Kochbuch von Pete Evans: Casual Cooking

Kochbuch von Pete Evans: Casual Cooking ★★★★★

Casual Cooking
Kochen für die ganze Familie

Pete Evans, Fotos Katie Quinn Davies
Rolf Heyne Collection

Mehr über den Kochbuch-Verlag

Stefanie Will

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Eigentlich bin ich längst aus dem Alter raus, in dem man ganz ungeniert für wildfremde Männer schwärmt. Ja, selbst die sehr innige Beziehung mit meinem Ganzkörper-Brad-Pitt-Starschnitt beendete ich vor, nun ja, einigen Jahren. Und trotzdem gerate ich regelmäßig in teenager-ähnliche Verzückung, wenn ich einen Namen höre: Pete Evans. Ein australischer Sunnyboy, der nicht nur ein Haus am herrlichen Bondi Beach in Sydney hat (in dem er mit Ehefrau und zwei Kindern lebt …), sondern der auch noch kochen kann. Und wie! Nicht umsonst ist er in seiner Heimat ein Star mit eigener TV-Show, eigenen Restaurants und – halleluja! – eigenen Büchern! Sechs Werke hat der „australische Pizza-Gott“, wie er auch genannt wird, bisher veröffentlicht, vier davon auf Deutsch. Und alle haben einen Ehrenplatz in meiner Küche. Das ist dann wohl die Erwachsenen-Version des Bravo-Posters.

Ich war in den letzten Wochen also in guten Händen. Besser gesagt: Pete war in guten Händen. Nämlich in meinen. Täglich blätterte ich durch sein neuestes Werk „Casual Cooking“, übersprang die immer wieder dazwischen gestreuten Fotos seiner viel zu schönen Bilderbuchfamilie und ergötzte mich stattdessen an den Köstlichkeiten, die mir da auf über 250 Seiten entgegen sprangen, allesamt grandios inszeniert und wunderschön fotografiert von der zauberhaften Katie Quinn Davis (www.whatkatieate.com). Asiatisch inspiriert, französisch, italienisch, spanisch … Ein Multi-Kulti-Eldorado für alle Fans guter und ehrlicher Länderkulinarik. „Meine liebsten und verlockendsten Rezepte, die im Laufe der letzten 20 Jahre in meiner Küche entstanden sind“, wie der Autor in seinem Vorwort schreibt. „Aber auch einige Gerichte, die meine Mutter immer gekocht hat.“

Bkochbuch-prete-evans-website95 sind es an der Zahl, untergliedert in vier übersichtliche Kapitel „Frühstück“, „Mittags & Abends“, „Beilagen“ und „Desserts“, wobei die Hauptgerichte nochmals in „Vegetarisch“, „Fisch & Meeresfrüchte“, „Geflügel“ und „Fleisch“ unterteilt sind. Rezepte, die schon beim Anblick Appetit machen. Sinnlich, raffiniert und leicht nachkochbar, ohne dass man fürchten muss an den Rand des Wahnsinns zu gelangen. Gut, für ein paar Gerichte braucht man spezielles Zubehör – mal wird eine Pastamaschine vorausgesetzt, mal eine Eismaschine, aber das ist die absolute Ausnahme. Einige Zutaten muten zunächst vielleicht etwas exotisch an, sind aber in jedem einigermaßen gut sortierten Asia- oder Bioladen zu bekommen. Schnickschnack und neunmalkluge Erläuterungen sucht man (zum Glück) vergeblich, dafür wird jedes Gericht von einer kleinen Anekdote begleitet, in der Pete in aller Kürze und mit einer großzügigen Prise Charme erklärt, warum er genau diese Köstlichkeit in sein Buch aufgenommen hat und welche persönlichen Erinnerungen er damit verbindet.

Als ich mich aber daran machte die Rezepte nachzukochen, stand ich vor dem gleichen Problem, das ich auch immer beim Konditor um die Ecke mit der riesigen Vitrine habe: Was will ich? Antwort: Alles. Und zwar sofort. Weil ich aber nunmal weder körperlich noch räumlich die Kapazitäten habe, alle 95 Rezepte auf einmal zuzubereiten, beschloss ich ganz pragmatisch, mich von vorne nach hinten durchzuarbeiten. Ich begann mit einem Frühstück: „Bananen-Dattel-Porridge“. Süß, sättigend und gesund – damit werde ich nun des Öfteren in den Tag starten! Es folgten Hauptgerichte wie „Pappardelle mit Mangold, Pinienkernen und Ziegenkäse“ (der Himmel für alle Nudelfans!) oder „Bibimbap Sushi“: „Eine herrlich einfache Variante für die Familie, ohne lange rollen und alles in Stücke schneiden zu müssen“, so Evans. Heißt im Klartext: Sushi für Faule – einfach alles zubereiten, auf einem Holzbrett verteilen, servieren. So mag ich das! Ein echtes Highlight war der „Lachs mit Erbsenpüree und Radieschensalat“. Das Beste: die Honig-Senf-Sauce, die dazu gereicht wird. Ich bereite mittlerweile immer die zwei- bis dreifache Menge zu und lagere sie im Kühlschrank – passt zu allem!

Ganz zum Schluss hat mich Pete Evans dann aber doch enttäuscht – vielleicht war es aber auch mein Ofen, der mich hängenließ. Auf jeden Fall brauchte der „Käsekuchen mit Zitronen und Limetten“ doppelt so lang wie im Rezept angegeben. Die gute Nachricht: Auch wenn das Ergebnis auf sich warten ließ, enttäuscht hat es nicht. Im Gegenteil – zu viert vernichteten wir das ganze 28-cm-Durchmesser-Dessert an einem Abend! Insofern kann ich nicht anders, als fünf Sterne nicht nur für die unglaublich leckeren Rezepte, sondern auch für die äußerst ansprechende Optik zu geben.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2014

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