Kochbuch von Okka Rohd: Herdwärme

Kochbuch von Okka Rohd: Herdwärme ★★★★☆

Herdwärme – Eine kleine Kochschule
für das große Glück zu Hause
Okka Rohd
Fotos: Simone Hawlisch
Autorenfoto: Marlene Sørensen
Kailash Verlag (2017)

Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Selten, sehr selten hat mich ein Kochbuch so beschäftigt, wie das Buch von Okka Rohd. Über Wochen habe ich immer wieder so Sätze fallen lassen wie „Das ist ja eine hervorragende Idee, und die Rezept sind gut – aber warum hüpfe ich eigentlich nicht begeistert rum und schreibe schnellstens die beste Rezension ever?“ Ehrlich gesagt hat mir der näher rückende Abgabetermin hier auch keine Antwort beschert, aber irgendwann muss das Ding ja raus.

Aber von vorn. Was habe ich mich auf Herdwärme gefreut. Okka Rohd ist mir durch ihren Blog schon lange ein Begriff und ich bin ein großer Fan ihrer Schreibkunst. Was für ein Stil. Ihr Blog war daher einer der ersten Links, die ich in meinem Bloglovin-Newsletter gespeichert habe, und auch jetzt, lange, nachdem ich das Bloglesen ad acta gelegt habe, gucke ich immer mal wieder bei ihr rein.

„What? Nicht im Ernst?“

Ihre Themen haben sich verändert und angepasst. Angepasst an das, was die Autorin aktuell beschäftigt, und so kamen im Lauf der Zeit mehr und mehr auch Beiträge über bestimmte Rezepte und die Bedeutung von Essen, Genießen und Kochen hinzu. Eine schöne Entwicklung, der ich gern gefolgt bin.

Nun trat die Autorin (links ein Foto von Okka Rohd) also auch in meine analoge Welt ein: Kurz nach Erscheinen hielt ich die etwa 300 Seiten erwartungsvoll in den Händen. Ein Kochbuch, das sich selbst als Kochschule bezeichnet und gleich das ganz große Glück auf dem Cover prophezeit. Da hat sich jemand was vorgenommen. Und erstmals wurde meine Vorfreude von diesem kleinen „What? Nicht im Ernst?“ in meinem Kopf getrübt.

Doch ich will nicht vorgreifen. Wir waren ja erst bei der Inaugenscheinnahme: Das Buch ist qualitativ ansprechend gemacht, wobei es sich aber eher beim Altbekannten bedient und wohl keine Designmaßstäbe setzen wird. Schöne Bilder, gutes Layout und zu jedem Rezeptblock (dazu später mehr) gibt es eine Einleitung und farbig abgesetzte Tipps. Zum Schluss findet der geneigte Leser ein Interview über Küchenausstattung und eine entsprechende Zusammenfassung. Rezeptregister und Zutatenregister schließen den Band ab.

Über die Schulter geschaut

Der erste Eindruck zeugt von handwerklich sauber gemacht und an alles gedacht. Das hat den angenehmen Effekt, dass man sich gleich zurechtfindet. Der identische Aufbau der Kapitel führt den Leser mit schlafwandlerischer Sicherheit durch das Buch. Man weiß, was man zu erwarten hat. Man weiß, wo man sich befindet.

Denn die Idee von Okka Rohd ist ebenso einfach wie großartig: Warum nicht einmal den richtig guten Köchen über die Schulter schauen und sich von Spezialisten Gerichte und Kniffe erklären lassen? In etwa 13 Essays (je nachdem, wie man zählt) berichtet sie von Kochnachmittagen, -tagen, -abenden mit unterschiedlichen Köchen. Die Themenschwerpunkte sind dabei natürlich sehr subjektiv gewählt und rangieren zwischen Wiener Schnitzel, wie koche ich für Kinder und Innereien. Jeder Spezialist für ein Gebiet hat die Autorin in seine oder ihre Küche eingeladen und man hat zusammen gekocht.

Das Essay berichtet dann von diesem Kocherlebnis, die sogenannten Profitipps fassen Hinweise zusammen, und dann schließen sich meist drei Rezepte an, die die Kochprofis für „Herdwärme“ verraten haben.

Wenn ich kurz zusammenfassen darf, so verbindet sich hier eine großartige Idee mit dem gecoverten Versprechen vom großen Glück. Für den Preis würde ich sagen, ist das ein absolutes Schnäppchen. Also immer her damit.

Wo sind die Rezepte zu den Geschichten?

Ich fing an zu lesen. Und zwar von vorn nach hinten. Das war wahrscheinlich mein Fehler. Das Versprechen des großen Glücks versucht die Autorin vor allem durch Beschreibungen ihrer eigenen Kocherlebnisse, die sie wie längere Einleitungen zu jedem Themenabschnitt zu Beginn des Kapitels platziert, einzulösen.

