Kochbuch von Pete Evans: Essen mit Freunden

Kochbuch von Pete Evans: Essen mit Freunden ★★★★☆

Essen mit Freunden

100 Rezepte für draußen und drinnen
Pete Evans, Fotos A. Smart, Collection Rolf Heyne (2013)
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Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Kann allein der Buchtitel einen schon so einnehmen, dass man einfach zugreifen muss? Mich schon! Erstens, was gibt es kommunikativeres als mit Freunden am Tisch zu sitzen und gemeinsam ein schönes Essen zu genießen? Und zweitens ist da sowieso immer die Sehnsucht nach dem „Draußen“. Wenn sich auch meine persönlichen ‚Draußen-Möglichkeiten‘ auf den Balkon beschränken, ließe sich ja vielleicht ein Kompromiss aus Drinnen zubereiten und Draußen genießen finden. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Der australische Autor Pete Evans besitzt 2 Restaurants in Sydney, arbeitet als Koch- auch im dort heimischen Fernsehen, hat Familie und 2 Kinder, ist leidenschaftlicher Angler und weil das alles noch nicht reicht, schreibt er auch noch Kochbücher. In diesem schwergewichtigen Werk geht es hier also um seine 100 Lieblingsgerichte.

Solide und edel aufgemacht, ist das Buch in die zwei großen Kapitel „Draußen“ und „Drinnen“ unterteilt. Das Inhaltsverzeichnis trennt noch einmal diese beiden Kapitel in ‚Frühstück, Mittag- und Abendessen, Nachspeisen und Drinks‘. Laut Pete geht es um unkomplizierte Gerichte für Zuhause. Mit seinen Worten ausgedrückt: „ … von der Welt der Restaurantküche so weit entfernt, wie es eben ging“. Jedem Rezept ist ein appetitlich aussehendes Foto voran- oder hintenangestellt. Meine eigene Vorstellungskraft wird also glücklicherweise nicht überstrapaziert. Dabei kommen die Bilder angenehm ländlich pur und natürlich dargestellt ohne weiteres Chichi aus, manchmal auch mit Pete im Einsatz. So oder so ähnlich würde ich mir das mit dem Landleben als Städter auch vorstellen. Und flugs, nach zweimaligem durchblättern, ist das ganze Buch auch schon übersät mit kleinen Spickzetteln, die sofort zum Nachkochen aufrufen.

So weit so gut, und wie sieht es mit der Umsetzung aus? Fürs Erste war klar, es wird ein Fischgericht, denn davon gibt es die meisten Rezepte, nicht nur für ‚Draußen‘. Leuchtet ja auch ein bei einem leidenschaftlichen Angler. Allerdings schieden einige Rezepte erst einmal aus, weil ich Exoten wie Bärenkrebse, Mangrovenkrabben oder Yabbies (?) nicht gerade um die Ecke bekomme. Inzwischen habe ich auch gelernt, dass Yabby eine Krebsart ist, die überwiegend in – na wo wohl – Australien vorkommt. Es gibt aber glücklicherweise auch reichlich Rezepte, wo der Einkauf der Zutaten keine Weltreise bedeutet.

stevan-freundeIch startete also mit einem ‚Draußen-Rezept‘ mit Garnelen und lande gleich einen Volltreffer. Die Raffinesse liegt im dazugehörigen Dip. Aber davon später. Als nächstes wurde zum Ausgleich ein ‚Drinnen-Rezept‘ probiert, ein sehr zeitaufwendiges Kaninchenragout. Die umfangreiche Vorarbeit steigerte wahrscheinlich meine Erwartungen in das Ergebnis. Das Urteil der Essensrunde fiel mittelmäßig gut aus. Kein Highlight aber okay.

Insgesamt ist das Fisch-Fleisch-Verhältnis im Kapitel „Drinnen“ ausgewogener. Dabei lassen sich die meisten Gerichte zu meiner Erleichterung auch gut drinnen zubereiten. Vegetarier haben hier allerdings Trauer, egal ob Draußen oder Drinnen. Nur wenige Rezepte, wo nicht zumindest Speck oder Sardellen dazu gehören. Aber immerhin gibt es doch einige leckere Salate, die berühmte Peperonata oder ein Auberginen-Parmigiano, die ohne Fisch oder Fleisch auskommen. Eine gewisse Vorliebe für die italienische Küche ist nicht zu übersehen und dies gibt Pete Evans unumwunden zu. Und schlummert nicht in vielen von uns eine heimliche Vorliebe zur italienischen Küche?

Mit einem seiner beiden Restaurants hat sich Pete auf Pizza spezialisiert. Es werden aber nur 3 Pizzarezepte vorgestellt, davon ist eins süß. Ich muss gestehen, dass ich selbst als Nachtisch keinerlei Lust darauf verspürt habe, eine Pizza mit Schokolade und Banane zu testen. Aber vielleicht habe ich da ja etwas verpasst?
Zu fast jedem Rezept gibt es eine kleine Geschichte, woher kommend und vom wem usw. Das scheint jetzt en Vogue zu sein. Es macht das Ganze zwar umfangreicher, gibt aber keine wirklich wichtigen Informationen. Eine Zeitangabe zu den Vorbereitungs- und Kochzeiten wäre mir lieber bzw. hilfreicher gewesen. Unsere Essenszeiten fielen äußerst unterschiedlich aus. Morgens rasch die Zutaten auf den Einkaufszettel notiert, bedeutete dann abends manchmal doch eine deutlich längere Zeit in der Küche, als auf den ersten Blick erkennbar. Aber alle ausprobierten Rezepte waren stimmig von der Abfolge, verständlich formuliert und ohne Übersetzungsfehler. Und das Register ist ausgiebig genug, dass ich das gesuchte Rezept auch wiederfinde, wenn ich nur noch eine Zutat davon im Kopf habe.

Bis auf einige Ausnahmen, wo ich auf Neues gestoßen bin, sind mir viele der auf 220 Seiten verteilten Rezepte – leicht abgewandelt – vertraut. Aber das ist wohl auch naheliegend, denn hier geht es schließlich um seine ‚100 Lieblingsrezepte‘. Dazu gehören für Pete sowohl Speck-Ei-Brötchen, Arme Ritter und als Liebeserklärung an seine Mum, ihre besten Spaghetti Bolognese. Aber ich habe auch köstliche Fischgerichte kennengelernt, schöne Salatvariationen entdeckt und einiges Bekanntes wiedergefunden. Vielleicht braucht man ab und zu solche kleinen Erinnerungen, um in der Fülle von neuen Rezepten das Bewährte nicht zu vergessen. Einzig die Drinks habe ich schlichtweg ausgelassen. Irgendwie fand ich dafür nicht den richtigen Anlass. Aber wer weiß, vielleicht lade ich mal zu einer Cocktail-Party?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2013

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