Kochbuch von Omar Allibhoy: Tapas

Kochbuch von Omar Allibhoy: Tapas ★★★★☆

Tapas
120 Rezepte aus der spanischen Küche

Omar Allibhoy, Fotos Ebury Press
Christian Verlag (2014)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Themaverfehlung! Setzen, 6! Oh, wie grausam kann Schule sein. – Oder anderer Ansatz: Was sind eigentlich Tapas? Sind das nicht jene kleinen Appetithäppchen, die Platz auf einem winzigen Teller finden? Solcherlei Häppchen findet man in Omar Allibhoys Buch nicht gerade allzu viele. Andererseits kann eigentlich jedes noch so umfangreiche Gericht portioniert werden – nach dem Motto: was nicht passt, wird passend gemacht. Derlei Überlegungen plagen mich ein wenig zu Beginn meiner Lektüre.

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Nun bin ich kein gestrenger Pädagoge, sondern ein hedonistischer Rezensent, der gute Rezepte zu würdigen weiß. Deshalb möchte ich meine Bedenken, ob man Gerichte wie „Geschmorte Lammkeule auf arabische Art“, „Wolfsbarsch mit Knoblauch und Essig“ oder der Kichererbseneintopf „Cocido Madrileño“, die eher einen großen oder tiefen Teller verdienen, nicht auf die berühmte Goldwaage legen. Und mich lieber voll und ganz konzentrieren auf die 120 spanischen Rezepte, die der junge Koch und Autor hier präsentiert.

Dann eben spanische Küche

Etliche traditionelle Gerichte finden sich darunter, Familienerbstücke und Eigenkompositionen, die zeigen, dass Allibhoy gleichermaßen über Erfahrung und Kreativität verfügt. Gelernt hat er u.a. Im El Bulli von Ferran Adria.

Typographie und Layout stimmen bei dem Buch gleich auf Spanien ein. Es ist schon erstaunlich, dass manchmal nur ganz wenige Stilelemente ausreichen, um dem Leser zu zeigen, was er zu erwarten hat. Dann noch ein roter Stern, ein junger bärtiger Koch und schon haftet dem Buch etwas Jugendliches, ja leicht Che-Guevara-Mäßiges an.

Dieser Richtung entsprechen dann auch die Rezepte, die sich oft ohne viel Schnickschnack auf das Wesentliche konzentrieren, etwa bei dem minimalistischen Kabeljau in Knoblauch-Chili-Sauce. Und auch die Rezeptfotos passen samt Paellapfanne und angeschlagenem Flohmarktgeschirr genau ins Bild.

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Homecooking

Da ich ohnehin ein Freund einfacher Rezeptkompositionen bin, haben mich Gerichte wie der Tomatendip „Salmorejo“, die in Cidre gegarte Chorizo oder die marinierten Makrelen ganz besonders angesprochen. Oder eine schlichte Tortilla, die bei uns häufiger auf dem Küchenplan steht. Oder für die heißen Tage eine Limonade, die aus Zitronensaft und Karamell gemixt wird.

Aber auch bei den etwas aufwendigeren Sachen überzeugt Allibhoy mit gut strukturierten Anweisungen und allerlei praktischen Tipps, auch wenn ich über seine etwas angeberhafte Attitüde, darauf hinzuweisen, wie oft er dieses oder jenes Gericht schon gekocht habe („Tausende Tortillas“), mit einem Schmunzeln hinweggegangen bin.

Für Vegetarier hat der Autor bzw. die traditionelle spanische Küche wenig Verständnis, und auch akribische Kalorienzähler werden sich angesichts üppiger Olivenölmengen entsetzt abwenden. Beim Einkauf und dann später in der Küche dürfte der Hobbykoch auf keine größeren Probleme stoßen, es sei denn, es geht um Zutaten wie frische Schnecken, lebende Flusskrebse, Lammzungen und Schweineschnauzen. Aber das betrifft nur einige wenige Rezepte.

Wer sich wie ich nicht weiter daran stört, dass der Autor unter dem gängigen und beliebten Begriff Tapas quasi die gesamte spanische Küche unterbringt, kann sich an einem Kochbuch erfreuen, das von einfachen Wochentagsspeisen bis hin zum großen Auftritt eine gute Auswahl bietet, das typische spanische Gerichte vorstellt, die nicht in der Tradition verharren, sondern oft neu interpretiert werden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2015

2 Kommentare

  1. Viola

    So geschafft! In einer halben Std kommen die Gäste und die Chorizo schmurrgelt im Apfelwein, Aioli super lecker und die Hackbällche in Tomatensoße blubbern in Ofen munter vor sich hin. Oliven Käse Schinken Paprika und Runzelkartoffel gibt es auch noch. Der perfekte Rahmen für einen schönen Abend mitFreunden im Garten. Danke für den Tipp.

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