Kochbuch von Rachel Khoo: Meine französische Küche

Kochbuch von Rachel Khoo: Meine französische Küche ★★★★★

Meine französische Küche
Rachel Khoo, Fotos David Loftus
Dorling Kindersley Verlag (2014)
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Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Was kommt dabei heraus, wenn die Tochter einer Österreicherin und eines Malaien, in England aufwächst, heute in Paris lebt und Kochbücher schreibt? Ein Potpourri an bunten Ideen, kreativ, unkonventionell, überraschend und vielschichtig. Vielleicht wie das Leben der sympathischen Rachel Khoo selbst.

Nach einem Diplom in Kunst und Design in London und PR-Arbeit für eine Luxus-Mode-Marke führte sie ihre kulinarische Leidenschaft nach Paris. Mit einem Diplom als Patissiere der berühmten Kochschule Le Cordon bleu in der Tasche schrieb sie ihr erstes Kochbuch „Paris in meiner Küche“, eine Fernsehshow brachte den internationalen Durchbruch.

Und dieser nicht ganz so glatte Weg, ihre eigene Herangehensweise macht für mich „Meine Französische Küche“ gerade interessant. Für dieses Buch hat Rachel ihre Wahlheimat Paris verlassen und sechs kulinarische Regionen Frankreichs bereist. Was sie dort an Rezepten zwischen Häfen und Schlössern, Trödel- und Weihnachtsmärkten gefunden hat, hat sie auf ihre ganz eigene Art mit ihrem Background neu interpretiert: French food with a twist, nennt sie es selbst auf ihrer Website.

kochbuch-rachel-khoo-valentinas-insDie Leuchttürme der Bretagne inspirierten sie zu einem Dessert aus übereinander gestapelten Windbeuteln. Das berühmte Nougat de Montélimar hat sie als Mousse in einen völlig neuen Aggregatzustand gebracht. Ich muss zugeben, dass es dieses Rezept war, das bei mir reflexartig „wow, muss ich nachkochen!“ auslöste und ich mich für Rachels Werk entschieden habe. Auch wenn ich nicht jedes der ca. hundert Rezepte sofort in mein Küchenrepertoire aufnehmen werde, dieses Buch macht einfach Lust zu kochen, zu reisen, sich mit Freunden zu treffen. Die umwerfend appetitlichen Fotos von David Luftus kommen so natürlich rüber, egal ob sich ein Polpo-Arm über Kichererbsen kringelt oder salzige Butterkekse mit Tomaten in einer Dose darauf warten aufgefuttert zu werden. Normalerweise verzichte ich lieber auf gestellte „lustige Treffen mit Freunden am Strand mit Aperitif“-Fotos in Kochbüchern – hier hätte ich gern mit Julie und Aurélien eine Runde Boule mitgespielt, so natürlich kommt das rüber. Wenn ich einmal ein Kochbuch schreibe, will ich auch von David Loftus in Szene gesetzt werden! Denn man kauft es Rachel tatsächlich ab, dass sie nach Tellern und Inspirationen auf dem Flohmarkt sucht. Oder in einer Bar in Bordeaux ein Glas Rotwein trinkt.

Dabei heraus kommen authentische Gerichte wie das (sicherlich nicht neue) Rotweinhähnchen aus dem Ofen. Aber auch witzige Neuschöpfungen wie knusprig gebratene Ente mit Sauternes-Trauben, inspiriert von der Peking-Ente, die in den chinesischen Garküchen ihres Viertels in Paris zubereitet wird. Es ist das pralle, bunte Leben, voll Lust und Neugierde auf immer neue kulinarische Entdeckungen, das Rachels Rezepte spannend macht. Aus einfachen Zutaten wie grünen Bohnen kreiert sie Päckchen, gefüllt mit würzigem Beaufort-Käse und von knusprigem Schinkenspeck zusammengehalten, dazu köstliche mit Senf und Thymian abgeschmeckte Puy-Linsen. Das sind Rezepte, die einfach Spaß machen! Der Aufwand hält sich in Grenzen, das Koch- und Essvergnügen ist grenzenlos.

Schön klar und übersichtlich das Layout: vorweg eine kurze Anekdote, links die Zutaten (die magisch von der Küchenfee in kleine Röschen geteilt, gewürfelt, gerieben, entbeint und sonst etwas sind…) rechts die knappen, aber verständlichen Arbeitsschritte. Dass das Rezept dann in 15 Minuten zubereitet ist – klingt gut. Man sollte aber wissen, dass in Ermangelung einer Küchenfee das Schnippeln, Würfeln, Schälen, Reiben auch noch einmal Zeit kostet. Die hilfreichen Tipps helfen Pannen und Enttäuschungen zu vermeiden. Das Register listet alle Rezepte in Deutsch und Französisch auf, auch unter dem Stichwort der (Haupt-)Zutaten – das finde ich enorm praktisch, wenn ich nach einem Rezept suche für den Blumenkohl in meinem Kühlschrank. Und statt ihn einfach mit zerlassener Butter zu Schinken zu servieren, wurde diesmal ein Crumble mit Meeresfrüchten daraus. Ungleich spannender, die britisch-französische Freundschaft im Kochtopf.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2014

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