Es sind sehr persönliche Erlebnisse vom Kochen und vom Essen und von Begegnungen. Gleich zu Beginn fiel mir dabei auf, dass hier häufig von Gerichten oder Rezepten die Rede ist, die sich im Kochbuch nicht wiederfinden. Das geht sogar so weit, dass das auf dem Cover gezeigte Gericht nicht enthalten ist. Mich hat das enttäuscht. Natürlich weiß ich, dass es sich hier um die Rezepte der Spezialisten drehen sollte und nicht um eigene von Okka Rohd. Dennoch: Hier sind die Genüsse, die sie mit Glück beschreibt und hier sind die Zubereitungen, von denen mit recht gefühligen Beschreibungen wie Meditation die Rede ist. Sie hätten also einen Platz im Buch verdient gehabt.

Etwas problematisch fand ich in der Masse auch diesen „gefühligen“ Stil. Ich schreibe das ganz bewusst in dem Wissen, dass ich mit dieser Wahrnehmung recht allein bin. Aber mir wurde es einfach zu viel. Spätestens als mir im Buch die dritte unglaublich tolle Person vorgestellt wurde, erinnerte ich mich an den Grund, warum Bloglesen nur eine kurze Episode in meinem digitalen Leben war. Ich will hier gar nicht in die Breite gehen, aber vielleicht empfehlen, dass man sich „Herdwärme“ eher in kleineren Einheiten anguckt.

Also zurück zur Basis und dem A und O eines jeden Kochbuchs. Es geht doch in erster Linie um die Rezepte und die Gerichte. Gleich zu Beginn war mir klar, dass ich aus jedem der Kapitel mindestens ein Gericht nachkochen will.

Gäste zufrieden, Köchin zufrieden.

Den Anfang haben hier die Gerichte von Caroline Grimstedt gemacht. Sie führte zusammen mit ihrem Mann den Berliner Thyme Club und jetzt ein kleines Restaurant mit Dinner-Club-Charakter. Beide Orte habe ich mehrfach besucht und mich immer sehr über das köstliche Essen gefreut. Ihre Rezepte bestätigen einmal mehr ihre Kunst. Grimstedt verbindet ungewöhnliche Kombinationen mit dem Anspruch, für große Runden gut vorbereiten zu können. Beides gelang mit den Beschreibungen im Buch perfekt. Gäste zufrieden, Köchin zufrieden. Was will man mehr?

Meine Kinder wollten mehr. Und zwar Pizza. Oder vielmehr Foccacia. In dem Essay über den Gründer von Standard Pizza wird sehr deutlich beschrieben, warum sich hier eben kein Pizzarezept, sondern sein perfektes Foccacia Rezept findet. Und er hat recht. Pizza gehört in einen sehr heißen Holzkohleofen, den ja nun wirklich nicht jeder sein Eigen nennt. Die Foccacia gehört dafür ab sofort zu unseren Standards (nomen est omen) und wird sicher noch viele Variationen erfahren.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Kailash Verlag

Website von Okka Rohd

Okka Rohd bei Instgram

Weiter mit den Innereien und noch mehr Standards. Diesmal waren sie von meiner fränkischen Mama gesetzt, die natürlich eine himmlische Leberknödelsuppe zubereiten kann. Und ich muss sagen: Das kann ich jetzt auch. Auch hier sind die Rezepte ein Volltreffer. Gerade Grießklößchen sind durchaus anspruchsvoll zuzubereiten, damit sie nicht bei der ersten Berührung mit der Brühe in ihre Bestandteile auseinanderfallen. Diesem Rezept kann man vertrauen. Hier passiert das nicht.

Auch alle anderen Rezepte haben mich begeistert. Vor allem in Verbindung mit den „Profitipps“, die auch für bereits kochende Menschen ein echter Gewinn sind. Einzig das Kapitel um die Kindergerichte habe ich nicht verstanden. Die Rezepte sind weder besonders beeindruckend, noch halte ich viel davon, für Kinder immer eine Extrawurst zuzubereiten. Aber davon ein anderes Mal mehr.

Alles in allem kann ich sagen, dass sich also doch noch das große Glück einstellte. Das Glück, das gut gemachte Rezepte und lecker schmeckende Gerichte verbreiten. Das Glück der Köchin, wenn es den Gästen schmeckt und man gemeinsam einen tollen Abend verbringen kann. Eine Kochschule würde ich Okka Rohds Buch vielleicht nicht nennen, aber es ist ein schönes Buch, um viel über das Kochen zu lernen und was es mit einem macht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2018

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