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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | May 25, 2017

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Kochbuch von Oliver Trific: USA vegetarisch ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Oliver Trific: USA vegetarisch
Rezension

USA vegetarisch
Oliver Trific
Herausgeberin Katharina Seiser
Fotos Ulrike Holsten
Brandstätter Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Maria Kufeld Von

Der amerikanische Traum wird auch in der Küche gelebt! Zumindest wenn es nach Oliver Trific geht. Der Koch zeigt mit USA Vegetarisch wie reich der tierfreie Rezepteschatz im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Üppige Klassiker und leichte Neuinterpretationen treffen in dem Kochbuch auf Einflüsse der Ureinwohner und Zuwanderer mit einem unglaublich vielseitigen, köstlichen Ergebnis.

Die USA können nur Burger, Caesar Salad und Spareribs? Weit gefehlt! Im fünften Teil der Vegetarisch-Reihe von Brandstätter tritt nach Österreich, Deutschland, Italien und der Türkei Oliver Trific den Beweis an, dass auch die amerikanische Küche fleischfrei einiges zu bieten hat. „Denn in diesem Buch geht es darum, die Diversität der Küche Amerikas zu feiern. Eine Küche, die sich auch heute noch auf vielfältige Weise weiterentwickelt“, schreibt Trific im Vorwort. Er selbst – in Chicago aufgewachsen als Kind deutscher Einwanderer – ist ausgebildeter Koch und Patissier. Nach diversen Stationen in den Staaten kocht er inzwischen in seinem eigenen Restaurant Trific in Hamburg.

Nach sehr überschaubaren zwei Seiten Vorwort legt Oliver Trific (Foto links) direkt mit den 150 Rezepten los. Man(n) konzentriert sich aufs Wesentliche. Davon könnten sich ein paar Kochbücher definitiv eine Einleitungsscheibe abschneiden. Wie in den anderen Bänden unterteilen sich die Gerichte in die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie die „Jederzeit“-Kategorie.

Einfache, klassische, moderne, herzhafte und süße Gerichte wechseln sich immer wieder ab und werden durch Grundrezepte ergänzt. Zu einigen Rezepten liefert Trific gleich Variationsmöglichkeiten – wie bei den Pancakes mit Heidelbeeren, die er alternativ mit Schokodrops und Bananen empfiehlt.

Von Walnuss-Brownies bis Bloody-Mary-Salat ist alles dabei

Ich muss gestehen, Comfort und Soul Food triggert mich immer. Bei Zwiebelringen, Mac and Cheese, Blauschimmelkäse-Dressing oder Walnuss-Brownies bin ich mental sofort wieder in den Staaten und schreib den Einkaufszettel schon parallel zum Lesen. Die opulenten Bilder tun ihr Übriges. Dazu finden sich in dem Buch auch Zubereitungen von so Ungewöhnlichem wie Cranberry-Ahorn-Butter, Erdnusssuppe und Bloody-Mary-Salat und interessante Interpretationen à la Coleslaw mit Ananas, „betrunkene Süßkartoffeln“ oder Rosenkohl mit Apfel und Pekannüssen.

Schon beim ersten Durchblättern sind bei mir unglaublich viele Post-its auf den Seiten gelandet. Denn Zutaten und Zubereitungszeiten (die im Übrigen nicht angegeben sind) bleiben immer überschaubar. Ganz selten bin ich über Dinge gestolpert, von denen ich nicht sofort wusste, wo ich sie herbekomme. Auf Masa Marina habe ich zugunsten fertiger Tortillas verzichtet. Dabei handelt es sich um aus nixtamalisiertem Mais hergestelltes Maismehl. Auch Melasse und Selleriesalz habe ich auf die Schnelle nicht bekommen, aber konnte auf Alternativen ausweichen.

Blau, Weiß, Rot für den Leser

Wenn ich wirklich nach einem Haken suchen müsste, dann kann ich maximal bemängeln, dass das Buch keine landestypischen Getränke vorstellt. Über eine selbst gemachte Zitronenlimonade oder einen üppigen Erdbeer-Milchshake hätte ich mich sicher hergemacht. Aber das Fehlen kann ich absolut entschuldigen. Zumal bei jedem Essen eine Getränkeempfehlung ausgesprochen wird.

