Kochbuch von Rachel Khoo: Mein Küchentagebuch

Kochbuch von Rachel Khoo: Mein Küchentagebuch ★★★★☆

Mein Küchentagebuch –
Über 100 Rezepte für kulinarisches Fernweh
Rachel Khoo, Fotos David Loftus
Dorling Kindersley Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ist sie nicht ein Traum? Eine Frau, die kochen kann und dabei auch noch bezaubernd aussieht! Ich bin beeindruckt! Rachel Khoo will uns in ihrem neuen Kochbuch Einblick in ihre kulinarische Erlebniswelt geben. Ein Kochbuch mit Persönlichkeit!?

Wie ich Leute beneide, die von klein auf lernen verschiedene Sprachen zu sprechen. Welche Bereicherung fürs Leben! Und ja, ein bisschen neidisch bin ich auch auf Rachel Khoo, diese bildschöne Frau mit ihrer interessanten Biografie. Auch sie verfügt über solch ein reiches Erbe. Zwar hat sie ihre ersten beiden Bücher der Küche ihrer Wahlheimat Frankreich gewidmet. Doch wurde ihr ein viel größerer kulinarischer Schatz in die Wiege gelegt. Mit einem malaysischen Vater und einer österreichischen Mutter trägt Khoo, wie sie selber schreibt, ein „buntes kulinarisches Erbe“ in sich. Ihre Jugend verbrachte sie in Bayern, versteht sich selbst als „stolze Britin“ und lebt seit acht Jahren in Paris. Wow!

Über das Kochen selbst

In dem vorliegenden „Küchentagebuch“ möchte sie nun Einblick in ihre kulinarischen Notizen geben, die sie auf Reisen oder am eigenen Herd gemacht hat. Es verspricht somit ihr wohl bisher persönlichstes Kochbuch zu werden, denn sie will davon erzählen, wie sie arbeitet. Ich bin gespannt Frau Khoo über die Schulter bzw. in die Töpfe zu schauen.

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Das Buch ist klassisch aufgebaut: Einer kurzen Einführung folgen Rezepte für Vorspeisen, Hauptgerichte, Süßes und Hausgemachtes. Zum Schluss gibt es noch ein paar warme Worte zur Ausstattung und Guten Zutaten. Rein äußerlich macht das Schätzchen einiges her. Zwar fehlt das allseits beliebte Lesebändchen und auch der Buchdeckel mit seinem apricotfarbenen Hintergrund ist nicht unbedingt meins. Aber das Format ist prima. Und das Layout – illustriert von Rachel Khoo herself (!) – und die Fotografie überzeugen auf ganzer Linie.

Zu den Foodfotos von David Loftus muss man, glaube ich, nicht mehr viel sagen. Er kanns einfach. Seine Bildsprache ist ganz gegenwärtig, ohne „trendy“ sein zu wollen und zugleich zeitlos. Dazwischen finden sich immer wieder und unaufdringlich Bilder einer hinreißenden Rachel Khoo. Dabei trägt sie, das muss ich erwähnen, ausschließlich Kleider, die von Bild zu Bild exquisiter werden! Auch da beweist sie Geschmack! Doch trotz dieser Inszenierung wird einem die Protagonistin nicht unsympathisch, im Gegenteil. Man schaut sie einfach gern an.

Rigatoni in aufrechter Haltung

Doch nun endlich ganz handfest zu den Rezepten, bevor ich mich in Schwärmereien verliere… Da hat es nicht immer so gefunkt zwischen uns. Gewiss, es findet sich viel Schönes. Aber manchmal konnte ich mir ein Gericht nicht richtig vorstellen oder fand die Zubereitung etwas umständlich. Oder ich hatte den stillen Gedanken, wie hübsch es doch wäre, wenn jemand es für mich kochen würde… Kurz: Ich hatte nicht bei allen Rezepten einen rechten Zugang.

Zum Beispiel werden für eine Tomatencremesuppe – vermutlich anstelle von Croutons – Kichererbsen aus der Dose mit Salz bestreut und 40 Minuten im Ofen geröstet. Da kann man mich ignorant nennen, aber das kann ich mir einfach nicht gut vorstellen.

Oder die „Pasta mit den vorwitzigen Pilzen“: Da werden Rigatoni gekocht, dann aufrecht in vier Formen gestellt (jede einzelne Nudel!), mit Sauce übergossen und dann in jede Nudelöffnung ein kleines Pilzchen gesteckt!! Das passt einfach nicht in mein momentanes Zeitbudget, und das Ergebnis rechtfertigt für mich, ganz subjektiv, auch nicht den Aufwand.

… Chicorée mit Blutorangen & Jakobsmuscheln …

Doch überwiegen, und das möchte ich betonen, die ansprechenden Rezepte. Gedämpfte Brötchen mit Teriyaki-Lachs warten noch darauf nachgekocht zu werden. Oder auch der (rote) Chicorée mit Blutorangen und Jakobsmuscheln steht bei mir ganz oben. Auch die chinesisch inspirierten zart gedünsteten Brötchen mit Füllung würde ich gern essen, doch bedarf es dafür der Reste eines Schweinebratens…

Geschmeckt haben alle der von mir nachgekochten Rezepte und sie haben auch funktioniert. Wenn auch die Beschreibung und die Zutatenliste manchmal etwas länger sind! Und leider erfährt man als Leser auch nichts direkt über die Entstehung eines Rezepts, obwohl ich das eigentlich erwartet hatte. Sondern eben nur das fertige Endergebnis.

Im dem selbstverständlichen Umgang mit kulinarischen Einflüssen spiegelt sich die Biografie Rachel Khoos. Doch hatte ich nach dem Vorwort auf mehr Persönliches gehofft: Die Teilhabe daran wie aus einer Idee ein Rezept wird. So ist ist es eine hübsche Rezeptsammlung, die sich frei zwischen kulinarischen Traditionen und Kulturen bewegt. Ein Buch mit den optischen Qualitäten eines Magazins, aber dennoch kein kulinarisches Leichtgewicht.

Anm. d. Red: Bedauerlicherweise dürfen wir nicht unsere favorisierten Originalrezepte aus dem Kochbuch veröffentlichen. Das Management der Autorin hat sich für ein andere „Versorgung“ der Presse entschieden. Aus diesem Grund werden wir künftig nicht mehr vertieft über Rachel Khoo und ihre Kochbücher berichten. Wir wünschen der entzückenden Autorin natürlich alles Gute.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2015

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