Kochbuch von Paul Pflüger: Captain’s Dinner

Kochbuch von Paul Pflüger: Captain’s Dinner ★★★★☆

Captain’s Dinner – Eine maritime Entdeckungsreise mit original Seemannsrezepten
Autor & Fotos von Paul Pflüger © 2018 @thecaptainsdinner
Verlag teNeues, € 35
www.teneues.com

Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sie sind rar geworden, aber es gibt sie noch – Hochseefischer, die in europäischen Gewässern bei Wind und Wetter ihre Netze oder Angeln auslegen und auf einen guten Fang hoffen.

Paul Pflüger ist zwar weit weg vom Meeresstrand in Mainz geboren worden, aber es hat den Kameramann immer wieder dorthin gezogen, wo die Wellen wogen und unerschrockene Crews hinausfahren, egal bei welchem Wetter. Seinen oft wunderschönen Fotos, die klar im Vordergrund stehen, sieht man sofort an, dass er von seinem Handwerk etwas versteht. Aber auch die Texte überzeugen.

Auf den kleinen Kuttern und Trawlern ist ständig etwas los, die Arbeit ist hart und der Erfolg ungewiss. Da kommt schnell Seemannsromantik auf und es gibt allerlei Geschichten zu erzählen. Das liest sich spannend und man vergisst als Leser allzu schnell, dass Fischfang auch andere Seiten zu bieten hat, ganz unromantische wie Fangquoten und Überfischung. Davon erfährt man hier leider arg wenig. Schade, denn als Konsument sollte man schon wissen, welchen Fisch man bedenkenlos kaufen kann.

Ein hartes Handwerk

Trotzdem bin ich den Fischern gerne bei ihren Fahrten gefolgt, denn schließlich handelt es sich meist um harte Arbeit ohne Achtstundentag und Urlaubsanspruch, um ein Handwerk, das viel Können, Mut und Verantwortung erfordert. Und zu dem weitaus mehr gehört als Netze auslegen, warten und wieder einziehen. Zwei Dutzend Fischer werden vorgestellt, von Island ganz im Norden bis nach Sizilien, von Portugal bis ins Schwarze Meer. Übrigens sind auch Frauen unter ihnen. Aber nicht nur von ihren Fahrten und allem Drumherum wird abwechslungsreich und spannend berichtet, der Hauptgrund, weshalb ich das Buch hier bespreche, sind natürlich vor allem die Rezepte.

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Je zwei steuert jeder Fischer bei. Oft sind das ganz einfache Speisen wie Suppen und Eintöpfe, da an Bord nur wenig zur Verfügung steht, vom Fisch mal abgesehen. Beste Voraussetzungen, dass auch Anfänger auf ihre Kosten kommen. Manchen Rezepten sieht man aber an, dass sie wohl eher außerhalb der engen Kajüte an Land zubereitet worden sind. Mit den Zutaten gibt es eigentlich auch kaum Probleme, da wenn nötig Alternativen genannt werden. Überhaupt werden eher nicht allzu exotische Fischarten bevorzugt. Erwähnt wird zwar, worauf man beim Fischkauf achten sollte, aber etwas mehr Warenkunde wäre schon gut gewesen.

Fisch satt

Sehr angetan war ich etwa von der Katalanischen Fischsuppe, schön sämig mit Kartoffeln, Zwiebeln und Tomaten, in der dann Filets und Meeresfrüchte vor sich hin garen. Gestaunt habe ich, dass es wohl auch Fischer gibt, die mit Gräten ihre Probleme haben. Auch deshalb greife ich gerne zu Tintenfischen, die in der griechischen Version mehliert in reichlich Olivenöl nur kurz gebraten werden, damit sie nicht zäh werden.

Anspruchsvoller geht es in der Bretagne zu bei „Sepia à l’Armoricaine“. Hier werden die Sepien mit reichlich Karotten, Tomatenmark sowie einem Glas Weißwein und einem Schuss Whisky gekocht. Weitaus mehr Whisky kommt wenig überraschend in Schottland ins Spiel, wenn beliebige Fischfilets mit Salz und Zucker mindestens 24 Stunden lang mariniert werden.

Eher nicht auf hoher See wird wohl das Rillette-Gericht von der französischen Mittelmeerküste zubereitet, verlangt es doch vergleichsweise viele Zutaten samt diversen Kräutern. Auf Baguette gestrichen ist das dann ein wahres Gedicht. Zwar ähneln sich gerade bei den Suppen und Eintöpfen manche Speisen, aber das war für mich noch im akzeptablen Rahmen.

Wer sich für das abwechslungsreiche Leben der Fischer interessiert und ihre meist einfachen Rezepte nachkochen möchte, ist bei diesem opulenten Bildband gut aufgehoben. Stimmungsvolle Fotos und Texte lassen jedoch ein wenig vergessen, dass ökologische Aspekte weitgehend ausgeklammert werden. Dies und ein wenig mehr Warenkunde hätten dem Buch gut getan.

Anm. d. Red: Leider mussten wir die Rezension ohne Rezepte und Bebilderung veröffentlichen, weil die rechtlichen Vorgaben zur Verwendung der Fotos nicht erlaubten, sie auf unsere CMS-bedingten Bilderformate zuzuschneiden. Schade.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2019

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