Dafür verliebt man sich immer wieder in die hochwertige Aufmachung und so entzückende Details wie die drei Lesebändchen in den Landesfarben Blau, Weiß, Rot. Und sogar an die Umwelt wurde bei USA Vegetarisch gedacht. Das Buch wird klimaneutral auf nachhaltigem Papier und mit Pflanzenölfarben produziert.

Mit einer oberflächlichen, plakativen Betrachtung der amerikanischen Küche hat dieses Buch nichts zu tun. Dafür finden sich darin viele spannende, unbekannte Gerichte wieder und Einflüsse der jüdischen, mexikanischen wie guatemalischen Küche, die etwa bei Tacos und Matzenmüsli aufploppen. Aber auch heiß geliebte, üppige Standardgerichte wie Apple Pie und Waldorfsalat werden nicht vergessen. Wer sich auf die grüne US-Küche konzentriert, wird nichts vermissen und mit viel Mais, Pilzen, Kürbis, Avocado und Bohnen ihr ganz eigenes Gesicht erkennen. Dabei bleibt das Buch immer angenehm unaufgeregt und wechselt gekonnt zwischen bodenständigen Ideen wie Kartoffel-Grünkohl-Küchlein mit Pilzen und Extravagantem wie sauer eingelegter Wassermelonenrinde. Wenn ihr mich fragt, kommt hier das neue, rundum gelungene Standardwerk. 1+!

Nachgekochte Rezepte:

Quesadillas
Eigentlich liebe ich dieses blitzschnelle „Pfannengericht“. Hier war mir aber eindeutig zu wenig Füllung zwischen dem Teig. Zwiebel- und Käsemenge würde ich erhöhen. Den Dip kann ich dagegen sehr empfehlen, auch für Gemüsesticks o.ä.

Erbsen-Frittata mit Ziegenkäse
Frittata geht immer. Und mit dieser frischen Kombi aus Ei, Frühlingszwiebeln, Erbsen und Ziege macht man nichts falsch.

Heidelbeer-Pfannkuchen
Wenn man diese Pancakes gemacht hat, wundert es nicht mehr, dass die Hälfte der weltweit geernteten Heidelbeeren aus einem US-Bundesstaat stammen. So hohe fluffige Teiglinge habe ich mit keinem Rezept vorher hinbekommen. Wir konnten von den heißen, platzenden Beeren mit Ahornsirup gar nicht genug bekommen. Falls es vier hungrigen Frühstückern ähnlich geht, würde ich sicherheitshalber gleich die doppelte Menge nehmen. 😉

Tomatensauce Marinara
Eine feine klassische Tomatensauce. Passt perfekt in die überbackenen Makkaroni (siehe unten). War geschmacklich aber auch keine Offenbarung.

Gemüse-Chili-Bulgur
Das Chili sin Carne liefert ein reichhaltiges, supergesundes Ergebnis. Statt Bulgur wanderte bei mir Couscous in den (hohen, großen!) Topf. Am Ende hat sich nämlich einiges Gemüse angesammelt. Und der Cheddar, der am Ende damit verschmilzt, ist echt die Krönung.

Walnuss-Brownies
Hier ist Timing King. Auf keinen Fall sollte der Teig zu lange im Ofen bleiben. Ich hätte die Brownies fast noch vor den angegebenen 25 Minuten rausnehmen wollen, so schön klietschig waren sie oben. Warm war gleich die Hälfte weg. Kalt fiel mir auf, dass ich den Esslöffel Salz eine Spur zu viel finde.

Überbackene Makkaroni
Mit der Unterschrift „wie Lasagne, aber weniger Arbeit“ hatten sie mich. Tatsächlich macht der Auflauf deutlich weniger Arbeit. Das Ergebnis war ein gelungenes Nudelgericht. Den Lasagnenvergleich würde ich allerdings nicht anstellen.

Geschrieben im April 2017