Kochbuch von Ravinder Bhogal: Love to cook

Kochbuch von Ravinder Bhogal: Love to cook ★★★☆☆

Love to cook: Kochen mit Ravinder Bhogal
Fotos Jason Lowe, Christian Verlag (2010)
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Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Charmant, weltgewandt und auf der Suche nach einem kulinarischen Statement – so präsentiert sich das erste Kochbuch von Ravinder Bhogal. Dabei stand ihr ein exzellentes Team zur Seite, dessen Ziel das Bestmögliche war. Und das Ergebnis lässt sich sehen, der erste Eindruck ist optisch becircend gut. Ganz so eindeutig fällt zwar meine Einschätzung im Hinblick auf den kulinarischen Aspekt des Buchs nicht aus, aber es hat meine Sympathie gewonnen.

Kein geringerer als Gordon Ramsay verhalf der jungen Londonerin zu einem Platz im kulinarischen Zirkus. Bei einem TV-Wettbewerb erkochte sich die Bildhübsche seine Gunst und den Sieg. Vielleicht auch, weil jemand wie sie fehlte. Denn Ravinder Bhogal verkörpert auf eine moderne Art und Weise das, was wir an einer Welt schätzen, die immer näher zusammenrückt, aus der sich ein inspirierender kultureller Schmelztiegel ergibt. Sie tritt zudem charming auf, im Gepäck viel Gefühl und amüsante Schlagfertigkeit.

ravinderIn Ravinders Kochbuch-Debut Love to cook ist all das wiederzufinden. Die Kapitel und persönlichen Texte hangeln sich entlang der twentysomething Seelen-Lage, die mit der Serie Sex & the City aufgewachsen, aber in Bezug auf Food ganz und gar hedonistisch ist: „Seelenfutter: Wenn niemand da ist, um uns zu trösten, brauchen wir Trost auf einem Teller“ oder „Ran an den Speck: Wenn die Chloe-Jeans zwickt“. Das liest sich gut. Und mehr noch: Fotografin Jason Lowe fand für die Buchidee die perfekten Rezeptbilder. Warm, intim, bodenständig begleitet von einer Prise Exotik und gewollter Improvisation. Für die Aufnahmen von Ravinder öffnete sie zudem mutig der Fashion-Fotografie die Tür. Mutig, denn prompt erwachte bei mir in Anblick der betörenden Bilder und des tollen Layouts die Frage: Und was ist mit dem Herzstück des Kochbuchs, den Rezepten? Mehr Schein als Sein?

Überrascht war ich von Ravinders Bandbreite der Gerichte. Hier ist fast die ganze Homecooking-Welt beisammen: Apfelkuchen mit Karamell, Indische Fischküchlein, Burritos mit Chorizo & Rührei, Thai-Salat mit Garnelen und Papaya, Warmer Rote-Bete-Salat mit Bohnen & Feta, Dillcrêpes mit Gemüse. Das wirkt bisweilen für den Leser querbeet, aber ist stimmig aus der Sicht einer Autorin, die als Foodie im kulinarisch aufregenden London lebt und selbst in einigen Küchen beheimatet ist. Von Fusion-Food, wie es vor einigen Jahren Mode war, kann hier aber nicht die Rede sein. Zwar kombiniert Ravinder Bhogal die Länderküchen vereinzelt, aber wohldosiert.

Die Autorin hat eine spielerische Art ihre Gerichte zu gestalten, abseits der Buchbasis mit eingängigen wie zuverlässigen Klassikern. Ihre Rezepte mit persönlicher Note entfalten sich erst langsam. Über sie las ich mehrmals hinweg, bis sie meine Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Manchmal wirkten sie zunächst auf mich artifiziell wie z. B. “Wolfsbarsch in der Salzkruste mit Honigradieschen” oder “Ölsardinen in pikanter Tamarindensauce” bzw. sehr jugendlich wie “Käsekuchen mit Oreo-Keksen”. Ihr Bemühen ist deutlich: Anstatt die bekannten Variationsmöglichkeiten durchzudeklinieren, hat sie sich auf die Suche nach neuen Pointen gemacht. Sehr sympathisch. Und spannend für Köche, die Lust auf Experimente haben. In der Küche ergab sich ein recht gemischtes Bild. Manche Rezepte überzeugten aus dem Stand, waren sogar lehrreich. Andere waren auf einem vielversprechenden Weg. An ihnen war einiges stimmig, so dass sie für mich ein Ansporn waren, die Basisidee für eigene Experimente aufzugreifen. Schließlich gab es auch Flops, die man von eigenen Versuchen kennt, wenn man die letzten Überbleibsel aus dem Kühlschrank zu einem wohlgefälligen Ganzen zusammenführen möchte, aber die Zutaten so gar nicht wollen. Das bringt eine kleine Spannung in das Buch, die zu dem lebendigen Debut und der sympathischen Autorin passt, die gerade erst loslegt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2011

4 Kommentare

  1. Katharina

    So stylisch dargestellt, hat mich das gar nicht gestört. Es soll ja für ein Lebensgefühl stehen. Einige meiner Freundinnen, denen ich das Buch gezeigt, ging es aber ebenso wie Dir. Stimmt schon, das muss man mögen.

  2. Jasmin

    Leider war ich von der Aufmachung, den Fotografien so abgeschreckt, dass ich die Rezepte gar nicht näher angeschaut habe. Was haben High Heels in einer Präsentation von Gerichten zu tun? Gar nichts!

  3. Annick

    Hm, wieviele Male kann man wohl das Wort Sex in einem 80-Sekunden Clip übers Kochen verwenden?

  4. Julia

    Ich hatte das Kochbuch schon in der Hand vor einigen Wochen und fand es optisch ansprechend – beim näheren Hinsehen war mir das Ganze aber zu sehr auf ein “Feelgood”-Buch getrimmt u. erinnerte mehr an eine Frauenzeitschrift denn an ein Kochbuch. Schön zum Blättern, aber nicht wirklich überzeugend. Deine Rezension kann ich deshalb nur unterschreiben. Nettes Coffee Table Book

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