, Richard Kägi, Fotos: Lukas Lienhard, AT Verlag (2020)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Laura Skandy

Von

„Kägi kocht“ dürfte für den Verlag ein Wagnis gewesen sein: Der Autor ist in Deutschland nicht großartig bekannt, das Buch weder thematisch noch nach Länderküche eingegrenzt. Der Mut jedoch hat sich ausgezahlt: Hier wird die ganze Bandbreite der modernen Küche aufgezeigt, von Basics über die feine Küche bis hin zur Patisserie.

Richard Kägi ist ein Schweizer Foodscout. Das bedeutet, dass er für seinen Auftraggeber, den Delikatessenhandel Globus Delicatessa, Ausschau nach potenziellen Foodtrends hält. Beste Voraussetzungen also, wenn man ein innovatives Kochbuch schreiben will. Auf seinem zuletzt neu gelaunchten Blog (richardkaegi.ch) präsentiert Kägi schon seit 2017 seine Kreationen und so manche Küchenweisheit („Everyone should own a blowtorch!“), zudem schreibt er regelmäßig für die NZZ.

Kochbuchautor Richard Kägi
Kochbuchautor Richard Kägi

„Kägi kocht“ kommt schon rein optisch hochwertig daher – marineblaues Leinencover, weiße Schreibschrift, Schwarzweißfoto auf dem Papierumschlag. Insgesamt ist das Design puristisch-schick, allerdings fand ich das Layout bisweilen unübersichtlich. Ganz schlimm: Die Seitenzahlen stehen jeweils innen mittig auf der Seite, sodass man sie erst lesen kann, wenn man die Seite sehr weit aufschlägt. Der Index ist sehr reduziert, man kann nicht nach Zutaten suchen, was das Auffinden der Rezepte erschwert.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram des Autors

Tolles Spektrum von Basics bis zu Besonderem

Beim Durchblättern begeistern mich sofort viele der Rezepte: Vieles ist von der französischen oder italienischen Küche inspiriert, es finden sich sowohl einfache als auch aufwendigere Rezepte, Vegetarisches und Fleischiges/Fischiges halten sich gut die Waage. Ich beginne mit einem Granola, da ich mein Müsli ohnehin regelmäßig selbst zubereite. Ein Volltreffer: Kägi verarbeitet einen Teil der verwendeten Haferflocken zu einem schnellen Porridge, sodass die Masse beim Backen stärker aneinander haftet. So hat man zum Schluss schöne, große Müslicluster. Die Pasta mit Fenchel, Sardellen und Minze überrascht geschmacklich, ohne zu aufdringlich zu sein. (Ich frage mich allerdings, wie groß die „drei Fenchelknollen“ sein sollen.)

Zu Beginn des Buchs präsentiert Kägi eine ganze Reihe von Basisrezepten wie Soßen und Eingemachtes. Die Kräuter-Creme und die Salsa Argentina sind super Möglichkeiten, unterschiedlichste Kräuter unterzubringen und bereichern einfache Gerichte aromatisch. Kräutersaucen waren bisher eher ein blinder Fleck auf meiner kulinarischen Landschaft – Problem gelöst. Bisher überzeugt mich schon mal, dass Kägi beides kann: Tolle Basics, aber auch Ausgefallen-Eigenständiges.

Kochbuch von Richard Kägi: Kägi kocht
Kochbuch von Richard Kägi: Kägi kocht

Für Dessertenthusiast*innen bietet Kägi sehr zu meiner Freude eine überdurchschnittlich reiche Auswahl. Auch hier findet sich Bodenständiges („Leichter Birnenkuchen“, „Zitronentarte“) ebenso wie Extravagantes („Millefeuille aux pommes, caramel au beurre salé“). Abgesehen von einem kleinen Konsistenzproblem bei der von mir getesteten Zitronenmousse bin ich auch hier begeistert!

Großer Geschmack, viel Kägi

Alle getesteten Rezepte funktionieren super, das meiste überzeugt geschmacklich sehr. Eigentlich ein Buch, das jeden und jede begeistern könnte – hätte der Verlag nicht eine Strategie gewählt, welche die Figur Richard Kägi enorm in den Vordergrund stellt. Es beginnt schon beim Cover: Das Umschlagfoto zeigt kein Gericht, sondern einen dreitagebärtigen, muskulösen Mann im besten Alter – Typ GQ-Chefredakteur. Der Klappentext verrät uns auch gleich einiges über Stärken und Schwächen der Titelfigur. Vicor Giacobbo (wer?) etwa findet, „Richi“ koche die Pasta mit zu wenig Wasser, gleiche dafür aber mit zunehmendem Alter Bruce Willis. Na immerhin.

Richard Kägi:

„Ein Kochbuch lässt sich auf vielerlei Arten gliedern. Doch es braucht einen roten Faden, der uns hinein und hindurch führt. Ich wähle denjenigen über die wichtigsten Zutaten.“

Im Buch finden sich dann noch viele weitere Kägi-Fotos (braungebrannt, in Action am Herd, mit Lederjacke, mit Schwein im Arm) sowie persönliche Essays des Autors im Mittelteil. Allein anhand des Buches könnte man den Eindruck gewinnen, hier nehme sich jemand recht wichtig. Folgt man jedoch Kägis Instagramaccount, ergibt sich ein deutlich sympathischeres Bild: Hier stehen die Gerichte im Vordergrund, werden andere Köch*innen gelobt und politische Botschaften verfolgt. Diese Fokussiertheit und Bescheidenheit hätte auch dem Buch gut getan, finde ich.

Kulinarisch ist Richard Kägi für mich eine Entdeckung. Man merkt dem Buch an, dass hier jemand fürs Kochen und Backen brennt und täglich in der Küche steht. Die Idee, Kägi als Person – und als eine Art Ideal des kochenden Mannes – in den Vordergrund zu stellen, ruft bei mir eher ein Schmunzeln hervor, mag aber Fans finden. Für ambitionierte Hobbyköche, die eine Mischung aus Alltagsrezepten und Gerichten für Gäste suchen, ein ideales Buch.

Veröffentlicht im Oktober 2021

2 Kommentare

  1. Thea

    Nach meinem Wissen arbeitet er nicht mehr für Globus…

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