Kochbuch von Paul Hollywood: Bread

Kochbuch von Paul Hollywood: Bread ★★★☆☆

Paul Hollywood‘s Bread

How to make great breads into
even greater meals

Paul Hollywood, Fotos Peter Cassidy
Bloomsbury Publishing

Annick Payne

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Mit einem Namen wie Hollywood muss man im Showbusiness tätig sein, wenn nicht in der Traumfabrik, dann wenigstens auf der heimischen Mattscheibe. Der gelernte Bäcker Paul ist seines Zeichens gnadenloser Juror der britischen Backshow „The Great British Bake Off“. Das Konzept dieser Fernsehsendung wurde mittlerweile erfolgreich in 13 weitere Länder exportiert, sodass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis auch bei uns um die Wette gebacken wird. Mit „Bread“ hat Hollywood sein fünftes Kochbuch veröffentlicht, telegene Posen des Autors sowie flotte Rezepttexte verstehen sich von selbst – doch können die Rezepte auch im Alltagstest bestehen?

Hollywood beginnt mit einer Einführung zum Brotbacken, zur nötigen Ausstattung, zu Zutaten und Techniken. Es werden auf wenigen Seiten die Grundlagen abgehakt, aber nichts vertieft besprochen. Vielmehr scheint es darum zu gehen, Berührungsängste von Neuköchen abzubauen. Der Hauptteil des Bandes gehört den Rezepten, die sechs Rezeptkapitel widmen sich klassischen Hefebroten, anglo-irischen Soda-broten, Fladenbroten, Broten aus Kontinentaleuropa, Sauerteig- und reichhaltigen Broten. Der Clou des Bandes ist, das jedem Brotrezept mindestens ein weiteres Rezept folgt, in dem es als Beilage oder sonstige Zutat eine Rolle spielt, zum Beispiel gibt es Aufstriche und Chutneys, die zu bestimmten Broten gedacht sind, Currygerichte zum Naan-Brot, Brotaufläufe, gefüllte Brote, etc. Das Konzept überzeugt, die Kombinationen können auch weiter gefasst interpretiert werden als jeweils nur mit dem vorangegangenen Rezept. Der erste Eindruck verspricht einfache, alltagstaugliche Rezepte.

Guter Start …

Das erste Testrezept, englische Crumpets, begeisterte und wird sicherlich noch häufig in unserer Küche anzutreffen sein. Schade, dass sich dasselbe Niveau mit keinem der nachfolgenden Rezepte mehr erreichen ließ. Noch voller Elan wurden als nächstes Pitabrote mit Souvlaki getestet – doch hier lief irgendetwas schief. Der Brotteig ging außerhalb des Ofens gut auf, im Ofen kaum, statt füllbaren Pitas bekamen wir steinharte Knäckebrote. Die Souvlaki sollte man entweder grillen oder in der Grillpfanne braten; ich habe mich drinnen für eine entspießte Version entschieden, da die runde Pfanne maximal einen Spieß zur Zeit beherbergen kann. Es hat geschmeckt, aber in der Verbindung mit dem Pita-Knäcke war’s kein wirklicher Knaller.

Auch das restliche Hollywood-Experiment blieb dem Mediokren verhaftet. Nichts falsch machen, dachte ich, kann man mit Pizzateig, und so war es auch, der Teig erfüllte alle Bedürfnisse, aus der angegeben Menge hätte ich allerdings nie 3 Pizzen backen können bzw. wollen, sie wären sehr klein geraten. Mir hat die Couronne aus Brioche-Teig sehr gut geschmeckt, allerdings ist sie aufgrund der verwendeten Buttermengen extrem sättigend, sodass wir jeweils nur kleine Stücke verspeist haben, so richtig zulangen mochte keiner. Dafür schmeckte die Couronne auch am folgenden Tag noch frisch und ließ sich wunderbar für ein Picknick verwenden.

Wichtige Lektion

Gerne wollte ich auch ins Soda-Brot-Kapitel einsteigen, doch da klassische Soda-Brote bislang noch keine Stürme der Leidenschaft in mir entfesselt haben, entschied ich mich für ein Gebäck namens Parkin, angeblich ein würziger Ingwerkuchen. Der Parkin (bzw. Parkinson, wie ich die immer noch in meiner Küche unangetastet herumstehenden Reste nenne) bescherte mir mindestens zwei Probleme: zum einen ging er nicht so auf, wie es das Rezept und Foto suggerierten, und dass, obwohl ich mein Natriumbikarbonat aus England beziehe! Zum anderen verwendet der Autor viel, viel, viel zu viel gemahlenen Ingwer. Entweder ist der englische Ingwer milder oder es hat sich hier ein Fehler eingeschlichen. Ich habe die Menge um fast ein Drittel reduziert, weil sie mir bereits beim Kochen unmäßig erschien, und dennoch sollte meiner Ansicht nach der parkinsonsche Ingwergeschmack unter das Betäubungsmittelgesetz fallen – es bläst einem schlicht alle Geschmacksknospen weg. Trotz aller guten Vorsätze entfällt daher bei uns das nachfolgende Rezept „Parkin Crumble“, denn eine wichtige Lektion, die ich beim Kochen gelernt habe, ist, dass man Gerichte, die einem nicht schmecken, niemals als Zutaten für weitere Gerichte verwendet sollte. Und ein wenig Butter und Zucker werden aus unserem Parkinson auch nichts Netteres zaubern.

Fazit: Trotz gelegentlicher guter bis sehr guter Rezepte kann der Band nicht völlig überzeugen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2013

2 Kommentare

  1. Ulrike

    Hallo aus München,
    vielen Dank für die Rezension.
    Ich würde gerne die Crumpets backen. Leider kann ich mir unter „strong white bread flour“ nichts genaues vorstellen.
    Womit kann ich dieses ersetzen? Mit welchen Mehlsorten hat Annick gebacken?
    Über Nachhilfe zum Thema englische Mehlsorten würde ich mich freuen.
    Uli

    • Annick

      Hallo Uli,
      eins zu eins lassen sich Mehlsorten aus anderen Ländern leider nicht „übersetzen“, weil auch die Herstellung nicht identisch ist. Ich habe die Crumpets mit Weizenmehl 550 gebacken, das hat gut funktioniert. Viel Erfolg!
      Annick.

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