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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | May 1, 2017

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Kochbuch von Rebecca Katz & Mat Edelson: Brainfood ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Rebecca Katz & Mat Edelson: Brainfood
Rezension

Brainfood – Rezepte für Konzentration,
Gedächtnis und geistige Klarheit
Rebecca Katz & Mat Edelson
Fotos Maren Caruso
AT Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Maria Kufeld Von

Sich schlau essen? Klingt im ersten Moment ein bisschen wie „Schlank im Schlaf“. Aber Rebecca Katz tritt mit ihrem Buch den Beweis an, dass es gehen kann. Sie stellt wissenschaftliche Ergebnisse zur Hirnforschung in Zusammenhang mit Ernährung. Ihre Rezeptsammlung für Konzentration, Gedächtnis und geistige Klarheit ist ein spannender Ansatz, der geschmacklich überzeugt.

Nach extra „healthy“, vegan, gluten- und laktosefrei jetzt also Futter fürs Hirn. Beim Buchtitel der amerikanischen Ernährungswissenschaftlerin Rebecca Katz (Foto unten) und ihres Co-Autoren, dem Wissenschaftsjournalisten Mat Edelson, war ich skeptisch und neugierig zugleich. Gut abgeholt fühlt man sich deshalb erst beim Reinlesen in den umfangreichen Einleitungsteil.

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Auf den ersten 40 Seiten gibt es noch kein einziges Rezept zu Gesicht. Stattdessen erklärt Katz, dass es für Nervenkrankheiten unserer modernen Welt wie Depressionen, ADHS oder Alzheimer Ursachen gibt, denen man mit seiner täglichen Ernährung zumindest teilweise entgegenwirken kann. Das tut sie nicht, weil sie einen neuen Pseudotrend schaffen will, noch um Geld zu scheffeln. Der Anlass ihres vierten Buches ist vielmehr sehr persönlich und traurig.

Ein Schicksalsschlag war Grund fürs Buch

Nach zehn Jahren Demenz starb ihr Vater im Alter von 80 Jahren. „Seitdem fühle ich in Anbetracht meiner Gene eine innere Uhr ticken und fürchte, dass auch mein Geist mit Siebzig ein Verfallsdatum erreicht haben könnte“, sagt die Autorin. Also begann sie, Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Ernährung zu recherchieren. Mit dem Ergebnis: „Was wir auf unsere Gabel laden, beeinflusst unser Gehirn – ganz definitiv und in vielerlei Hinsicht.“

Im Kapitel „Kulinarische Apotheke“ stellt sie deshalb alle Lebensmittel vor, die auf ihre Art ganz natürlich dazu beitragen können, Erkrankungen vorzubeugen. Angefangen bei der Avocado und ihren positiven Effekten auf „Stimmung und kognitive Funktionen“, über Garnelen, die „Lernen und Konzentration“ fördern, bis hin zu Haferflocken und Kirschen, die „mentale Energie“ freisetzen und „gesunden Schlaf“ pushen.

So weit, so gut. Die Mischung aus viel Obst und Gemüse, etwas Biofleisch und -fisch, diversen Kräutern und Gewürzen leuchtet ein. Ihre Übersetzung in (gehirn-)gesunde Gerichte war für mich trotzdem der spannendste Punkt. Eingeteilt ist der Rezeptteil zunächst ganz klassisch in Suppen – Gemüse & Salate – Fleisch, Fisch & Meeresfrüchte – Was immer schmeckt – Saucen, Dips & Dressings – Getränke und Süßes.

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Mediterran bis exotisch – Hauptsache (gehirn-)gesund

Als ich alles gescannt hatte – leider gibt es längst nicht zu jedem Gericht ein Bild, das auch visuell Appetit macht – ging es ans Eingemachte. Wobei leichte Gerichte mit mediterranem (Sizilianische Hühnerbrühe) bis exotischem Einschlag (Garnelen-Curry mit Süßkartoffel) klar das „Brainfood“ dominieren. Mich hat’s gefreut. So konnte ich meine recht umfangreiche Gewürzbatterie wieder einsetzen, zum Beispiel bei der „Magischen Mineralienbrühe“ oder den Cashews aus dem Ofen.

Bei Zubereitungs- und Kochzeiten ist von einigen schnellen bis manch aufwendigeren Gerichten alles vertreten. Vor Zutaten und Zubereitung jedes einzelnen Gerichtes steht ein kurzer, persönlicher Begleittext. Am Ende finden sich immer Nährstoffangaben und Infos zu Lagerung und Haltbarkeit.

Die teils recht langen Zutatenlisten mit oft saisonalen Zutaten wie Spargel oder Grünkohl haben mich immer mal wieder gezwungen, Rezepte zu vereinfachen oder sie gänzlich zu vertagen. Bei Bisonfleisch und Granatapfelsaft musste ich komplett passen. Zu gern wüsste ich auch, ob der „Grünkohl-Quinoa-Salat mit Weintrauben“ so gut schmeckt, wie er aussieht. Auch beim „Borschtsch auf meine Art“ muss ich warten, bis Wirsing wieder zu haben ist. Hier hätte man für Überblicksfreunde wie mich und Kochanfänger vielleicht über eine Jahreszeiten-Kategorisierung nachdenken können und Tipps geben, wo es Ausgefallenes online gibt.

Das Buch macht mit einem neuen Thema auf: Dem Effekt von Nahrungsmitteln auf unser Gehirn. Wobei schnell klar wird, dass die häufig als besonders gesund gepriesene Mittelmeerküche und der asiatische Raum für die Umsetzung des sogenannten gehirn-gesunden Essens Pate standen. Da die Gerichte somit ein spannender Mix aus Saison und Region sind, muss man sich gar nicht zwingend für die Grundidee interessieren und hat trotzdem Spaß und Abwechslung in der Küche. Wenn das am Ende nicht nur satt, sondern auch noch fit und schlau macht, umso besser!

Merken

Nachgekochte Rezepte:

Klassische magische Mineralienbrühe
Der Name war zu schön, um nicht ausprobiert zu bleiben. Außerdem spricht die Autorin im Vorspann von ihrem kulinarischen „Vermächtnis“. Am Ende ist es eine intensive Gemüsebrühe, die Stunden mit Kombu-Alge vor sich hin köchelt. Ich habe sie pur probiert und für Suppen weiterverarbeitet.

Avocado-Zitrus-Salat
Avocado und Zitrusfrüchte funktionieren einfach. Mit knackigem Fenchel eine leichte Sommergeschichte. Mir hat vor allem das Grapefruit-Dressing dazu gefallen. Für mehr Protein würde ich beim nächsten Mal noch die Variation mit Garnelen bzw. Lachs ausprobieren.

Falafel
Klassisch kommen die köstlichen Kichererbsen ja in die Fritteuse. In diesem Rezept wandern sie 25 Minuten in den Ofen. Die gebackene Version sollte nach dem Abkühlen knusprig werden. Tat sie nicht. Die Bällchen blieben bröselig. Das Ergebnis war geschmacklich fein und kalorienbewusst. Mir schmeckt die frittierte Variante trotzdem besser.

Geschrieben im Februar 2017