Kochbuch von Rachel Khoo: Paris in meiner Küche

Kochbuch von Rachel Khoo: Paris in meiner Küche ★★★★☆

Paris in meiner Küche von Rachel Khoo
Fotos David Loftus, Dorling Kindersley Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sie ist ein Darling durch und durch

Charming, charming blitzt es zwischen den Seiten von Paris in meiner Küche. Manche werden abwinken, alles sei zur französischen Küche bereits gesagt, aber jede Generation braucht seine Vorbilder, finde ich. Vorbild ist natürlich ein abgegriffenes Wort; es klingt so nach Streber. Und um Perfektion geht es dem Zeitgeist gerade gar nicht, sondern um Inspiration. Außerdem darf es gerne selbstgemacht aussehen. Perfektes gibt es schon überall.

Im Mittelpunkt des Kochbuch steht Rachel Khoo. Sie trifft das Lebensgefühl des Jetzt einmalig gut. Das ist nicht inszeniert, sondern echt. Ihr Vita ist so vielfältig, dass eine Lust, es anders zu machen, nicht überrascht. In London aufgewachsen, einige Jahre eine Klosterschule in Landshut (!) besucht, Kunst- und Design-Studium, dann Jobs in PR und Marketing, schließlich noch einmal Schule, eine süße: 3 Monate Patisserie an der Le Cordon Bleu in Paris. Dann wohl der Kochbuch-Vertrag. Schließlich: ein Mini-Restaurant, quasi ein Mini-Supper-Club in den eigenen vier Wänden und die Gäste als Testesser, während sie an ihrem Kochbuch arbeitete.

Alltagsküche, Snack-Zeit, Sommer-Picknicks, Aperitif, Essen mit Freunden & Familie und Desserts – Rachel gibt in ihrem Erstling den kleinen Dingen den Vorzug. Sehr lebensnah. Man braucht ja nur an der Hand abzuzählen, wie oft man Freunde im Monat einlädt und wie oft man nach den kleineren, unkomplizierten Gerichten sucht. Sehr sympathisch ist, dass Rachel Khoo Hedonistin ist. Es wird nicht an die Linie gedacht oder vermeintliche Mag-ich-nicht-Hemmschwellen. Butter und Blutwurst lassen grüßen. Superb!

Ein Glücksgriff für das Buch und das Geheimnis für seinen Charme sind die Fotos von David Loftus. Man sieht ihnen an, dass es für Loftus ein Spaß gewesen sein muss, mal nicht Jamie Oliver zu fotografieren, sondern eine schöne Frau wie Rachel. Loftus bringt immer zusammen, was vielen anderen Büchern fehlt: warme Rezeptfotos zum Anbeißen, die nur dem Leben entsprungen sein können, und eine legere, elegante Szenerie. Und ganz viel Tageslicht. Das ist, als ob man die frische Luft einatmen kann.

Autorin und Fotograf gehen soweit, dass viel Rezeptfotos richtig ungeschminkt daher kommen: das Hähnchen glänzt mehr schwarz als braun, die Knödel brutzelten offensichtlich einen Tick zu lange in der Pfanne. Einen Foodstylisten gab es hier wohl eher nicht und er nimmt seinen Job sehr naturalistisch an. So sehen die Gerichte aus, wie später in der eigenen Küche, nur das Interieur ist französisch und alles ist stylischer. Gefällt mir alles sehr. (Ja, denn auch bei mir wird es mal etwas zu braun, vor allem wenn ich nebenher im Web surfe. Argh.)

Für Kenner der französischen Küche gibt es keine neuen Einblicke, vielleicht aber Impulse. Für alle anderen bietet Paris in meiner Küche bodenständig herrliche Rezepte, oft versehen mit einer verfeinernden Note von Rachel: z. B. Baguetteknödel zum Bourguignon, die ungebrüht gebraten werden, etwas Pfeffer für die Meringues oder Pflaumen-Pistazien-Kuchen mit geräucherter Wurst. Ihre Rezeptbeschreibungen sind wirklich sorgfältig, detailliert und vorausschauend. Sie hat die Rezepte offensichtlich mehrfach gekocht. Mich haben nicht alle ausprobierten Rezepte am Gaumen überzeugt, einige dafür sehr. Paris in meiner Küche ist dennoch etwas Besonderes. Es hat den Spirit, Menschen zum Kochen zu bringen. Und das liegt an Rachel selbst und ihrer Leidenschaft. Die funkelt zwischen den Zeilen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2012

3 Kommentare

  1. Lena

    Das Buch hat mich im Laden nicht so angemacht, weil es doch sehr fleischlastig ist (hatte ich den Eindruck?).

  2. Helma

    Finde das Buch sehr nett, und liebe v.a. auch die einfachen Rezepte wie die Eier im Näpfchen oder den Croque Madame Muffen. Das sind Dinge an die man kaum denkt und die dennoch so viel hermachen ohne dass man groß dafür einkaufen müsste, auch liebe ich die ganzen Bechamelrezepte wie die Weißweinsauce….und der Salat mit Feige und Hühnerleber kann auch was! Definitiv

    • Katharina

      Liebe Helma, danke für die Tipps. Genau die beiden Rezepte habe ich auch noch notiert. Jetzt erst recht!

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